Täglich geöffnet?
Futterkästen im Garten oder auf dem Balkon erleichtern Wildvögeln die Nahrungssuche in der kalten Jahreszeit. Manch Tierfreund betreibt sogar die Versorgung bedrohter Arten rund ums Jahr. Doch das ist umstritten.Harte Zeiten für Wildvögel: im Winter gibt es für sie nur wenig zu fressen, vor allem in den Städten. Viele Menschen helfen da mit Futterplätzen für Spatz und Co.
Immerhin sind die Tiere im Winter bis zu 85 Prozent des Tages damit beschäftigt, nach Nahrung zu suchen, um ihre Fettreserven aufzufüllen. Das jedoch kostet Energie, die ihnen dann zum Überstehen frostiger Nächte fehlt.
Großer Andrang im Vogel-Restaurant
Viele Menschen erleichtern deshalb den gefiederten Stadtbewohnern die Nahrungssuche, indem sie Futterplätze im Garten oder auf dem Balkon einrichten. Besonders bei Schnee und Eis finden die Vogel-Restaurants großen Andrang.
Unumstritten ist das Füttern von Wildvögeln jedoch nicht: Gegner sprechen von einem Eingriff in die natürlichen Prozesse des Ökosystems. Befürworter halten dagegen, dass es ja gerade menschliche Eingriffe in die Natur seien, die zur Störung des Ökosystems führten und die natürlichen Nahrungsressourcen der Vögel verschwinden ließen. Den Tieren werde nur das zurückgegeben, was der Mensch ihnen zuvor genommen habe.
Nicht nur im Winter
Prof. Dr. Peter Berthold, ein Ornithologe, geht sogar noch einen Schritt weiter: Der ehemalige Direktor der Vogelwarte Radolfzell empfiehlt, Wildvögel nicht nur im Winter, sondern ganzjährig zu füttern. Die verlängerten Öffnungszeiten der Futterstellen seien "dringend notwendig, um einen weiteren permanenten Rückgang der Vogelwelt zu verhindern." Sogar in der warmen Jahreszeit fänden Vögel heute weniger Futter, da eine ganze Reihe von natürlichen Nahrungsquellen vernichtet worden sei: exotische Zierpflanzen ersetzen die natürliche Flora im Garten hinterm Haus und an Feldrändern gedeiht kaum noch ein die Monokulturen gefährdendes Kraut.
Wachsender Bruterfolg
"Wahre Wunder" verspricht sich der Wissenschaftler und Autor des Buches Vögel füttern - aber richtig von der Ganzjahresfütterung: Das reicht von der Neuansiedlung und dem Erhalt lokaler Populationen gefährdeter Arten über die Hilfe für klimabedingt früher ankommende Zugvögel während Schlechtwetterperioden bis zu besseren Bedingungen für Brutvögel. Letzteres, so Berthold, sei besonders wichtig, da früheres Brüten, größere Gelege und erhöhte Eiqualität zu wachsendem Bruterfolg führten.
Und ist der Nachwuchs erst auf der Welt, verringert sich dessen Sterblichkeit deutlich: Die Jungen sind angewiesen auf natürliches Futter, dessen Suche viel Energie in Anspruch nimmt. Eine nahe Futterstelle erleichtert den Vogeleltern das eigene Überleben und verschafft ihnen Zeit, die sie in die aufwändige Beschaffung von Nahrung für ihre Nachkommen investieren können.
Kein Mittel zum Artenschutz
Doch selbst Tierschützern geht Bertholds Aufruf zur "Rundumversorgung" wildlebender Vögel mit künstlichen Futtermitteln zu weit. So lehnt der Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) die Ganzjahresfütterung als Mittel zum Artenschutz ab. Von wenigen Ausnahmen wie dem Haussperling abgesehen, seien vor allem solche Arten an den Futterstellen zu finden, die nicht im Bestand gefährdet sind, sondern stabile oder sogar wachsende Populationen haben. Auch in Großbritannien, auf das Befürworter gerne verweisen, zeigten sich kaum sichtbare Erfolge beim Wiederaufbau der Artenvielfalt: Obwohl die englischen Vogelfreunde seit langem rund ums Jahr füttern, wurde der Bestandsrückgang gefährdeter Vogelarten nicht aufgehalten.
Natürliches Nahrungsangebot schaffen
"Vorrangig für den Schutz einer artenreichen Vogelwelt ist die Erhaltung von vielfältigen und gesunden Lebensräumen", sagt Dr. Markus Nipkow, Vogelschutzreferent beim NABU. Statt Futterspender aufzustellen, sollte die Hilfe bei den Ursachen ansetzen. Um das Nahrungsangebot für Wildvögel langfristig zu verbessern, sollte zum Beispiel die Landwirtschaft auf Pestizide verzichten, Feldsäume und Brachen schaffen sowie nach der Ernte Stoppelfelder stehen lassen, in denen Vögel sowohl Nahrung als auch Schutz finden.
Auch Gartenbesitzer haben es selbst in der Hand, lebendige Pflanzenvielfalt mit einem reichen natürlichen Nahrungsangebot zu schaffen. Die naturnahe Bepflanzung und Gestaltung eines Gartens dient den Vögeln mehr als das breiteste Futtersortiment.
Hehre Absicht mit Beigeschmack
Apropos Futtersortiment: In seinem Buch informiert Prof. Dr. Berthold ausführlich über Futtermittelsorten und -produzenten. Die Vogelfutter-Hersteller wiederum unterstützen medienwirksam Bertholds Aktion Ganzjährig füttern - Ganzjährig helfen. Durch die auffällige Verflechtung von Werbung und Tierschutz bekommt des Professors hehre Absicht leider einen Beigeschmack.
Ulrike Wolf (19.10.2009)
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Sperling in Gefahr
Wie kaum ein anderer Vogel fühlt sich der Haussperling in unseren Städten und Dörfern zu Hause. Seit über zehntausend Jahren begleitet er den Menschen als so genannter Kulturfolger. Diese Nähe bot dem Spatz, wie der Haussperling landläufig heißt, optimale Lebensbedingungen: in den menschlichen Behausungen gab es allerhand Nischen, Spalten und Hohlräume, um dort das Nest zu bauen. Und seine Lieblingsspeisen - Getreidekörner und Grassamen - fand der Vegetarier in ausreichender Menge.
Auch die Städte wurden zum Spatzen-Paradies: Zwar sieht das Angebot hier etwas anders aus, doch der Allesfresser hat sich längst an Brotreste und Kuchenkrümel gewöhnt. Seine Vorliebe für Körner brachte dem Haussperling jedoch einen schlechten Ruf ein, weil ganze Schwärme im Sommer über die Felder herfielen. Als Schädling und Korndieb verrufen, wurde der Spatz noch bis in die 1950er Jahre hinein gnadenlos verfolgt.
Doch nicht die Jagd brachte den Haussperling an den Rand der Ausrottung. Vor allem Veränderungen im Siedlungsbereich gefährden die Bestände: sanierte Häuser bieten für den Gebäudebrüter kein Loch und keine Nische zum nisten, der chemische Vernichtungsfeldzug gegen Insekten beraubt den Nachwuchs der Nahrung und der erwachsene Spatz findet auf sauber abgeernteten Feldern kaum noch ein Korn. Das beliebte Staubbad zur Säuberung des Gefieders ist in der versiegelten Landschaft übrigens auch nicht mehr möglich. All das macht dem Haussperling das Leben in der Nachbarschaft des Menschen schwer.
Doch weil er so ein "Allerweltsvogel" ist, hat kaum jemand bemerkt, dass der Spatz in den vergangenen Jahren vielerorts schon verschwunden ist. Im Jahr 2002 haben der Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) und der Landesbund für Vogelschutz (LBV) den Haussperling zum "Vogel des Jahres" erkoren, um damit Aufmerksamkeit auf das Problem zu lenken.
Damit sich die Bestände erholen, bedarf es keiner großen Anstrengung: Naturnahe Gärten und ein Verzicht auf toxische Pflanzenschutzmittel erleichtern dem Haussperling und auch anderen Vögeln die Nahrungssuche. Bei Baumaßnahmen sollte Platz für Brutnischen gelassen oder die Fassade begrünt werden. Wo sich diese natürlichen Nistmöglichkeiten nicht anbieten, hilft das Anbringen eines Nistkastens.
Wie kaum ein anderer Vogel fühlt sich der Haussperling in unseren Städten und Dörfern zu Hause. Seit über zehntausend Jahren begleitet er den Menschen als so genannter Kulturfolger. Diese Nähe bot dem Spatz, wie der Haussperling landläufig heißt, optimale Lebensbedingungen: in den menschlichen Behausungen gab es allerhand Nischen, Spalten und Hohlräume, um dort das Nest zu bauen. Und seine Lieblingsspeisen - Getreidekörner und Grassamen - fand der Vegetarier in ausreichender Menge.
Auch die Städte wurden zum Spatzen-Paradies: Zwar sieht das Angebot hier etwas anders aus, doch der Allesfresser hat sich längst an Brotreste und Kuchenkrümel gewöhnt. Seine Vorliebe für Körner brachte dem Haussperling jedoch einen schlechten Ruf ein, weil ganze Schwärme im Sommer über die Felder herfielen. Als Schädling und Korndieb verrufen, wurde der Spatz noch bis in die 1950er Jahre hinein gnadenlos verfolgt.
Doch nicht die Jagd brachte den Haussperling an den Rand der Ausrottung. Vor allem Veränderungen im Siedlungsbereich gefährden die Bestände: sanierte Häuser bieten für den Gebäudebrüter kein Loch und keine Nische zum nisten, der chemische Vernichtungsfeldzug gegen Insekten beraubt den Nachwuchs der Nahrung und der erwachsene Spatz findet auf sauber abgeernteten Feldern kaum noch ein Korn. Das beliebte Staubbad zur Säuberung des Gefieders ist in der versiegelten Landschaft übrigens auch nicht mehr möglich. All das macht dem Haussperling das Leben in der Nachbarschaft des Menschen schwer.
Doch weil er so ein "Allerweltsvogel" ist, hat kaum jemand bemerkt, dass der Spatz in den vergangenen Jahren vielerorts schon verschwunden ist. Im Jahr 2002 haben der Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) und der Landesbund für Vogelschutz (LBV) den Haussperling zum "Vogel des Jahres" erkoren, um damit Aufmerksamkeit auf das Problem zu lenken.
Damit sich die Bestände erholen, bedarf es keiner großen Anstrengung: Naturnahe Gärten und ein Verzicht auf toxische Pflanzenschutzmittel erleichtern dem Haussperling und auch anderen Vögeln die Nahrungssuche. Bei Baumaßnahmen sollte Platz für Brutnischen gelassen oder die Fassade begrünt werden. Wo sich diese natürlichen Nistmöglichkeiten nicht anbieten, hilft das Anbringen eines Nistkastens.




