Heller Kopf für Amerika
Dem nordamerikanischen Bald Eagle erging es kaum besser als den europäischen Seeadlern. Auch er war beliebtes Jagdziel. Sogar den Status als nationales Symbol machte man ihm streitig.Es war eine schwere Entscheidung. Gut sechs Jahre dauerte die Debatte im amerikanischen Kongress, dann stand am 20. Juni 1782 fest: Der Bald Eagle wird Wappentier der USA. Seither ziert der Weißkopfseeadler die offiziellen Siegel der Vereinigten Staaten, dazu viele Briefmarken, Geldscheine und Münzen.
Freiheitsliebender Vogel
Vieles spricht für dieses Tier: Seit der Antike verbindet der Mensch mit Adlern Freiheit und Unabhängigkeit; genau dafür kämpften die amerikanischen Kolonisten im 18. Jahrhundert. Die Wahl fiel auf den Weißkopfseeadler, weil er nicht nur der größte und eindrucksvollste Greifvogel Nordamerikas ist, sondern auch der einzige, der ausschließlich auf diesem Kontinent vorkommt - ein "waschechter Amerikaner" also. Vielen Indianerstämmen gilt er überdies als heiliges Tier.
Der Legende nach spielten Bald Eagles außerdem eine besondere Rolle im Unabhängigkeitskrieg (1775 bis 1783): Bei einer der ersten Schlachten kreisten angeblich Weißkopfseeadler über den Kämpfern. Die Kolonisten, die für ihre Befreiung aus britischer Herrschaft kämpften, interpretierten das Schauspiel als "Ruf der Adler nach Freiheit" und fühlten sich davon angespornt.
Truthahn statt Adler
Doch nicht jeder war mit der Entscheidung des Kongresses einverstanden. Benjamin Franklin, einer der Gründerväter der USA, favorisierte den Truthahn. Der sei ebenfalls ein "Eingeborener" Nordamerikas und sehr mutig, schrieb Franklin 1784 in einem Brief an seine Tochter - obgleich etwas eitel und dumm, würde der Truthahn nicht zögern, britische Soldaten anzugreifen.
Den Bald Eagle fand der Staatsmann dagegen feige, faul und betrügerisch, denn er überlasse anderen Vögeln die Mühe der Jagd, um ihnen anschließend die Beute abzujagen. Franklins Einwände fanden zwar kein Gehör, doch konnte er die Niederlage beim Anblick des neuen Wappens verschmerzen: Das darauf abgebildete Tier sehe ja doch eher wie ein Truthahn aus.
Schutz dem Wappentier
Seine Stellung als Nationalsymbol schützte den Weißkopfseeadler nicht vor Verfolgung, 1950 war er fast ausgerottet. Schutzprogramme waren nötig, um Amerikas Wappentier vor dem Aussterben zu retten. Inzwischen hat die Population sich erholt, doch die Gesetze bleiben streng. So ist die Jagd auf die Vögel weiterhin verboten, die Verwendung ihrer Federn für indianische Riten großen Beschränkungen unterworfen.
Claudia Albert (20.04.2007)
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