Im Labor testen Wissenschaftler Vögel auf Geschicklichkeit und Intelligenz. Das Ergebnis: Raben sind etwa so schlau wie Schimpansen.
Die Räuber unter den Raben wiederum sehen dieses Verhalten voraus und versuchen, ihre Artgenossen in Sicherheit zu wiegen: Sie tun so, als schauten sie nicht hin, wie der andere sein Futter verbuddelt, stolzieren gelangweilt umher oder putzen sich desinteressiert das Gefieder. Ist das Versteck dann unbewacht, schlagen sie zu.
Wer wen wann beobachtet
Was dem Menschen an diesem Spiel von Verstecken, Täuschen und Rauben gefährlich werden könnte, sind weniger die kriminelle Energie und Klauwut des Raben als seine erstaunliche Intelligenz: "Raben wissen genau, wer wen wann beobachtet und welche Tricks man braucht, um seine Futterstücke sicher zu verstecken oder um die der anderen zu entdecken", fasst Thomas Bugnyar, Biologe an der Konrad-Lorenz-Forschungszentrum in Grünau in Österreich, zusammen.
Bugnyar und seine Kollegen glauben, dass der Rabe nicht nach einem festgelegten, triebhaften Verhaltensmuster handle. Vielmehr sei der Vogel in der Lage, sich in andere Individuen hineinzuversetzen, ihre Pläne zu erkennen und ihr Verhalten vorherzusehen! Solche Denkleistungen seien denen von Primaten vergleichbar, fügt Bugnyar hinzu: "Raben können fast alles, was Schimpansen können."
Drähte biegen, Stöckchen angeln
Dass sie mit dem nächsten Verwandten des Menschen mithalten können, beweisen Raben auch bei der Herstellung und beim Gebrauch von Werkzeugen: In Experimenten hat eines der Tiere einen Draht so verbogen, dass es mit seiner Hilfe ein Futter-Eimerchen am Henkel aus einer schmalen Röhre heben konnte.
Ein anderer Rabe erstaunte durch die Fähigkeit, sich mit einem kurzen Stöckchen ein etwas längeres zu angeln, damit ein noch längeres Stöckchen zu erreichen und schließlich mit dem langen Stock Futter heranzuholen, das außerhalb seiner Reichweite lag. Solche Übungen mögen harmlos erscheinen. Aber wer weiß, ob Raben ihre Geschicklichkeit und Intelligenz nicht dereinst gegen den Menschen einsetzen werden?
Ein Rabe auf Beobachtungsposten: Die Vögel haben sich fast auf der gesamten Nordhalbkugel ausgebreitet und schauen den Menschen bei ihrem Treiben zu.
Denn eines ist sicher: Die schwarzen Vögel sind unter uns und haben begonnen, sich mit den Besonderheiten der Zivilisation vertraut zu machen. Es gibt sogar Berichte über Raben, die Menschen für ihre Zwecke einspannen und für sich arbeiten lassen!
In Tokio hat man Raben beobachtet, die an belebten Kreuzungen auf Fußgängerüberwegen Nüsse deponieren, und zwar dann, wenn die Fußgängerampel grün zeigt. Anschließend lassen die raffinierten Vögel Menschen in Autos über ihr Futter fahren und so die Schalen knacken. Schaltet die Fußgängerampel wieder auf Grün, hüpfen die Vögel vergnügt auf die Straße und genießen ihren Snack.
Sie sehen alles
Zugegeben, zur Weltherrschaft genügen die Fähigkeiten des Raben derzeit noch nicht. Wissenschaftler bescheinigen ihm auch "nur" die kognitiven Fähigkeiten eines zweijährigen Kindes. Dennoch ist Vorsicht geboten vor den kecken, neugierigen Vögeln.
Aufklärung tut Not, immerhin bevölkern Raben fast die gesamte Nordhalbkugel unseres Planeten. Und keineswegs sollten wir uns in Sicherheit wiegen, weil Biologen die Tiere erforschen und in Experimenten ihre Intelligenz überwachen: "Die sehen sich alles, was wir tun, genau an", sagt eine Rabenforscherin, die lieber anonym bleiben möchte. Flüsternd fügt sie hinzu: "Im Grunde sind wir es, die hier unter Beobachtung stehen."
Urte Paul (12.11.2009)
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Die Tower-Raben in London
Niemand kann heute genau sagen, seit wann im Tower von London Raben leben. Überliefert ist jedoch, dass die Tiere einst den königlichen Astronomen John Flamsteed erzürnten und König Karl II. (1630 bis 1685) sie daraufhin loswerden wollte.
Bevor der Monarch jedoch seinen Plan in die Tat umsetzen konnte, kam ihm eine Legende zu Ohren: Sollten die Raben jemals den Tower verlassen, würde der weiße Turm der Festung fallen, das Königreich stürzen und die Monarchie untergehen.
Dieses Risiko wollte Karl nicht eingehen und schickte lieber seinen Sternengucker fort, ins nahe gelegene Greenwich (dort entstand 1675 das weltbekannte Royal Greenwich Observatory).
Die Raben aber durften bleiben, als Glücksbringer für Monarchie und Land. Zu ihren Diensten steht bis heute der Ravenmaster: Er kümmert sich um Aufzucht und Versorgung und stutzt den Tieren die Flügel, damit sie nicht abheben.
In arge Bedrängnis gerieten Raben und Königreich im Zweiten Weltkrieg: Fast alle Tiere kamen durch den Stress während der Bombardements um. Nur ein einziger Vogel überlebte - haarscharf ging das Land damals an der Katastrophe vorbei.
Damit so etwas nie wieder passiert und Großbritanniens Bürger während der Wirtschaftskrise nicht zittern müssen, hat man den Rabenschwarm im Oktober 2008 übrigens von sechs auf zehn Tiere vergrößert.
Niemand kann heute genau sagen, seit wann im Tower von London Raben leben. Überliefert ist jedoch, dass die Tiere einst den königlichen Astronomen John Flamsteed erzürnten und König Karl II. (1630 bis 1685) sie daraufhin loswerden wollte.
Bevor der Monarch jedoch seinen Plan in die Tat umsetzen konnte, kam ihm eine Legende zu Ohren: Sollten die Raben jemals den Tower verlassen, würde der weiße Turm der Festung fallen, das Königreich stürzen und die Monarchie untergehen.
Dieses Risiko wollte Karl nicht eingehen und schickte lieber seinen Sternengucker fort, ins nahe gelegene Greenwich (dort entstand 1675 das weltbekannte Royal Greenwich Observatory).
Die Raben aber durften bleiben, als Glücksbringer für Monarchie und Land. Zu ihren Diensten steht bis heute der Ravenmaster: Er kümmert sich um Aufzucht und Versorgung und stutzt den Tieren die Flügel, damit sie nicht abheben.
In arge Bedrängnis gerieten Raben und Königreich im Zweiten Weltkrieg: Fast alle Tiere kamen durch den Stress während der Bombardements um. Nur ein einziger Vogel überlebte - haarscharf ging das Land damals an der Katastrophe vorbei.
Damit so etwas nie wieder passiert und Großbritanniens Bürger während der Wirtschaftskrise nicht zittern müssen, hat man den Rabenschwarm im Oktober 2008 übrigens von sechs auf zehn Tiere vergrößert.



