Eine entfernte Verwandte der Haustaube: Die Kragentaube lebt in Südostasien.
Ein gezüchtetes Problem
Vor siebentausend Jahren lebte die Taube in rauen, unwirtlichen Felsen, wo Greifvögel und Nagetiere sie bedrohten. Bei der Futtersuche musste sie gegen Wind und Wetter ankämpfen und weite Strecken zurücklegen. Dann traf sie auf den Menschen; seine Steinbauten boten ihr Unterschlupf, auf seinen Feldern fand sie Nahrung in Hülle und Fülle, er verscheuchte ihre natürlichen Feinde. Die Taube verließ die kargen Felsen - bei den Menschen hatte sie ein sicheres Zuhause gefunden. So oder so ähnlich kam es vermutlich dazu, dass sich die Taube dem Menschen anschloss. Noch bevor es zahme Hühner und Gänse gab, zählte sie zu seinen Nutztieren. Seitdem hat der Mensch sie immer näher an sich herangeholt, nach seinen Vorstellungen geformt und seinen vielfältigen Bedürfnissen angepasst.Wohlriechende Blumen
Erste Aufzeichnungen über das Halten von Tauben sind aus dem dritten Jahrtausend v. Chr. aus Mesopotamien erhalten - den Sumerern dienten die Tiere als Fleischlieferant und als Lockvogel, um Greifvögel zu fangen. Die alten Ägypter hielten die Vögel zu landwirtschaftlichen Zwecken: Taubenkot eignet sich wegen seiner Stickstoff-, Phosphat- und Kaliumanteile gut zum Düngen - es hieß, er mache wasserhaltige Früchte besonders schmackhaft und Blumen farbenfroh und wohlriechend.
Eine außergewöhnliche Taube war der Dodo: Er konnte nicht fliegen. Darum war er leichte Beute für hungrige Eroberer - 1690 erlegten sie den letzten seiner Art auf Mauritius...
Früh erkannte der Mensch den starken Heimkehrtrieb von Tauben: Eine Taube, die aus ihrem Heimatschlag entfernt und an fremdem Ort freigelassen wird, macht sich schnurstracks auf den Heimweg - und findet ihn in den meisten Fällen auch. Aus Griechenland ist überliefert, dass Athleten Tauben aus ihrer Heimat zu den Olympischen Spielen mitbrachten. Im Falle eines Sieges befestigte der Sportler das Siegerband am Fuß der Taube - sie trug die frohe Botschaft nach Hause.
Geflügel-Gourmets
Für die Römer waren Tauben vor allem Delikatesse. In riesigen Taubenschlägen, heute noch zu bestaunen in Pompeji, hielt man die Tiere und mästete sie - ein Vorgeschmack auf die moderne Massentierhaltung. Auch passionierte Taubenzüchter waren die Römer: "Aus Liebe zu ihnen (den Tauben) werden viele zu Narren." berichtet der Naturforscher Plinius der Ältere über seine Landsleute. Anlass für dieses Urteil waren die zahlreichen Taubenschläge auf den Dächern, die penibel geführten Stammbäume sowie das Züchten verschiedener Rassen, die sich in Farbe und Zeichnung unterschieden.
Brieftauben ließen die Herzen der Damen höher schlagen - wenn sie Botschaften vom Liebsten überbrachten. (Anonymes Gemälde aus dem 19. Jahrhundert)
Bereits im neunten Jahrhundert unterhielten die Araber eine umfangreiche Taubenpost. Dafür nahmen sie erheblichen materiellen und finanziellen Aufwand in Kauf: Qualifiziertes Personal kümmerte sich um die Tauben, züchtete leistungsfähige Tiere heran und trainierte sie auf Ausdauer und Heimattreue. Alle Städte des Postnetzes mussten große Taubenschläge errichten und unterhalten. Nicht zuletzt war organisatorisches Geschick gefordert, damit die "Postämter" immer ausreichend Tauben zur Verfügung hatten, die Botschaften an ihren jeweiligen Heimatort tragen konnten. So viel Mühe zahlte sich aus: Während der Kreuzzüge konnten arabische Heere auf ein leistungsfähiges Nachrichtensystem zurückgreifen.
Multifunktionstier
Europas Tauben waren im Mittelalter vor allem Fleischlieferanten: Mönche französischer und schweizerischer Klöster erfreuten sich regelmäßig an deftigem Taubenbraten. So kultiviert ging es in England nicht immer zu: Rund um Surrey gewannen Industrielle im 16. Jahrhundert zeitweise Salpeter aus Taubenkot - um daraus Schießpulver herzustellen. Den Bauern in der Schweiz und im Schwarzwald dienten Tauben als Köder und Beute für Greifvögel, um von den wertvolleren Hühnern abzulenken. Kaufleute und Bankiers übermittelten im 19. Jahrhundert wichtige politische Nachrichten und Börsenkurse via Brieftaube zwischen den großen Handelsstädten Europas - Neuigkeiten aus Antwerpen "landeten" so in nur fünfeinhalb Stunden im 310 Kilometer entfernten London...
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Die Taube ist, außer in der Antarktis und Arktis, auf der ganzen Welt verbreitet. Zu ihrer Familie gehören etwa vierzig Gattungen und dreihundert Arten. Tauben sind zum Fliegen geschaffen: Sie verfügen über einen hohen Anteil an Muskelmasse, sind durch ihre hohlen Knochen relativ leicht - und erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 160 Kilometern pro Stunde. Als Futter bevorzugen sie Samen, Körner und weiche Pflanzenteile. Zwar leben Tauben in Einehe - Seitensprünge sind aber keineswegs selten. Weibchen und Männchen bebrüten ihre Gelege aus ein bis zwei Eiern abwechselnd. Beide produzieren in ihrem Kropf eine Art Milch als Nahrung für die Jungvögel. Die Kleinen entwickeln sich schnell: Bereits mit vier Wochen lernen sie das Fliegen, nach sechs Monaten sind sie geschlechtsreif.



