Die ewige Hatz
Stärke und Anmut des Löwen bewundert der Mensch seit jeher, in der Steinzeit schuf er Bilder der Großkatzen auf Höhlenwänden. Doch nie war der Kult um das imposante Tier nur bloße Verehrung.Wie Donner schallt es durch die Landschaft - über viele Kilometer trägt das Gebrüll des ausgewachsenen Löwenmännchens. Gar furchterregend muss solches Grollen für unsere steinzeitlichen Vorfahren gewesen sein, bloß mit Pfeil und Bogen oder mit der Steinaxt bewaffnet.
Typ des Siegers
Doch unsere Ahnen waren sehr wagemutig: Es galt, dem mächtigsten aller Tiere so nahe wie möglich zu kommen. Jenes Geschöpf zu beherrschen, welches selbst ein Herrscher ist, bereitete mehr als nur Nervenkitzel: Wer einen Löwen besiegte, erwarb in der Sippe Prestige und Annerkennung. Löwenkrallen waren die besondere Trophäe, mit der sich der große Bezwinger schmücken durfte. Die Krallen dienten als Grabbeigabe und markierten den Typ des Siegers, selbst über den Tod hinaus.
Königliche Löwenjäger
Der Drang des Menschen, die majestätische Raubkatze zu jagen, sollte von Dauer sein. In den alten Hochkulturen entwickelt sich die Löwenjagd zum Königsbrauch: Pharao Amenophis III. (etwa 1403 bis 1353 v. Chr.) ging als berühmtester aller Löwenjäger in die Geschichte ein.
Seit Jahrtausenden Statussymbol: Der Besitz ihrer Zähne verheißt Prestige und Macht.
Im antiken Rom füllten Löwenkämpfe die Arenen bis auf den letzten Platz. Bei dem Spektakel ging es um Kopf und Kragen. Kaum ein Duellant verließ die Kampfbahn lebend. Zum Fraß vorgeworfen wurden den Bestien die Staatsfeinde, die Christen.
Vom Kind zum Mann
Anderen Sinn besitzt die Jagd auf die Raubkatze für die Urbevölkerung Afrikas. Den Massai, einem ostafrikanischen Krieger- und Hirtenvolk, ist die Tötung eines Löwen noch heute Initiationsritual: vorher gilt man als Kind, danach als Mann. Die Löwenjagd mit dem Speer ist Teil ihrer Kultur und ihres Selbstverständnisses, das viel zu tun hat mit Tapferkeit und Stolz: je mehr Löwen er erlegt hat, umso würdevoller der Krieger.
Löwen können in freier Wildbahn zwanzig Jahre alt werden. Im Zoo erreichen sie sogar ein Lebensalter von über dreißig Jahren.
Zum Lebensraum des Löwen gehörten einst ganz Afrika sowie weite Teile Europas und Asiens. Doch Perser, Griechen und Römer jagten ihn Jahrtausende lang in Nordafrika und Vorderasien, in Süd- und Osteuropa und in Indien. Allmählich verlor der Löwe sein angestammtes Reich.
In jüngerer Vergangenheit führte der Jagdtrieb des Menschen zum Aussterben zweier Unterarten: Im 19. Jahrhundert bliesen Großwildjäger dem Kaplöwen (Panthera leo melanochaita) das Lebenslicht aus. Der Berberlöwe (Panthera leo barbaricus), der im Atlasgebirge lebte, verschwand Anfang des Zwanzigsten Jahrhunderts unwiderruflich. Angeblich erlegte ein Scheich den letzten seiner Art.
Jagen im großen Stil
Löwen gibt es heute nur noch in Afrika südlich der Sahara sowie in Indien, im Gir-Nationalpark im Staat Gujarat. In der Nahrungskette ganz oben stehend, muss der Löwe "nur" den Menschen fürchten - heute noch mehr als früher. Gewehr und Gift lösten Speer und Schild ab und vereinfachten die Jagd. Kaum durchschaubar ist das Netz aus Händlern, Diplomaten und international agierenden Organisationen, die mit der Jagd auf Löwen hohe Summen verdienen.
Ernest Hemingway 1950: der Schriftsteller war Großwildjäger aus Passion.
Auch Ernest Hemingway (1899 bis 1961) zeigte sich unerschrocken im Kampf gegen die "Bestien". Der Großwildjäger aus Leidenschaft suchte Abenteuer und Gefahr. Im Kräftemessen mit Leopard und Löwe bekam er Selbstbestätigung. Das machte der Literat zum Thema seiner Geschichten: Abwertend schrieb er über schlappe Männer, die Angst vor mächtigen Tieren haben - denn wer sich im Dschungel nicht behaupten könne, setze sich auch in anderen Lebenslagen nicht durch.
Hemingway hielt wenig von Morden aus dem Hinterhalt. Aug in Aug solle ein Mann dem wilden Tier gegenüberstehen, im Kampf auf Leben und Tod - erst das mache den Mann zum Mann. Dass Jäger mit ihrem Gewehr am längeren Hebel sitzen, vergisst Hemingway zu erwähnen. Der Kampf mit dem Löwen ist ein uraltes Bild. Die Jäger von damals und heute verbindet ein Prinzip: Der Mensch jagt den Löwen, denn er selbst will Löwe sein!
Julia Ziebell (aktualisiert 27.06.2011)
Infobox
Leben im Rudel
Das größte Landraubtier Afrikas mag es gesellig: Löwen leben, im Unterschied zu anderen Großkatzen, in Gruppen von bis zu dreißig Tieren - bevorzugt in Savannen mit schattigen Plätzen und Wasserstellen. Die männlichen Tiere stehen in der Rangordnung über den Weibchen. Während letztere jagen und für den Nachwuchs sorgen, verteidigen die Männchen das Revier.
Ein solches Revier umfasst bis zu vierhundert Quadratkilometer. Zur Jagdbeute zählen vor allem Antilopen, Gazellen und Zebras. Die Männchen bekommen nach der Jagd ihren "Löwenanteil": Laut Rangfolge sind sie zuerst mit Fressen dran, danach die Weibchen und zuletzt die Jungen.
Während die Weibchen ihr Leben lang beim Rudel bleiben, werden Löwenmännchen häufig von Konkurrenten verdrängt. Meist leben sie dann als Einzelgänger und müssen sich mit den Hyänen um Aas streiten: Die imposante Mähne macht den Löwen nämlich für Beutetiere sichtbar und verhindert so häufig den Jagderfolg. Im Kampf ums Aas flößt sie Nahrungskonkurrenten immerhin solchen Respekt ein, dass die oft freiwillig dem Löwen ihre Beute überlassen.
Das größte Landraubtier Afrikas mag es gesellig: Löwen leben, im Unterschied zu anderen Großkatzen, in Gruppen von bis zu dreißig Tieren - bevorzugt in Savannen mit schattigen Plätzen und Wasserstellen. Die männlichen Tiere stehen in der Rangordnung über den Weibchen. Während letztere jagen und für den Nachwuchs sorgen, verteidigen die Männchen das Revier.
Ein solches Revier umfasst bis zu vierhundert Quadratkilometer. Zur Jagdbeute zählen vor allem Antilopen, Gazellen und Zebras. Die Männchen bekommen nach der Jagd ihren "Löwenanteil": Laut Rangfolge sind sie zuerst mit Fressen dran, danach die Weibchen und zuletzt die Jungen.
Während die Weibchen ihr Leben lang beim Rudel bleiben, werden Löwenmännchen häufig von Konkurrenten verdrängt. Meist leben sie dann als Einzelgänger und müssen sich mit den Hyänen um Aas streiten: Die imposante Mähne macht den Löwen nämlich für Beutetiere sichtbar und verhindert so häufig den Jagderfolg. Im Kampf ums Aas flößt sie Nahrungskonkurrenten immerhin solchen Respekt ein, dass die oft freiwillig dem Löwen ihre Beute überlassen.
Infobox
Tierschützer schlagen Alarm
Anfang der 1980er Jahre lebten noch rund 200.000 Löwen in Afrika. Heute vermuten Experten nur noch etwa 23.000 bis 39.000 Exemplare. Lediglich im Grasland der Serengeti und im Selous-Wildreservat in Tansania sowie im Okawango-Delta in Botswana und im Kruger-Nationalpark in Südafrika gibt es noch nennenswerte Bestände.
Neben eingeschleppten Krankheiten und der Zerstörung von Lebensraum bereitet den Großkatzen vor allem die makabre Trophäenjagd ernste Probleme. Zwar besteht noch keine Gefahr einer Ausrottung, doch schon bald könnten die Nationalparks zu den letzten Zufluchtsstätten der Löwen werden.
Anfang der 1980er Jahre lebten noch rund 200.000 Löwen in Afrika. Heute vermuten Experten nur noch etwa 23.000 bis 39.000 Exemplare. Lediglich im Grasland der Serengeti und im Selous-Wildreservat in Tansania sowie im Okawango-Delta in Botswana und im Kruger-Nationalpark in Südafrika gibt es noch nennenswerte Bestände.
Neben eingeschleppten Krankheiten und der Zerstörung von Lebensraum bereitet den Großkatzen vor allem die makabre Trophäenjagd ernste Probleme. Zwar besteht noch keine Gefahr einer Ausrottung, doch schon bald könnten die Nationalparks zu den letzten Zufluchtsstätten der Löwen werden.
Infobox
Wappentier
Leipzig hat einen, der Freistaat Thüringen hat einen, Baden-Württemberg hat sogar drei: Der Löwe ist ein beliebtes Wappentier. Seit Jahrtausenden schmücken Städte, Familien und Persönlichkeiten (wie Heinrich der Löwe) ihr Wappen mit dem "König der Tiere", um damit Mut, Stärke und Königlichkeit zu symbolisieren.
Älteste bildliche Darstellungen der Großkatze stammen aus der Steinzeit und sind dreißigtausend Jahre alt. Im antiken Griechenland wurde das Tier häufig als hungrige Bestie dargestellt; in der christlichen Ikonographie ist ein geflügelter Löwe Attribut des Evangelisten Markus.
Berühmtes Beispiel einer Löwengestalt in Ägypten ist der Sphinx von Gizeh: Über die Funktion des mehr als siebzig Meter langen und rund zwanzig Meter hohen Löwen mit Menschenkopf herrscht jedoch Uneinigkeit: Wurde er erschaffen, um die Pyramiden zu bewachen, oder ist er vielleicht Abbild eines großen Pharao? Immerhin, die Araber hatten gehörigen Respekt vor dem Sphinx - sie nannten ihn Abu el-hol, "Vater des Schreckens".
Leipzig hat einen, der Freistaat Thüringen hat einen, Baden-Württemberg hat sogar drei: Der Löwe ist ein beliebtes Wappentier. Seit Jahrtausenden schmücken Städte, Familien und Persönlichkeiten (wie Heinrich der Löwe) ihr Wappen mit dem "König der Tiere", um damit Mut, Stärke und Königlichkeit zu symbolisieren.
Älteste bildliche Darstellungen der Großkatze stammen aus der Steinzeit und sind dreißigtausend Jahre alt. Im antiken Griechenland wurde das Tier häufig als hungrige Bestie dargestellt; in der christlichen Ikonographie ist ein geflügelter Löwe Attribut des Evangelisten Markus.
Berühmtes Beispiel einer Löwengestalt in Ägypten ist der Sphinx von Gizeh: Über die Funktion des mehr als siebzig Meter langen und rund zwanzig Meter hohen Löwen mit Menschenkopf herrscht jedoch Uneinigkeit: Wurde er erschaffen, um die Pyramiden zu bewachen, oder ist er vielleicht Abbild eines großen Pharao? Immerhin, die Araber hatten gehörigen Respekt vor dem Sphinx - sie nannten ihn Abu el-hol, "Vater des Schreckens".





