Quieken und Spielen?
Sind sie wirklich Tiere zweiter Klasse - schmutzig, träge und dumm? Nein, urteilen Kenner der Materie: Das Borstenvieh sei immerhin intelligenter als der Hund, und sogar schlauer als der Affe.Das Schicksal des Hausschweins ist tragisch. Nicht nur wartet am Ende der gewaltsame Tod, auch das ganze Schweineleben ist von diesem Ende her bestimmt. Geschlachtet erst erfüllt das Hausschwein den Zweck, den sein Schöpfer, der Mensch, ihm vorgegeben hat: allzeit verfügbare Biomasse. Mit Rücksicht auf die Gefühle der Schweinefleischesser muss das so grausam behandelte Tier zudem noch negative Stereotype bedienen: schmutzig, faul, schwitzend und dumm. Bloß innen, im Fleisch, darf der Paarhufer positiv sein und lecker. Idealerweise hat das gemeine Hausschwein die unpersönliche Form des Steaks.
Wir sollen sie lieben
Völlig aus der bratenduftgesättigten Luft gegriffen sind solche küchenphilosophischen Betrachtungen nicht, denn: Neuerdings polieren Menschen am Ruf des Schweins, wollen uns Sau und Eber sympathisch machen. Wir sollen sie lieben. Allerdings: Man liebt das Schwein oder das Steak; Verzicht nur öffnet unsere Herzen für die reiche Schweinewelt, das Objekt einfühlsamer Verhaltensforschung. Erst der Nicht-Esser, es sei denn, er hält Bouletten für Produkte der Petrochemie, würdigt das komplexe Sozialverhalten der Schweine, und hört die Lieder, die Schweinemütter ihren Babys beim Säugen singen.
Gut mit dem Joystick
Der Trend dauert an: hin zum sympathischen Schwein, weg von alten Vorurteilen. So lehrt uns Professor Stanley Curtis (von der Penn State University), dass Schweine exzellent Gameboys beherrschen und hervorragend sind bei Spielen mit Joysticks. Schweine seien viel schlauer als Hunde, sie überträfen gar manche Primaten. Ihre Lernfähigkeit sei beachtlich, ihre List folglich auch. Grunzlaute und Quieker gebe es für Dutzende spezielle Situationen. Doktor Mike Mendyll bemerkte gar, "dass Schweine kompetitive Stärke signalisieren, um offene Aggressionen zu minimieren."
Tapfer und solidarisch!
Hinzu kommt, was jeder Landwirt wissen könnte, wenn er wollte: Weil Schweine nie schwitzen, wälzen sie sich zwecks Kühlung im Schlamm. Falls vorhanden, bevorzugen sie saubere Duschen. Da erwachsene Schweine bis zu 17 Kilometer pro Stunde rennen, wäre auch die Faulheitsthese korrekturbedürftig. Und seit Schweinchen Babe ist sogar der roheste Teenager überzeugt: Schweine sind schlau, überdies tapfer und solidarisch!
Sache der Dummen
Dreißig intelligente Schweine verzehrt jeder Deutsche im Schnitt, vom Kleinkindalter an. Bis 1990 stieg der Fleischverbrauch (nicht nur von Schweinefleisch) ziemlich kontinuierlich auf 67 Kilo pro Kopf und Jahr. Seither aber verzeichnen wir eine Abwärtsentwicklung: Experten sprechen vom Rückgang um rund zehn Prozent. Der Zwang zum Schlanksein und erstarktes Gesundheitsbewusstsein sind naheliegende Gründe, mehr Druck also in unserer wettbewerbsorientierten Lebenswelt.
Intelligenzbestie: Schweine sollen klüger als Affen und Hunde sein.
Wozu sonst?
Dem gemeinen Hausschwein nutzt das neue Verständnis wenig. Kein Bauer wird seine Tiere, wie im schönen Mittelalter, durch grüne Eichenwälder treiben - oder wirklich für Wohlfühlställe sorgen. Vor allem dann nicht, wenn der Preis bei sinkender Nachfrage fällt. Das Schicksal des Hausschweins bleiben Gefängnis und gewaltsamer Tod. Wozu sonst wäre es da? Es ist eben ein Schweineleben!
Michael Schmittbetz (01.03.2006)
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Infobox
Haus- und Wildschwein
Zur Gattung der Paarhufer und zur Familie der echten Schweine gehört das Hausschwein (sus scrofa domestica). Im frühen Mittelalter aus dem Wildschwein gezüchtet, hat es eine interessante Geschichte. Anfangs mischte es sich immer wieder mit seinen wild lebenden Verwandten.
Das lag nicht zuletzt an der traditionellen Eichelmast: Bauern weideten Hausschweine in Eichenwäldern, um kräftiges Fleisch zu erhalten. Dort waren domestizierte Sauen der Begehrlichkeit wilder Keiler ausgesetzt. Noch heute leben freie Schweinepopulationen, entstanden durch solche "Unzucht", im Südwesten der USA.
Zur Gattung der Paarhufer und zur Familie der echten Schweine gehört das Hausschwein (sus scrofa domestica). Im frühen Mittelalter aus dem Wildschwein gezüchtet, hat es eine interessante Geschichte. Anfangs mischte es sich immer wieder mit seinen wild lebenden Verwandten.
Das lag nicht zuletzt an der traditionellen Eichelmast: Bauern weideten Hausschweine in Eichenwäldern, um kräftiges Fleisch zu erhalten. Dort waren domestizierte Sauen der Begehrlichkeit wilder Keiler ausgesetzt. Noch heute leben freie Schweinepopulationen, entstanden durch solche "Unzucht", im Südwesten der USA.
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Zielgerichtete Zucht
Seitdem die Praxis der Eichelmast vorüber ist, züchten Landwirte immer neue Rassen. Motiv: ein höherer Fleischertrag. Selten gibt es andere Gründe: zum Beispiel politischer Art.
Das Rotbunte Husumer Protestschwein verdankt seine Existenz dem Umstand, dass es den Dänen, die im ersten Jahrzehnt des Zwanzigsten Jahrhunderts in Nordfriesland lebten, verboten war, ihre Nationalität zu betonen. Tatsächlich ähnelt das rot gefärbte Tier mit seinem weißen Längsstreifen und dem Ansatz eines weißen Querstreifens der dänischen Flagge, dem Dannebrog. Offiziell anerkannt wurde die Rasse 1954.
Seitdem die Praxis der Eichelmast vorüber ist, züchten Landwirte immer neue Rassen. Motiv: ein höherer Fleischertrag. Selten gibt es andere Gründe: zum Beispiel politischer Art.
Das Rotbunte Husumer Protestschwein verdankt seine Existenz dem Umstand, dass es den Dänen, die im ersten Jahrzehnt des Zwanzigsten Jahrhunderts in Nordfriesland lebten, verboten war, ihre Nationalität zu betonen. Tatsächlich ähnelt das rot gefärbte Tier mit seinem weißen Längsstreifen und dem Ansatz eines weißen Querstreifens der dänischen Flagge, dem Dannebrog. Offiziell anerkannt wurde die Rasse 1954.




