Eine "Erfolgsstory"?
Jägern und Bauern galten Greifvögel lange als Bedrohung für Wild- und Nutztiere - die "Räuber" wurden unerbittlich gejagt. Als der Seeadler hierzulande fast ausgerottet war, stellte man ihn endlich unter Schutz.So sehen Gewinner aus: Ohne natürliche Feinde und auch an ungünstige Klimabedingungen angepasst, sind Seeadler in ganz Nord- und Mitteleuropa sowie in Asien verbreitet. Sie können im arktischen Klima Norwegens ebenso überleben wie im milden Norden Griechenlands.
Breite Nahrungspalette
Da sie sowohl Fische als auch Vögel und Landtiere fressen, ist die Nahrungssuche kein Problem. Sogar Aas verschmähen sie nicht und stehlen zur Not anderen Raubvögeln die Beute. Für den Kampf ums Überleben bringen Seeadler also beste Voraussetzungen mit.
Doch leider kamen die Tiere dem Menschen in die Quere. Oder war es umgekehrt? Im 17. Jahrhundert galten Greifvögel als Schädlinge, die die Bestände an Nutztieren und Jagdwild dezimierten. Es folgte eine groß angelegte "Raubzeugbekämpfung", der auch tausende Seeadler zum Opfer fielen. In manchen Gegenden förderten Behörden die Ausrottung der Tiere, im Sauerland etwa zahlten sie ab 1665 Abschussprämien.
Wie Phönix aus der Asche
Die Jagd hatte "Erfolg": Anfang des Zwanzigsten Jahrhunderts waren Seeadler vom Aussterben bedroht. Zu dieser Zeit gab es jedoch erste Bemühungen, die Art zu retten. Deutschland spielte - wenn auch unter fragwürdigem ideologischen Vorzeichen - eine Vorreiterrolle: Im Dritten Reich wurde Tierschutz nämlich besonders groß geschrieben - als Zeichen der Naturverbundenheit des arischen Menschen. Die "urdeutschen" Seeadler stellte man dabei unter besonderen Schutz, die Population erholte sich.
Doch in den folgenden Jahrzehnten ging der Bestand erneut zurück. Ursache war das Insektizid DDT, das die Tiere über die Nahrung aufnahmen. Verseuchte Weibchen legten Eier mit zu dünner Schale, die beim Brüten vorzeitig zerbrach. Nach dem Verbot von DDT in den 1970er Jahren stieg die Zahl der Seeadler deutlich.
Gefahr gebannt?
Weltweit sind die Bestände inzwischen wieder auf zwölftausend Brutpaare angewachsen, und Seeadler erobern frühere Verbreitungsgebiete zurück. 2005 stufte die World Conservation Union (IUCN) den Seeadler in ihrer Roten Liste der bedrohten Tierarten als "nicht gefährdet" ein. Der World Wide Fund for Nature (WWF) spricht sogar von einer "Erfolgsstory des Naturschutzes": Allein in Deutschland gebe es wieder 580 brütende Paare.
Doch die Zerstörung natürlichen Lebensraums setzt ihrer Ausbreitung Grenzen. Wo Wildnis industriellen und landwirtschaftlichen Nutzflächen weichen muss, werden die hier lebenden Tiere in größere Nähe zum Menschen gezwungen. Diese Nähe wird Seeadlern oft zum Verhängnis.
So verlassen viele Brutpaare ihre Nester bei Lärm und anderen Störungen - Eier oder bereits geschlüpfte Jungtiere bleiben zurück. Züge erfassen Adler, die auf Bahngleisen verendetes Wild fressen. Strommasten, die sich die Tiere als Aussichtspunkt wählen, versetzen ihnen tödliche Schläge.
Diagnose Bleivergiftung
Darüber hinaus erleiden viele der Vögel eine Bleivergiftung, wenn sie mit bleihaltiger Munition durchsetzte Innereien erlegter Tiere fressen. Die aggressive Magensäure der Seeadler löst das Blei auf, es gelangt ins Blut. Störungen des Zentralnervensystems und Sauerstoffmangel sind die Folge, den Tieren drohen Blindheit und qualvolles Ersticken. Seit etwa fünfzehn Jahren gibt es auch bleifreie Munition, doch die wird bisher kaum verwendet.
Gegen bleiverseuchte Nahrung, Schnellzüge und Stromschläge kann dem Seeadler keiner seiner evolutionären Vorteile helfen. Perfekte Anpassung an die Wildnis nützt wenig, wo Zivilisation diese Wildnis verdrängt. So hängt Erfolg oder Niederlage des "Königs der Lüfte" umso mehr vom guten Willen des Menschen ab.
Claudia Albert (aktualisiert 09.03.2012)
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Infobox
Tod durch bleihaltige Munition
Bleivergiftung ist in Deutschland die häufigste Todesursache bei Seeadlern. Aber auch andere Greifvögel wie Habichte, Mäusebussarde, Rotmilane und Wanderfalken sind vor dieser Gefahr nicht gefeit. Bleivergiftungen bei Seeadlern werden auch in Polen, Japan, Grönland, Finnland und Schweden festgestellt.
Die Bleigeschosse oder deren Reste nimmt der Seeadler beim Fressen von Aas ("Aufbruch") oder beschossenen und dann im Freiland verendeten Wildtieren auf. Vor allem im Winter, wenn der Zugang zu Fischen und Wasservögeln erschwert ist, weicht der Seeadler auf Aas aus.
Tierschutzvereine fordern schon seit mehreren Jahren ein Verbot der bleihaltigen Munition. Obwohl in Studien inzwischen als gleichwertig bewertet, hat sich bleifreie Munition noch nicht durchgesetzt.
Bleivergiftung ist in Deutschland die häufigste Todesursache bei Seeadlern. Aber auch andere Greifvögel wie Habichte, Mäusebussarde, Rotmilane und Wanderfalken sind vor dieser Gefahr nicht gefeit. Bleivergiftungen bei Seeadlern werden auch in Polen, Japan, Grönland, Finnland und Schweden festgestellt.
Die Bleigeschosse oder deren Reste nimmt der Seeadler beim Fressen von Aas ("Aufbruch") oder beschossenen und dann im Freiland verendeten Wildtieren auf. Vor allem im Winter, wenn der Zugang zu Fischen und Wasservögeln erschwert ist, weicht der Seeadler auf Aas aus.
Tierschutzvereine fordern schon seit mehreren Jahren ein Verbot der bleihaltigen Munition. Obwohl in Studien inzwischen als gleichwertig bewertet, hat sich bleifreie Munition noch nicht durchgesetzt.
Infobox
Eurasiatische Seeadler...
leben in den arktischen bis gemäßigten Zonen Europas und Asiens. Bei einer Körpergröße von bis zu 92 Zentimetern sind Flügelspannweiten von zweieinhalb Metern keine Seltenheit. Damit sind Seeadler die größten Greifvögel Mitteleuropas.
Im Alter von etwa fünf Jahren sind sie ausgewachsen und suchen den Partner, mit dem sie ein Leben lang zusammen bleiben. Das Paar baut ein Nest, das im Laufe der Jahre einen Durchmesser von zwei Metern, fünf Meter Höhe und sechshundert Kilogramm Gewicht erreichen kann.
Einmal im Jahr legt das Weibchen, das größer und schwerer ist als das Männchen, ein bis drei Eier, die von beiden Eltern ausgebrütet werden. Nach circa vierzig Tagen schlüpfen die Jungen und nach weiteren achtzig bis neunzig Tagen verlassen sie das Nest. Vor ihnen liegt ein langes Vogelleben: Seeadler können über 35 Jahre alt werden.
leben in den arktischen bis gemäßigten Zonen Europas und Asiens. Bei einer Körpergröße von bis zu 92 Zentimetern sind Flügelspannweiten von zweieinhalb Metern keine Seltenheit. Damit sind Seeadler die größten Greifvögel Mitteleuropas.
Im Alter von etwa fünf Jahren sind sie ausgewachsen und suchen den Partner, mit dem sie ein Leben lang zusammen bleiben. Das Paar baut ein Nest, das im Laufe der Jahre einen Durchmesser von zwei Metern, fünf Meter Höhe und sechshundert Kilogramm Gewicht erreichen kann.
Einmal im Jahr legt das Weibchen, das größer und schwerer ist als das Männchen, ein bis drei Eier, die von beiden Eltern ausgebrütet werden. Nach circa vierzig Tagen schlüpfen die Jungen und nach weiteren achtzig bis neunzig Tagen verlassen sie das Nest. Vor ihnen liegt ein langes Vogelleben: Seeadler können über 35 Jahre alt werden.




