Die Überlebenden
Krokodile bewohnen seit über 200 Millionen Jahren die Erde. Sie überstanden Klimakatastrophen und Meteoriten. Was ist ihr Geheimnis?Relief im ägyptischen Tempel Kom Ombo: Sobek - das göttliche Mischwesen hat einen menschlichen Körper und den Kopf eines Krokodils. (Bild: Hedwig Storch, CreativeCommons)
Heute wissen wir: Das Krokodil ist ein Überlebender der Saurierzeit. Geht es mit rechten Dingen zu, dass den Riesenechsen die Umformung der Kontinente, die Eiszeit, Dürren und bis vor kurzem noch die Jagd durch den Menschen kaum etwas anhaben konnten? Haben Krokodile etwa übernatürliche Fähigkeiten?
Meister der Anpassung
Wissenschaftler bieten rationalere Erklärungen an. Ein außergewöhnlich gut angepasstes, wandlungsfähiges Lebewesen könne sich über Hunderte von Jahrmillionen behaupten. Etwa so, wie das Mauretanische Wüstenkrokodil, das die Sahara noch kannte, als sie grün und saftig war. Heute ist die Wüstenechse nur halb so groß wie damals und lebt mit heruntergefahrenem Stoffwechsel. Eine gelungene Metamorphose!
Auch der nahe Verwandter des Wüstenkrokodils, das Nilkrokodil, ist perfekt an die Gegebenheiten seiner Heimat angepasst. Lange Dürreperioden sind dort typisch, denn monatelang ist ein großer Teil der afrikanischen Flüsse ausgetrocknet. Bis zu einem Jahr kommen Nilkrokodile ohne Nahrung aus. Erdhöhlen an ausgetrockneten Flussbecken bieten Unterschlupf und Deckung. Dort schalten die Tiere ihren Körper auf Standby: alle Körperfunktionen laufen auf Minimum, das Herz schlägt zwei Mal pro Minute, so wenig Blut wie gerade nötig wird in die Organe gepumpt. Fettreserven aus besseren Tagen werden abgebaut.
Der Tod aus dem Wasser
Das Leben bekommt wieder Kraft nach überstandener Dürrezeit: Um die verlorenen Reserven rasch aufzufüllen, gleitet der tonnenschwere Räuber zurück ins Wasser. Stunden kann es dauern bis Zebras oder Gnus in Angriffsweite kommen. Sein großes Lungenvolumen erlaubt dem Krokodil längeres Luftanhalten. Unauffällig atmet es durch Nasenlöcher an der knapp über Wasser gehaltenen Schnauzenspitze.
Zwei Nilkrokodile beim Baden: Einmal von den gepanzerten Kolossen gepackt, ist Gegenwehr zwecklos. (Bild: Tim Muttoo, CreativeCommons)
Auf einen halben Quadratzentimeter Haut kommt der Druck von einer Tonne. Einmal von diesem Schlund mit seinen spitz zulaufenden Zähnen gepackt, haben auch große Säugetiere keine Chance. Und gegen etwaige Bisse und Tritte des Opfers ist das Krokodil durch seinen knöchernen Panzer geschützt.
Unzerkaute Fleischmassen im Magen
Am Ende bleibt nur noch, die Massen an erbeutetem Fleisch zu vertilgen. Der Magen des Krokodils kann 25 Kilogramm Fleisch aufnehmen - unzerkaut. Durch den Tauchgang wird mit Kohlendioxid angereichertes Blut in den Magen gepumpt, entwickelt dort eine hohe Konzentration Magensäure und lässt rasch neue Fettzellen entstehen. Das Krokodil ist gewappnet für die nächste Hungerperiode.
Experten vermuten, dass die Urzeitechsen auch den von Menschen verursachten Klimawandel überstehen. So wären Krokodile nicht nur Zeugen der Urzeit, sondern ebenso Wesen einer für Menschen ungewissen Zukunft. Wird es Sobek noch geben, wenn wir längst Geschichte sind?
Sandra Thiele (30.01.2012)
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Sobek...
war der Name des Krokodilgottes im alten Ägypten. Die Ägypter verehrten ihn als Herrscher über das Wasser und als Fruchtbarkeitsgott. Auf Reliefs hat Sobek einen menschlichen Körper mit Krokodilskopf. In der linken Hand trägt er ein Zepter und in der rechten ein Anch, das ägyptische Lebenssymbol.
Bekannte Kultstätten mit Teichanlagen für die heiligen Tiere gibt es in Krokodilopolis (Fayyum-Becken) und bei Kom Ombo. Dort verstorbene Tiere wurden mumifiziert. Archäologen gruben Tiere mit einer Köperlänge von über fünf Metern aus.
war der Name des Krokodilgottes im alten Ägypten. Die Ägypter verehrten ihn als Herrscher über das Wasser und als Fruchtbarkeitsgott. Auf Reliefs hat Sobek einen menschlichen Körper mit Krokodilskopf. In der linken Hand trägt er ein Zepter und in der rechten ein Anch, das ägyptische Lebenssymbol.
Bekannte Kultstätten mit Teichanlagen für die heiligen Tiere gibt es in Krokodilopolis (Fayyum-Becken) und bei Kom Ombo. Dort verstorbene Tiere wurden mumifiziert. Archäologen gruben Tiere mit einer Köperlänge von über fünf Metern aus.
Infobox
Das Nilkrokodil
Der Name dieser größten afrikanischen Krokodilart täuscht, denn sie ist mit Ausnahme des Südwestens in den Gewässern ganz Afrikas heimisch.
Nach jahrtausendelanger Verehrung im Altertum wurden die Nilkrokodile im Zwanzigsten Jahrhundert massenhaft gejagt. Wilderer töteten sie, um an ihrer begehrten Haut zu verdienen, aber auch weil es Abschussprämien gab: Die Raubtiere galten lange Zeit als Gefährdung für den Menschen.
In den letzten Jahren hat sich diese Annahme wieder verbreitet: Das Nilkrokodil ist das Krokodil mit den meisten Menschenopfern: Pro Jahr sterben 300-400 Menschen durch die Riesenechsen, was allerdings meist auf unvorsichtiges menschliches Verhalten zurückzuführen ist. Zudem häufen sich Viehverluste und das Zerreißen von Fischernetzen durch das Nilkrokodil, was wiederum mit der stetigen Ausweitung des Siedlungsgebiets der Menschen zu tun hat.
Einst bewohnte das Nilkrokodil den Nil auf seiner gesamten Länge, heute ist nur noch der Oberlauf bis Assuan von den Tieren bevölkert. Immerhin, dank Krokodilfarmen ist der Lederbedarf gedeckt, der Anreiz zum Wildern besteht nicht mehr.
Der Name dieser größten afrikanischen Krokodilart täuscht, denn sie ist mit Ausnahme des Südwestens in den Gewässern ganz Afrikas heimisch.
Nach jahrtausendelanger Verehrung im Altertum wurden die Nilkrokodile im Zwanzigsten Jahrhundert massenhaft gejagt. Wilderer töteten sie, um an ihrer begehrten Haut zu verdienen, aber auch weil es Abschussprämien gab: Die Raubtiere galten lange Zeit als Gefährdung für den Menschen.
In den letzten Jahren hat sich diese Annahme wieder verbreitet: Das Nilkrokodil ist das Krokodil mit den meisten Menschenopfern: Pro Jahr sterben 300-400 Menschen durch die Riesenechsen, was allerdings meist auf unvorsichtiges menschliches Verhalten zurückzuführen ist. Zudem häufen sich Viehverluste und das Zerreißen von Fischernetzen durch das Nilkrokodil, was wiederum mit der stetigen Ausweitung des Siedlungsgebiets der Menschen zu tun hat.
Einst bewohnte das Nilkrokodil den Nil auf seiner gesamten Länge, heute ist nur noch der Oberlauf bis Assuan von den Tieren bevölkert. Immerhin, dank Krokodilfarmen ist der Lederbedarf gedeckt, der Anreiz zum Wildern besteht nicht mehr.
Im Normalfall erreichen Nilkrokodile eine Körperlänge von vier Metern, die größten Exemplare werden stolze 6,5 Meter lang. Hauptnahrungsquelle der Fleischfresser sind Fische, mitunter reißen sie auch große Säugetiere: wie zum Beispiel Zebras.



