Rallye-Streifen und Familienbande
In vielen Wäldern Europas ist er zu Hause, doch blicken lässt er sich nur selten - der Dachs. Viel lieber verkriecht sich das scheue Tier in seinem Bau und genießt das gesellige Leben mit seinen Artgenossen.An den schwarzen Streifen im weißen Gesicht ist der Dachs leicht zu erkennen - sofern man das scheue, nachtaktive Tier zu Gesicht bekommt. (Bild: BadgerHero; Lizenz: Creative Commons)
Nachtaktiv
Wie solcherlei Vorurteile entstanden, ist leicht ersichtlich: Grimbart, so heißt der Dachs in der Fabel, lebt zurückgezogen im Wald, nur selten begegnet ihm ein Mensch. Tagsüber verkriecht sich das Tier mit den charakteristischen "Rallye-Streifen" im Gesicht in seiner Höhle und kommt erst abends, wenn die Sonne schon hinter den Bäumen verschwunden ist, an die Oberfläche.
Gemütliches Sammeln
Seine nächtlichen Streifzüge durch den Wald unternimmt der Dachs allein. Unterwegs sammelt der Allesfresser auf, was ihm an Nahrung begegnet: Obst, Wurzeln, Pilze, Samen gehören ebenso dazu wie Würmer, Insekten und Schnecken. Auch Mäuse, Erdkröten und Vogeleier weiß der Grimbart zu schätzen - wenn sie zufällig am Wegrand liegen. Ein mordlustiger Jäger aber ist der bis zu zwanzig Kilogramm schwere Dachs nicht, lieber sammelt er gemütlich sein Essen zusammen.
Toben im Walde
Wie behende und flink er sein kann, stellt Grimbart bei Kämpfen mit Artgenossen unter Beweis: Mit breiten Beinen stellt sich der Herausforderer auf und wackelt waagerecht mit dem Kopf, um seine Kampfbereitschaft anzuzeigen. Kommt es zum Kampf, verbeißen sich die Kontrahenten ineinander und rollen im Knäuel durch die Landschaft. Bei jungen Dachsen geschieht das spielerisch, die Raufereien sind nie bösartig. Verteidigt jedoch ein erwachsener Dachs sein Revier gegen Eindringlinge, sind Verletzungen keine Seltenheit.
Der Dachs, ein mürrischer Einzelgänger? Nein, Grimbart bevorzugt das gesellige Miteinander im Clan. (Bild von Ludwig Beckmann aus dem Illustrirten Thierleben)
Meistens gehen Dachse jedoch freundlich miteinander um. Mürrische Einzelgänger, wie Alfred Brehm und viele seiner Kollegen glauben, sind die Tiere nämlich keineswegs. Dachspaare bleiben oft ein Leben lang zusammen. In Gegenden, wo es viel Nahrung gibt, bilden die Mardertiere regelrechte Clans.
Ihre Zugehörigkeit zueinander zeigen sie durch das Stempeln an. Dabei drückt der Dachs seinem Gegenüber ein fettiges Sekret auf, das in einer Drüse unter der Schwanzwurzel produziert wird. Sooft sich zwei befreundete Grimbärte begegnen, "stempeln" sie sich gegenseitig - der Mischduft, der aus unzähligen Wiedersehen mit Verwandten entsteht, signalisiert dann die Clanzugehörigkeit.
879 Meter
Oftmals teilen sich befreundete Familien auch das Quartier. Dachsbaue sind wahre Kunstwerke, Labyrinthe aus Wohnkammern (Kessel genannt), Vorratsräumen, Verbindungstunnels, Eingängen und Luftschächten. Solche Gangsysteme werden über Jahrzehnte genutzt, jede Generation legt neue Kessel und Wege an. In England wurde einmal ein Dachsbau freigelegt, der aus 50 Kammern bestand, 178 Eingänge besaß und dessen Tunnel insgesamt 879 Meter lang waren!
Untermieter Fuchs
Dachshöhlen sind ein Muster an Sauberkeit und Gemütlichkeit. Mit Moos, Laub und Farnkräutern richtet sich der Dachs ein; zur Ablage von Kot und Urin legt er extra Kammern an. Kein Wunder, dass sich auch andere Tiere im Dachsbau wohlfühlen: Der Fuchs ist häufig Untermieter bei Grimbart, mitunter tollt der Nachwuchs gemeinsam herum.
Die Nähe zum Fuchs wurde dem Dachs einst fast zum Verhängnis. Als in den 1970er Jahren zur Tollwutbekämpfung Fuchsbaue begast wurden, litten auch Dachshöhlen. Grimbarts Bestände gingen rapide zurück, erst nach Einführung der Tollwutimpfung per Schluckköder begannen sie sich zu erholen.
Baujäger in Aktion
Gefahr droht dem Dachs in seinem Bau bis heute von anderer Seite. Er ist, wie der Fuchs, beliebte Beute so genannter Baujäger: Mit Erdhunden, meist Dackel oder Terrier, rücken diese Jäger den Höhlenbewohnern zu Leibe. Die Hunde kriechen in den Bau und versuchen, den Dachs herauszuziehen.
Dachs und Dachshund: Etwa seit dem 9. Jahrhundert werden Hunde für die Jagd auf Dachse abgerichtet. (Bild von Carl Friedrich Deiker, um 1875)
Fünfzigtausend pro Jahr
Naturschützern ist diese Art der Jagd schon lange ein Dorn im Auge - sie lasse die Waidgerechtigkeit vermissen und sei unverhältnismäßig qualvoll, sowohl für den Dachs und als auch für den Hund. Überdies gibt es, außer dem sportlichen Gedanken, keinen Grund für die Dachsjagd: Das Mardertier schädigt weder Fauna noch Flora des Waldes, und die Zeiten, in denen sein Fleisch, Fell oder Fett begehrt waren, sind auch lange vorbei. Dennoch erlegten Jäger in der Saison 2007/2008 in Deutschland fast 50.000 Dachse.
"Ehrlich und redlich"
Über den Eifer, mit welchem Jäger den Grimbart schon Mitte des 19. Jahrhunderts verfolgten und befehdeten, wunderte sich damals auch Alfred Brehm - und machte sich daran, den Dachs zu verteidigen: "Man schilt und verurteilt ihn rücksichtslos, ohne zu bedenken, daß er nach seiner Weise ... ehrlich und redlich sich durchs Leben schlägt." Lässt der Naturwissenschaftler und Autor, der für seine emotionale Haltung zu Tieren bekannt ist, da Sympathie für den nach seinen Worten griesgrämigen Einsiedler durchscheinen? "Ich für meinen Teil muß gestehen", schreibt Brehm weiter unten im Text, "daß ich ihn nicht ungern habe: mich ergötzt sein Leben und Wesen." Na also.
Urte Paul (05.08.2010)
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Infobox
Die Familie der Marder
Aus rund 20 Gattungen mit 55 Arten setzt sich die Familie der Marder zusammen. Ihr größter Vertreter ist der Europäische Dachs (Meles meles): Bis zu neunzig Zentimeter Länge und zwanzig Kilogramm Gewicht erreicht dieser Waldbewohner.
Von den Menschen hält sich der Dachs meist fern - anders sein Verwandter, der Steinmarder (Martes foina). Das Tier mit dem langgestreckten, schlanken Rumpf und den kurzen Gliedmaßen liebt offenes Gelände mit Büschen und Bäumen und findet sich auch in den Städten gut zurecht. Dort wird er für Autobesitzer zur Plage: Steinmarder beschädigen etwa 160.000 Autos jährlich, indem sie Kabel und Schläuche im Motorraum zerbeißen oder Dämmmaterial herausreißen.
Weitere bekannte Vertreter der Marder-Familie sind der Zobel, der Amerikanische Nerz, der Europäische Nerz und das Hermelin. Alle vier Arten wurden Jahrhunderte lang wegen ihres Fells gejagt. Erst im Zwanzigsten Jahrhundert entstanden schließlich Pelzfarmen, so dass wilde Exemplare heute mancherorts wieder ungestört leben.
Ausgenommen davon ist der Europäische Nerz (Mustela lutreola): Da er sich nicht züchten lässt, wird er nach wie vor gejagt. Mehr noch aber ist er bedroht durch das Verschwinden seines Lebensraums und durch den Amerikanischen Nerz (Neovison vison), der sich in Europa breitmacht. Der Europäische Nerz gilt als stark gefährdet; das letzte frei lebende Exemplar in Deutschland wurde 1925 gesichtet.
Zur Familie der Marder gehören ferner unter anderem Otter (zum Beispiel der Fischotter), Wiesel, Iltisse, Vielfraße und Frettchen.
Aus rund 20 Gattungen mit 55 Arten setzt sich die Familie der Marder zusammen. Ihr größter Vertreter ist der Europäische Dachs (Meles meles): Bis zu neunzig Zentimeter Länge und zwanzig Kilogramm Gewicht erreicht dieser Waldbewohner.
Von den Menschen hält sich der Dachs meist fern - anders sein Verwandter, der Steinmarder (Martes foina). Das Tier mit dem langgestreckten, schlanken Rumpf und den kurzen Gliedmaßen liebt offenes Gelände mit Büschen und Bäumen und findet sich auch in den Städten gut zurecht. Dort wird er für Autobesitzer zur Plage: Steinmarder beschädigen etwa 160.000 Autos jährlich, indem sie Kabel und Schläuche im Motorraum zerbeißen oder Dämmmaterial herausreißen.
Weitere bekannte Vertreter der Marder-Familie sind der Zobel, der Amerikanische Nerz, der Europäische Nerz und das Hermelin. Alle vier Arten wurden Jahrhunderte lang wegen ihres Fells gejagt. Erst im Zwanzigsten Jahrhundert entstanden schließlich Pelzfarmen, so dass wilde Exemplare heute mancherorts wieder ungestört leben.
Ausgenommen davon ist der Europäische Nerz (Mustela lutreola): Da er sich nicht züchten lässt, wird er nach wie vor gejagt. Mehr noch aber ist er bedroht durch das Verschwinden seines Lebensraums und durch den Amerikanischen Nerz (Neovison vison), der sich in Europa breitmacht. Der Europäische Nerz gilt als stark gefährdet; das letzte frei lebende Exemplar in Deutschland wurde 1925 gesichtet.
Zur Familie der Marder gehören ferner unter anderem Otter (zum Beispiel der Fischotter), Wiesel, Iltisse, Vielfraße und Frettchen.
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Vom Iltis zum Frettchen
Der Europäische Iltis und der Steiniltis, so der Verdacht, sind die Vorfahren des Frettchens. Schon im zweiten Jahrtausend v. Chr. waren Iltisse als flinke und fähige Hilfe beim Mäusefangen bekannt. Krochen die Mardertiere in einen Ratten- oder Mäusebau, flohen die Höhlenbewohner und konnten am Ausgang bequem eingefangen oder erschlagen werden. Die alten Ägypter waren wohl die ersten, die Iltisse planmäßig zur Mäusejagd züchteten - aus dem Iltis wurde im Lauf der Zeit das Frettchen.
Auch die Römer züchteten und hielten Frettchen, und zwar überall dort, wo es viele Wildkaninchen gab. Die Jagdmethode auf die Nager war die gleiche wie bei den Ägyptern - und wird auch heute noch gepflegt. Bei der Jagd mit Frettchen, dem Frettieren, kommen meist unkastrierte Weibchen zum Einsatz. Ihr intensiver Geruch scheucht die Beutetiere aus ihrem Bau, so dass sie leicht erlegt werden können.
Während nur noch wenige Halter mit ihren Frettchen jagen gehen (immerhin ist dazu ein Jagdschein Voraussetzung), erfreuen sich die Mardertiere als Haustiere großer Beliebtheit. Frettchen sind verschmust und verspielt und können sehr zahm werden. Bei der Haltung gilt es, auf artgerechtes Futter und Spielzeug zu achten sowie genügend Platz und Zeit für die Tiere zur Verfügung zu haben. Frettchen sollten niemals allein, sondern mindestens zu zweit gehalten werden.
In menschlicher Obhut werden die Mardertiere etwa sechs bis acht Jahre alt. Häufig sind Tumore Todesursache, vermutlich hervorgerufen durch unkontrollierte Zucht (es existieren verschiedene Farbformen) und durch Lebensumstände wie Innenhaltung und Kastration.
In freier Natur gibt es keine Frettchenpopulationen. Entlaufene Tiere kreuzen sich aber mitunter mit wilden Iltissen. In einigen Ländern, zum Beispiel in Neuseeland, schädigen die so entstandenen Hybriden die ansässige Fauna, weswegen dort Privatleuten die Frettchenhaltung untersagt ist.
Der Europäische Iltis und der Steiniltis, so der Verdacht, sind die Vorfahren des Frettchens. Schon im zweiten Jahrtausend v. Chr. waren Iltisse als flinke und fähige Hilfe beim Mäusefangen bekannt. Krochen die Mardertiere in einen Ratten- oder Mäusebau, flohen die Höhlenbewohner und konnten am Ausgang bequem eingefangen oder erschlagen werden. Die alten Ägypter waren wohl die ersten, die Iltisse planmäßig zur Mäusejagd züchteten - aus dem Iltis wurde im Lauf der Zeit das Frettchen.
Auch die Römer züchteten und hielten Frettchen, und zwar überall dort, wo es viele Wildkaninchen gab. Die Jagdmethode auf die Nager war die gleiche wie bei den Ägyptern - und wird auch heute noch gepflegt. Bei der Jagd mit Frettchen, dem Frettieren, kommen meist unkastrierte Weibchen zum Einsatz. Ihr intensiver Geruch scheucht die Beutetiere aus ihrem Bau, so dass sie leicht erlegt werden können.
Während nur noch wenige Halter mit ihren Frettchen jagen gehen (immerhin ist dazu ein Jagdschein Voraussetzung), erfreuen sich die Mardertiere als Haustiere großer Beliebtheit. Frettchen sind verschmust und verspielt und können sehr zahm werden. Bei der Haltung gilt es, auf artgerechtes Futter und Spielzeug zu achten sowie genügend Platz und Zeit für die Tiere zur Verfügung zu haben. Frettchen sollten niemals allein, sondern mindestens zu zweit gehalten werden.
In menschlicher Obhut werden die Mardertiere etwa sechs bis acht Jahre alt. Häufig sind Tumore Todesursache, vermutlich hervorgerufen durch unkontrollierte Zucht (es existieren verschiedene Farbformen) und durch Lebensumstände wie Innenhaltung und Kastration.
In freier Natur gibt es keine Frettchenpopulationen. Entlaufene Tiere kreuzen sich aber mitunter mit wilden Iltissen. In einigen Ländern, zum Beispiel in Neuseeland, schädigen die so entstandenen Hybriden die ansässige Fauna, weswegen dort Privatleuten die Frettchenhaltung untersagt ist.



