Catwoman
Sie zeigt Krallen, fletscht ihre blendend weißen Zähne und kämpft in Latex - Catwoman. Ist die Katze ein Symbol für weibliche Erotik? Und wenn ja, warum ist das so?Schön und gefährlich: Kleopatra testet Gift an Gefangenen. Ihr zu Füßen liegt eine Raubkatze. (Gemälde: Alexandre Cabanel, 1887)
Geheimnisvolle Wesen
Frauen und Katzen, gern werden sie miteinander verglichen. Doch welcher geheimnisvolle Zauber verbindet diese beiden Wesen? Die ägyptische Königin Kleopatra (69 bis 30 v. Chr.) soll Katzenaugen gehabt haben; und so mancher Mann schwärmt vom katzenhaften Gang seiner Angebeteten. Gemeinsam haben sie die unvergleichliche Eleganz ihrer Bewegungen - die Gelenke der Katze sind frei beweglich, ähnlich gelagert sind die Hüftknochen der Frau. Nicht zuletzt deswegen heißt der Laufsteg auch Catwalk.
Zuckerbrot und Peitsche
Auch die weibliche Sexualität brachte man schon früh mit dem widersprüchlichen Wesen der Raubkatze in Verbindung: Neben dem Instinkt des Raubtiers besitze die Katze eine geheimnisvolle, unzähmbare Natur, heißt es. Charakteristisch für das Sexualverhalten der Katze sei, dass sie sich erst auffordernd und verführerisch um den Partner winde, ihn jedoch nach Schluss des Liebestreibens mit ausgefahrenen Krallen angreife. Die Frau als Verführung und Bedrohung: Nicht das liebe, unschuldige Heimchen von nebenan, sondern der wilde, geheimnisvolle Vamp im Verborgenen. Frauen und Katzen: zärtlich und widerspenstig, schutzbedürftig und emanzipiert, verschmust und doch unnahbar - eine reizvolle Kombination, die beide so anziehend macht.
Verschmust und doch unnahbar: Frau und Raubkatze in einer Buchillustration von J. Allen St. John (1905).
Die Frau als gefährliche Raubkatze, dieser magische Zauber findet sich in vielen Filmen. Tiger Woman, Panther Woman, Leopard Woman oder Leopard Lady - die Titel sind Programm. 1981 entstand ein Remake des Klassikers Cat People - Katzenmenschen - aus dem Jahre 1942. Zentrales Thema des Films: die Idee der Verwandlung.
Eine Frau mutiert zur Raubkatze, sobald sie von einem Mann geliebt wird. Das Ganze ergibt eine Mischung aus Horror, poetischer Phantasie und morbid-romantischem Märchen über Liebe, Furcht und Tod. Das Motiv der "Katzenfrau" ist in gleichem Maße in der Comic-Welt beliebt. Die bekannteste Figur ist Cat-Woman, die Gegnerin von Batman. Auch hier darf der erotische Aspekt nicht fehlen: Die heimlichsten Phantasien offenbaren sich in Form der atemberaubenden "Katzenfrauen" in extrem engen Kampfanzügen aus Latex und Leder.
Die Leopardin
In ähnlicher Weise greift der Schriftsteller Ken Follett in einem Roman das Sujet der menschlichen Raubkatze auf: Die Leopardin heißt das Werk und spielt in Frankreich, wenige Tage vor der Invasion in der Normandie. Im Mittelpunkt der Handlung steht Felicity Clariet, eine junge Frau im Rang eines Majors des britischen Geheimdienstes und eine Schönheit mit glühenden Augen und kaltem Herz - Codename: die Leopardin.
Alles Männerphantasien?
Die Frau als Raubkatze: Nur reine Männerphantasie? Ganz sicher handelt es sich um mehr als bloße Projektion männlicher Aggressivität auf das weibliche Counterpart. Entstünde da doch die Frage, weshalb sich manche Frau mit dem Habitus des prickelnden, meist angriffslustigen Raubtiers zu identifizieren scheint. Selbst emanzipatorische Deutungsversuche - Widerstand gegen männliche Anmaßung und männliches Gewaltmonopol - tragen hier nicht weit: Gerade Catwoman-Phantasien siedeln ja oft im Bereich lesbischer Orientierung. Plausibler wäre da eine enge Verknüpfung mit dem Bounding-Fetisch: Der heroisch-genussvolle Aspekt des Gefesselt- und Gefangenseins, die gebundene Kraft, wird stilisiert.
Maja Bilic (aktualisiert 14.09.2009)
Infobox
Katzen sind für ihre Reinlichkeit bekannt - Tiger bilden da keine Ausnahme. Das Fell wird mit der Zunge gereinigt, der Kopf mit den vorderen Extremitäten. Die Zungenschleimhaut ist mit unzähligen Papillen bedeckt. Diese Zungenwärzchen bestehen aus kleinen, rachenwärts gerichteten Hornspitzen und verleihen den Katzen die raue Zunge. Ihre Wirkung ist vergleichbar mit der eines Kamms. Nachdem der Tiger gefressen hat, wird das Fell besonders gründlich geputzt, um Blut zu entfernen - nicht nur, weil sich die Tiere unwohl fühlen, sondern auch, damit spätere Beute sie nicht wittern kann. Ihre Körpergröße macht es unmöglich, das ganze Fell zu putzen. Deshalb baden Tiger hin und wieder.




