Temperament auf vier Beinen
Der Ahn heutiger Hauspferde lebte vor fünfzig Millionen Jahren. Erst vor einigen Jahrtausenden begann die Domestizierung von Pferden. Inzwischen waren die Tiere deutlich gewachsen. Die Größe des Tieres und sein Temperament wusste der Mensch zu schätzen.Ein Jockey bei einem Pferderennen: Das Tier ordnet sich immer dem psychisch Stärkeren unter. Der Grund: Pferde leben von Natur aus in Hierarchien.
Kraft, Alter und Charakterstärke
In freier Wildbahn leben Stuten und Fohlen in Herden, angeführt von einem Leithengst und einer Leitstute. Da nicht alle Hengste eine Stutengruppe an sich binden können, bilden sich auch reine Hengstherden. Die Hierarchie innerhalb jeder Gruppe wird durch Körperkraft, Alter und Charakterstärke festgelegt. Selten kommt es zu langwierigen Kämpfen; durch Verhalten und Körpersprache testen rangniedere Tiere die übergeordneten Herdenmitglieder. Oft reichen dann Drohgebärden aus, um das untergeordnete Pferd zum Rückzug zu zwingen.
Das Leben in der Gruppe stellt einen klaren Überlebensvorteil dar, sind doch immer mehrere Tiere wachsam, während die anderen fressen. Werden Pferde von einem Raubtier angegriffen, fliehen sie sehr schnell. Oft reicht es, dass ein Tier panisch zur Seite springt, um die gesamte Herde mit seiner Angst anzustecken und zur Flucht zu treiben. Der Pferdekörper ist darauf spezialisiert, beim Auftauchen einer Gefahr sofort loszustürmen und über mehrere Stunden in schnellem Tempo zu laufen. Dabei kommen vom Schritt über Trab bis hin zum Galopp verschiedene Gangarten zum Einsatz.
Zwischen Gletschern und Wüsten
Die große Vielfalt heutiger Pferderassen geht auf das Wildpferd, das Equus ferus, zurück. Bis in die Neuzeit überlebten drei Unterarten: Steppentarpan, Waldtarpan und Przewalski-Pferd. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckte sich über Steppen und Waldsteppen Eurasiens, Chinas und Westeuropas. Mit 120 bis 145 Zentimetern war das Wildpferd etwa so groß wie ein Pony.
Przewalski-Pferde: Einst ausgerottet, gibt es die Tiere heute wieder in der Mongolei. Mehr dazu rechts oben in der Infobox.
Vollblut, Warmblut, Kaltblut
Heute gibt es weltweit Hunderte von Pferderassen. Sie werden in Vollblüter, Warmblüter und Kaltblüter unterteilt. Die Bezeichnungen haben jedoch nichts mit der Körpertemperatur zu tun - sie stehen für das Temperament der Pferde. Vollblüter sind feingliedrige, feurige Pferde mit viel Temperament. Im Galopp erreichen sie Geschwindigkeiten von über siebzig Stundenkilometern.
Kaltblüter haben einen schweren, muskulösen Körper, durch den sie als Zugpferde sehr gut geeignet sind. Sie sind gutmütig und ruhig, aber auf keinen Fall faul. Als Arbeitspferde wurden sie vor Pflüge und Wagen gespannt. Heute dienen sie als Freizeit- und Familienpferde, selten als Rückepferde in der Forstwirtschaft. Warmblüter sind leichter und eignen sich als Reit- und Fahrpferde. Sie werden im Sport, aber auch als Freizeitpferd eingesetzt. Ihr Temperament ist ausgeglichener, kann sich aber von Pferd zu Pferd unterscheiden.
Wichtige Repräsentationsfunktion
Mit dem Siegeszug des Automobils begann im Zwanzigsten Jahrhundert der Niedergang der Pferdezucht. Erst seit den 1970er Jahren kam es infolge von gestiegenem Wohlstand und verändertem Freizeitverhalten zu einem neuen Aufschwung: Pferdeliebhaber entdeckten die Vierbeiner für Sport wie etwa Polospiele, Jagden und Wettrennen. Daneben erfüllen Pferde nach wie vor eine wichtige Repräsentationsfunktion: In vielen Ländern ist es Pflichtprogramm für Leibgarden, sich mit farbenprächtigen Uniformen auf edlen Reitpferden zu zeigen.
Christiane Nienhold (aktualisiert 12.01.2012)
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Infobox
Kleine Vorfahren
Der Vorfahr unseres Hauspferdes ist nur einen Meter dreißig groß, hat kurze Beine und einen gedrungenen Körper: Von den ursprünglich drei Unterarten des Wildpferdes hat als einziges das Asiatische Wildpferd in seiner ursprünglichen Gestalt überlebt. Einst war das asiatische Wildpferd in den Steppen Zentralasiens beheimatet, bis es der Mensch durch Jagd und Weidewirtschaft immer mehr zurückdrängte.
1878 brachte der russische Oberst Nikolai Przewalski von einer Reise einen Schädel und ein Fell des ungewöhnlichen Tieres mit und machte es in wissenschaftlichen Kreisen bekannt. Mit Hilfe von Fangexpeditionen gelangten mehrere Tiere nach Europa. In den Zoos überlebte das Przewalski-Pferd, in Freiheit wurde es 1970 ausgerottet.
Zwanzig Jahre später begann mit Zuchttieren aus Zoologischen Gärten eine Auswilderung in die Berge der zentralen Mongolei, die bis heute erfolgreich verläuft. Dort leben die Tiere ihrer Natur entsprechend in hierarchisch organisierten Gruppen. Zu einem Leithengst gehören meist drei bis vier Weibchen mit Nachwuchs. Mittlerweile existieren weltweit ungefähr zweitausend Przewalski-Pferde, die von Tieren aus dem Weltzuchtprogramm zur Erhaltung der Art abstammen.
Der Vorfahr unseres Hauspferdes ist nur einen Meter dreißig groß, hat kurze Beine und einen gedrungenen Körper: Von den ursprünglich drei Unterarten des Wildpferdes hat als einziges das Asiatische Wildpferd in seiner ursprünglichen Gestalt überlebt. Einst war das asiatische Wildpferd in den Steppen Zentralasiens beheimatet, bis es der Mensch durch Jagd und Weidewirtschaft immer mehr zurückdrängte.
1878 brachte der russische Oberst Nikolai Przewalski von einer Reise einen Schädel und ein Fell des ungewöhnlichen Tieres mit und machte es in wissenschaftlichen Kreisen bekannt. Mit Hilfe von Fangexpeditionen gelangten mehrere Tiere nach Europa. In den Zoos überlebte das Przewalski-Pferd, in Freiheit wurde es 1970 ausgerottet.
Zwanzig Jahre später begann mit Zuchttieren aus Zoologischen Gärten eine Auswilderung in die Berge der zentralen Mongolei, die bis heute erfolgreich verläuft. Dort leben die Tiere ihrer Natur entsprechend in hierarchisch organisierten Gruppen. Zu einem Leithengst gehören meist drei bis vier Weibchen mit Nachwuchs. Mittlerweile existieren weltweit ungefähr zweitausend Przewalski-Pferde, die von Tieren aus dem Weltzuchtprogramm zur Erhaltung der Art abstammen.
Infobox
Wildpferde
Umgangssprachlich bezeichnet man heute einige halbwild oder wild lebende Pferderassen, die von Hauspferden abstammen als Wildpferde. Viele der Tiere leben zwar frei, haben aber einen Besitzer.
Als Wildpferde gelten beispielsweise das Dülmener Wildpferd, das Camargue-Pferd und der amerikanische Mustang.
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Wildpferde verlief von Alaska bis Iberien über die Steppen und Wiesen Eurasiens. Heute ist das erst spät entdeckte Przewalski-Pferd die einzige überlebende Rasse mit Wildpferdblut-Anteil.
Die Weltnaturschutzunion (IUCN) setzte das Tier auf die Rote Liste gefährdeter Arten, sein Gefährdungsstatus wird mit Critically Endangered angegeben.
Umgangssprachlich bezeichnet man heute einige halbwild oder wild lebende Pferderassen, die von Hauspferden abstammen als Wildpferde. Viele der Tiere leben zwar frei, haben aber einen Besitzer.
Als Wildpferde gelten beispielsweise das Dülmener Wildpferd, das Camargue-Pferd und der amerikanische Mustang.
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Wildpferde verlief von Alaska bis Iberien über die Steppen und Wiesen Eurasiens. Heute ist das erst spät entdeckte Przewalski-Pferd die einzige überlebende Rasse mit Wildpferdblut-Anteil.
Die Weltnaturschutzunion (IUCN) setzte das Tier auf die Rote Liste gefährdeter Arten, sein Gefährdungsstatus wird mit Critically Endangered angegeben.



