"Sitzt mit geisterhaftem Munkeln,
seine Feueraugen funkeln
gar dämonisch aus dem dunkeln,
düstern Schatten um ihn her..."
Edgar Allan Poe, Der Rabe
Die schwarze Gefahr
Ein harmloser Vogel ist der Rabe nicht: Er führt Artgenossen hinters Licht und stibitzt dem Wolf das Mittagessen. Manche meinen sogar, Raben könnten noch viel weitreichendere Pläne schmieden.Nur harmloser Zeitvertreib? Dieser junge Rabe spielt mit einem Blatt - und schult dadurch Motorik und Intelligenz! (Bild: Accipiter, Lizenz: Creative Commons)
Lediglich Alfred Hitchcock erkannte, vor welchen Tieren der Mensch sich wirklich hüten muss: vor den Vögeln. Doch auch sein Urteil war noch nicht präzise genug. Heute wissen wir: Es sind die Raben, die das Potenzial haben, die Weltherrschaft zu übernehmen!
Rodelspaß und Wildschweinrodeo
Diese Erkenntnis mag überraschen, denn auf den ersten Blick würde man den schwarz gefiederten Vögeln solch gewaltige Dinge niemals zutrauen: Junge Raben wirken eher putzig, sind verspielt und reizen zum Lachen. Die Vögel lieben es, im Winter schneebedeckte Hänge herunter zu rollen oder auf dem Bauch zu rodeln.
Auch schaukeln sie gern kopfüber an Ästen und versuchen sich im Wildschweinrodeo, indem sie sich auf den Rücken eines Schwarzkittels setzen und herumtragen lassen. (Steht kein Wildschwein zur Verfügung, kann als Ersatz auch der Seitenspiegel eines Autos dienen.) Junge Raben sind außerdem sehr neugierig. Sie schauen sich alles ganz genau an und zwicken und hacken gern Lebewesen in ihrer Nähe, um deren Toleranz zu testen. Sogar Wölfe sind vor solchen Späßen nicht sicher.
Raben sind Aasfresser - und schnappen Raubtieren häufig den Großteil der Beute weg. (Bild: Aconcagua, Lizenz: Creative Commons)
Doch die zur Schau gestellte Verspieltheit der Raben ist ein Täuschungsmanöver, das von den wahren Absichten und Fähigkeiten der Vögel ablenken soll. "Das ist kein zweckfreies Spiel", warnt der Biologe Bernd Heinrich von der Universität Vermont in den USA. Was wie Schabernack aussieht, diene den Raben vielmehr dazu, ihre Intelligenz zu schulen und die Tricks zu lernen, die sie zum Überleben brauchen. Das Picken etwa lehrt den Raben, wie schnell Wölfe und andere Tiere reagieren und welcher Abstand zu ihnen ratsam ist.
Mit dem Wolf am Tisch
Sein so gewonnenes Wissen wendet der Rabe dann auch prompt an, etwa am Mittagstisch: Raben sind Aasfresser und haben keine Hemmung, sich im Beisein des hungrigen Wolfs an dessen erlegter Beute gütlich zu tun.
Dank des in Jugendjahren erprobten Sicherheitsabstands schnappt Isegrim vergeblich nach den ungebetenen Tischgästen, und weil die schwarzen Vögel oft in Scharen auftreten, hat er häufig auch in Sachen Futtermenge das Nachsehen. Raben erbeuten nicht nur Reste des Mahls: Sprichwörtlich unter Isegrims Pfoten verputzen sie, Räumkommandos gleich, bis zu neunzig Prozent eines Kadavers.
Faule Raben
Unter dem Schmarotzertum des Raben leiden aber nicht nur Raubtiere; der Rabe schreckt nicht einmal davor zurück, Artgenossen hinters Licht zu führen. Wenn es ums Essen geht, ist sich eben jeder selbst der Nächste: Futter, das er nicht gleich verzehrt, versteckt der Rabe, indem er mit dem Schnabel Löcher in den Boden pickt und Fleischstücke, Nüsse oder andere Leckereien darin verbirgt.
Nun gibt es aber Raben, denen eigene Futtersuche zu aufwändig ist. Solche Exemplare verlegen sich darauf, Artgenossen beim Verbuddeln ihrer Schätze zu beobachten und bei der erstbesten Gelegenheit die Kostbarkeiten zu rauben! ...
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Rabe oder Krähe?
Biologisch gesehen gibt es die Unterscheidung zwischen Rabe und Krähe nicht - beide gehören zur Gattung Corvus. Lediglich der Volksmund nennt die größeren Vertreter Raben und die kleineren Krähen. In Europa verbreitete Raben und Krähen sind Aaskrähe, Saatkrähe, Nebelkrähe, Dohle und Kolkrabe.
Der größte Vertreter der Gattung Corvus ist der Kolkrabe. Mit fast anderthalb Kilogramm Gewicht und einer Flügelspannweite von bis zu 130 Zentimetern übertrifft er an Größe sogar den Mäusebussard.
Der Kolkrabe ist in großen Teilen Nordamerikas, Europas und Asiens beheimatet. Dort kommt der anpassungsfähige Vogel in einer Vielzahl von Lebensräumen vor, von den küstennahen Regionen Grönlands bis ins heiße kalifornische Death Valley.
Auf seinem Speiseplan steht neben Mais, Früchten und Nüssen vor allem Fleisch: Der Kolkrabe frisst Insekten, kleine Wirbeltiere, Regenwürmer und Aas. Immer wieder tauchen Gerüchte auf über Raben, die Weidetiere getötet haben sollen.
Dass die Vögel Lämmer, Kälber oder gar ausgewachsene Tiere totpicken, gehört aber ins Reich der Legenden. Dafür spielen sie ab und zu Jagdhelfer für Raubtiere oder sogar Menschen: Durch laute Rufe machen Raben auf verletzte oder leicht zu schlagende Beute aufmerksam.
Ihre Jugendzeit verbringen Kolkraben in Schwärmen. Im Alter von etwa drei Jahren gehen sie dauerhafte monogame Paarbeziehungen ein. Jeden Winter, zwischen Anfang Februar und Anfang März, legt das Rabenweibchen zwei bis sieben Eier.
Nach drei Wochen Brutzeit schlüpfen die Rabenjungen. Sie kommen nackt und blind auf die Welt und werden von ihren Eltern rund um die Uhr versorgt - der Titel "Rabeneltern" sollte darum eigentlich ein Kompliment für besonders fürsorgliche Mütter und Väter sein! Die Nestlingszeit dauert etwa sechs Wochen, dann ist der Nachwuchs flügge.
Biologisch gesehen gibt es die Unterscheidung zwischen Rabe und Krähe nicht - beide gehören zur Gattung Corvus. Lediglich der Volksmund nennt die größeren Vertreter Raben und die kleineren Krähen. In Europa verbreitete Raben und Krähen sind Aaskrähe, Saatkrähe, Nebelkrähe, Dohle und Kolkrabe.
Der größte Vertreter der Gattung Corvus ist der Kolkrabe. Mit fast anderthalb Kilogramm Gewicht und einer Flügelspannweite von bis zu 130 Zentimetern übertrifft er an Größe sogar den Mäusebussard.
Der Kolkrabe ist in großen Teilen Nordamerikas, Europas und Asiens beheimatet. Dort kommt der anpassungsfähige Vogel in einer Vielzahl von Lebensräumen vor, von den küstennahen Regionen Grönlands bis ins heiße kalifornische Death Valley.
Auf seinem Speiseplan steht neben Mais, Früchten und Nüssen vor allem Fleisch: Der Kolkrabe frisst Insekten, kleine Wirbeltiere, Regenwürmer und Aas. Immer wieder tauchen Gerüchte auf über Raben, die Weidetiere getötet haben sollen.
Dass die Vögel Lämmer, Kälber oder gar ausgewachsene Tiere totpicken, gehört aber ins Reich der Legenden. Dafür spielen sie ab und zu Jagdhelfer für Raubtiere oder sogar Menschen: Durch laute Rufe machen Raben auf verletzte oder leicht zu schlagende Beute aufmerksam.
Ihre Jugendzeit verbringen Kolkraben in Schwärmen. Im Alter von etwa drei Jahren gehen sie dauerhafte monogame Paarbeziehungen ein. Jeden Winter, zwischen Anfang Februar und Anfang März, legt das Rabenweibchen zwei bis sieben Eier.
Nach drei Wochen Brutzeit schlüpfen die Rabenjungen. Sie kommen nackt und blind auf die Welt und werden von ihren Eltern rund um die Uhr versorgt - der Titel "Rabeneltern" sollte darum eigentlich ein Kompliment für besonders fürsorgliche Mütter und Väter sein! Die Nestlingszeit dauert etwa sechs Wochen, dann ist der Nachwuchs flügge.



