Welt im Schafspelz
Schafe sind seit Jahrtausenden Nutztiere des Menschen. Neben Fleisch und Milch hat es der Zweibeiner auf die Haare der Vierbeiner abgesehen, um aus der flauschigen Wolle Garne herzustellen.Schafe sind die wahrscheinlich ältesten Nutztiere des Menschen. Um 9000 v. Chr. sollen sie domestiziert worden sein.
Hauptlieferanten des tierischen Rohstoffs sind Schafe. Deren Fell wird ein- bis zweimal im Jahr geschoren. Dazu wird das so genannte Rohwollvlies in einem Stück vom Körper des Schafs geschnitten. Je nach Alter und Rasse liefert jedes Tier durchschnittlich dreieinhalb Kilo Rohwolle.
Durch das anschließende Waschen verliert die frisch geschorene Wolle etwa die Hälfte ihres Gewichts: Seife, Soda und synthetische Waschmittel reinigen das Vlies von Schmutz und Fett. Dieses so genannte Lanolin, das Talgdrüsen während des Wollwachstums produzieren, umhüllt jedes Schafhaar und schützt die Haut vor Feuchtigkeit. Als Nebenprodukt der Wollproduktion findet es bei der Herstellung von Kosmetika weitere Verwendung.
Ziehen und Zusammendrehen
Nach dem Waschen wird die Rohwolle aufgelockert und gekämmt. Nun erfolgt das Färben der Fasern, bevor sie zu Garn gesponnen werden. Durch Ziehen und Zusammendrehen einzelner Faserbündel entsteht beim Spinnen - egal ob per Hand oder maschinell - ein gleichmäßiger Faden, der anschließend aufgewickelt wird.
Rund dreihundert Tiere gehören zu einer Herde. Gegrast wird auf festen Koppeln oder auf wechselnden Weideflächen.
Wahrscheinlich war er nur ein guter Beobachter der Natur: Wenn ungeschorene Wildschafe jährlich ihr Fell wechseln, streifen sie die losen Haare an Bäumen oder anderen harten Gegenständen ab. Dort bleiben dann zu langen Wollstreifen gedrehte Fasern hängen.
Robust und genügsam
Auch wann der Mensch dahinter kam, aus Schafhaaren Fäden zu zwirbeln, um daraus Kleidung herzustellen, ist nicht genau datiert. Vermutlich waren Wolle und ihre Verarbeitung - Spinnen und Weben - schon ab etwa 3500 v. Chr. in Ägypten bekannt. Und der babylonische König Hammurabi (um 1728 bis 1686 v. Chr.) regelte auf seinen berühmten Gesetzestafeln auch den Verkauf von Wolle. Neben Öl und Korn galt die Wolle als Hauptprodukt des Landes; ihr Diebstahl - genauso wie der von Schafen - war unter hohe Strafen gestellt.
Zu dieser Zeit spielte das Schaf längst eine wichtige Rolle als Fleisch- und Milchlieferant. Bereits um 9000 v. Chr. sollen vorderasiatische Bergvölker mit der Domestikation wilder Schafe begonnen haben. Deren Haltung war und ist unproblematisch, da sich die robusten und genügsamen Tiere selbst den extremsten klimatischen Bedingungen mit wenig Futter anpassen können.
Unter Androhung der Todesstrafe
Während der zurückliegenden Jahrtausende entstanden aus den Ur-Schafen durch Zucht um die zweihundert domestizierte Schafrassen. Mit der systematischen Schafzucht versuchte der Mensch, den Ertrag seiner Nutztiere immer weiter zu steigern.
Für die Wolle bedeuteten Zuchterfolge verbesserte Qualität. So konnte in weiten Teilen Europas aus dem im Mittelalter vorherrschenden grobwolligen Vlies damaliger Schafrassen nur glattes, derbes Tuch gewebt werden. Doch in Spanien begann etwa ab dem 12. Jahrhundert die Zucht feinwolliger Schafe: der berühmten Ovejas merinas.
Während die Wolle der Merinoschafe begehrtes Exportprodukt war, sollte ein königlicher Erlass - die so genannte Mesta - unter Androhung der Todesstrafe den Verkauf von Zuchttieren außer Landes verhindern. Nur die Reichen Europas konnten sich Textilien aus Feinwolle leisten. Erst nach Rücknahme der Mesta 1751 verbreiteten sich Merinoschafe innerhalb weniger Jahre in ganz Europa und Merinowolle wurde zur dominierenden Sorte.
Durch Kreuzung einheimischer Schafe mit den spanischen Merinos entstanden die heutigen Merinoschafe, die mit ihrer feinen, gekräuselten Wolle zur wichtigsten Rasse für die Wollproduktion wurden. Ihr Siegeszug umfasste die ganze Welt: Heute bringt Australien mit rund vierzig Prozent der Weltproduktion an Schafwolle die größten Mengen des hochwertigen Materials hervor. Von rund einer Milliarde Schafen, die es derzeit auf der Erde gibt, hat Down Under (gemeinsam mit Neuseeland) den drittgrößten Bestand: um die 166 Millionen Tiere.
Neuorientierung der Zucht
Hingegen sind die rund zwei Millionen Schafe in Deutschland eher Fleischlieferanten. Der immense Preisverfall für Wolle - hervorgerufen durch die Massentierhaltung in Übersee und die Ablösung der Schafwolle als wichtigste Textilfaser durch Baumwolle und synthetische Materialien - machte eine Neuorientierung der Zucht erforderlich.
Derzeit gibt es rund eine Milliarde Schafe auf der Welt. Die robusten Tiere kommen auch mit extremen Bedingungen zurecht.
Unangenehme Irritationen
Wolle von heimischen Schafrassen findet heutzutage vor allem als Dämmstoff in der Bauindustrie Verwendung. Im Vergleich zur australischen Merinowolle ist deutsche Wolle nämlich ganz schön kratzig. Das liegt an deren dickeren Fasern, die auf der Haut zu unangenehmen Irritationen führen können. Das hiesige Klima erfordert ein schnell wachsendes, warmes - sprich: dickeres - Fell. Die Haare der Schafe auf der Südhalbkugel wachsen wegen des viel trockeneren Klimas wesentlich langsamer. Dadurch wird das Fell australischer Merinoschafe bis zu viermal feiner; Textilien aus dieser Wolle fühlen sich weicher an.
Ulrike Wolf (aktualisiert 05.04.2011)
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Infobox
Zoologisch...
gehören Schafe zur Gattung Ovis. Dazu zählen unter anderem das Hausschaf (Ovis ammon aries), das Wildschaf (Ovis ammon) mit diversen Unterarten und auch das amerikanische Dickhornschaf (Ovis canadensis). Die Körperlänge der einzelnen Arten variiert zwischen etwa einem und zwei Metern, die Schulterhöhe zwischen 0,65 und 1,25 Metern.
Männliche Tiere sind deutlich größer als weibliche. Im Unterschied zu den Ziegen, mit denen sie eng verwandt sind, haben Schafe eine flache Stirn und keinen Kinnbart. Schafe sind Paarhufer, Hornträger und Wiederkäuer. Männliche Tiere heißen Bock oder Widder, kastrierte Männchen werden Hammel genannt.
Weibliche Tiere heißen Mutterschaf oder Aue, junge Schafe bis zum ersten Jahr Lamm. Weibliche Schafe leben gemeinsam mit den nicht geschlechtsreifen Jungtieren in Herden.
Jungböcke schließen sich oft in eigenen Gruppen zusammen, ältere Männchen ziehen als Einzelgänger herum und kehren nur zur Paarung im Herbst zur Herde zurück. Im Frühling erblicken ein oder zwei Lämmer pro Mutterschaf das Licht der Welt.
Schafe werden durchschnittlich zwischen zehn und zwölf Jahre alt; Mutterschafe erreichen allerdings häufig nur ein Alter von fünf oder sechs Jahren.
gehören Schafe zur Gattung Ovis. Dazu zählen unter anderem das Hausschaf (Ovis ammon aries), das Wildschaf (Ovis ammon) mit diversen Unterarten und auch das amerikanische Dickhornschaf (Ovis canadensis). Die Körperlänge der einzelnen Arten variiert zwischen etwa einem und zwei Metern, die Schulterhöhe zwischen 0,65 und 1,25 Metern.
Männliche Tiere sind deutlich größer als weibliche. Im Unterschied zu den Ziegen, mit denen sie eng verwandt sind, haben Schafe eine flache Stirn und keinen Kinnbart. Schafe sind Paarhufer, Hornträger und Wiederkäuer. Männliche Tiere heißen Bock oder Widder, kastrierte Männchen werden Hammel genannt.
Weibliche Tiere heißen Mutterschaf oder Aue, junge Schafe bis zum ersten Jahr Lamm. Weibliche Schafe leben gemeinsam mit den nicht geschlechtsreifen Jungtieren in Herden.
Jungböcke schließen sich oft in eigenen Gruppen zusammen, ältere Männchen ziehen als Einzelgänger herum und kehren nur zur Paarung im Herbst zur Herde zurück. Im Frühling erblicken ein oder zwei Lämmer pro Mutterschaf das Licht der Welt.
Schafe werden durchschnittlich zwischen zehn und zwölf Jahre alt; Mutterschafe erreichen allerdings häufig nur ein Alter von fünf oder sechs Jahren.
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Seine Furchtsamkeit...
sei erbärmlich. Jedes fremde Geräusch mache es stutzig, Blitz und Donner brächten das Schaf gänzlich aus der Fassung. Derart Meinung ließ Alfred Brehm (1829 bis 1884) in seinem Tierleben verlauten. Allzu viel schien der Zoologe nicht von den Schafen zu halten.
Bis in die heutige Zeit stehen Schafe in dem Ruf, feige und dumm zu sein. Diverse aktuelle Studien wollen dies widerlegen. Wissenschaftler der britischen Cambridge University fanden zum Beispiel heraus, dass Schafe ähnliche Hirnstrukturen wie Menschen besitzen.
Die angeblich wenig intelligenten Tiere lernten in einem Versuch, die Gesichter von fünfzig Artgenossen zu unterscheiden. Nach dreißig Tests machten die Schafe kaum noch Fehler, nach fünfhundert Durchgängen erkannten sie die Köpfe schon am Profil.
Von einem anderen Experiment berichtete das Wissenschaftsmagazin New Scientist im April 2006: Forscher der Utah State University mischten Schafen Substanzen ins Futter, die bei den Tieren leichtes Unwohlsein auslösten. Anschließend boten sie den Schafen drei Arzneimittel an, von denen eines die Symptome linderte.
Noch fünf Monate später wählten die Schafe gezielt das Medikament aus, welches sie auch schon im ersten Versuch geheilt hatte. Wenn Dummheit die Unfähigkeit bedeute, aus Erfahrungen zu lernen, so seien Schafe alles andere als dumm - lautet die Schlussfolgerung der Wissenschaftler.
sei erbärmlich. Jedes fremde Geräusch mache es stutzig, Blitz und Donner brächten das Schaf gänzlich aus der Fassung. Derart Meinung ließ Alfred Brehm (1829 bis 1884) in seinem Tierleben verlauten. Allzu viel schien der Zoologe nicht von den Schafen zu halten.
Bis in die heutige Zeit stehen Schafe in dem Ruf, feige und dumm zu sein. Diverse aktuelle Studien wollen dies widerlegen. Wissenschaftler der britischen Cambridge University fanden zum Beispiel heraus, dass Schafe ähnliche Hirnstrukturen wie Menschen besitzen.
Die angeblich wenig intelligenten Tiere lernten in einem Versuch, die Gesichter von fünfzig Artgenossen zu unterscheiden. Nach dreißig Tests machten die Schafe kaum noch Fehler, nach fünfhundert Durchgängen erkannten sie die Köpfe schon am Profil.
Von einem anderen Experiment berichtete das Wissenschaftsmagazin New Scientist im April 2006: Forscher der Utah State University mischten Schafen Substanzen ins Futter, die bei den Tieren leichtes Unwohlsein auslösten. Anschließend boten sie den Schafen drei Arzneimittel an, von denen eines die Symptome linderte.
Noch fünf Monate später wählten die Schafe gezielt das Medikament aus, welches sie auch schon im ersten Versuch geheilt hatte. Wenn Dummheit die Unfähigkeit bedeute, aus Erfahrungen zu lernen, so seien Schafe alles andere als dumm - lautet die Schlussfolgerung der Wissenschaftler.



