Häufig ist die Bindung des Menschen an sein Haustier sehr emotional. Tierärzte genießen deshalb große Anerkennung.
Alles für das Tier?
Morgens um acht kommt der erste Patient. Karli frisst nicht mehr, sehr zur Sorge von Besitzerin Lisa. Der Tierarzt kann die Achtjährige trösten: Ihr kleiner Hamster leidet an Pasteurellose, dem so genannten Kaninchenschnupfen. Das ist nicht gefährlich; nach einer Antibiotikabehandlung wird Karli bald wieder fit sein.Den Menschen im Blick
Szenen wie diese bestimmen heute das Bild des Tierarztes. Rührend kümmert der sich um seine vierbeinigen, gefiederten oder schwimmenden Patienten. Und hat dabei immer auch den Menschen im Blick: Dessen Verhältnis zu seinem Liebling ist häufig sehr emotional - und derjenige, der Karli, Rex und Co. von ihren Leiden heilt, genießt große Anerkennung. Das war nicht immer so. Zwar bemüht sich der Mensch, seit er Haustiere sein eigen nennt, diese zu pflegen, ihre Verletzungen zu heilen und Krankheiten zu vermeiden. Doch "gab es in der Geschichte des Abendlandes wohl keine Periode, die so viel Sensibilität für das Tier aufbrachte, wie es heute der Fall ist", schreibt Angela von den Driesch in ihrem Buch Geschichte der Tiermedizin.
Größtmöglicher Nutzen
Von Beginn an war das vorrangige Ziel der Tierheilkunde, die Tiere in einem Zustand zu erhalten, in welchem sie ihrem Halter größtmöglichen Nutzen brachten. Die Anfänge der Tiermedizin gehen wahrscheinlich schon auf die Zeit vor etwa fünftausend Jahren zurück, auf den Umgang der Hirten mit Rindern, Ziegen und Schweinen. Aus dem alten Ägypten sind Berichte über Geburtshilfe und Kastrationen bei Tieren überliefert. Neben Hirten befassten sich vor allem Priester mit der Behandlung von Tieren. In ihrer Obhut befanden sich Tempeltiere, für deren Wohlergehen sie zu sorgen hatten. Im Ritual untersuchten die Priester zudem Opfertiere auf krankhafte Befunde - wie zum Beispiel Haut- und Fellveränderungen, Augenkrankheiten oder Infektionen von Leber, Lunge und Eingeweiden. Das trug zur medizinischen Bildung, zum Erkennen und Klassifizieren diverser Krankheiten bei.
Handbuch für den "Pferd- und Vieharzt", aus der Feder von Peter C. Abildgaard, dem Gründer der veterinärmedizinischen Hochschule in Kopenhagen (1817).
Hoher Kenntnisstand
In der Antike war Hippokrates (um 460 bis 370 v. Chr.) einer der Ersten, der Sektionen an Tieren vornahm. In der Folgezeit entstanden zahlreiche tiermedizinische Abhandlungen, die von hohem Kenntnisstand im Bereich der Anatomie zeugen. In der Spätantike, zwischen dem dritten und fünften Jahrhundert, erlebte die Veterinärmedizin eine Blütezeit. Das tiermedizinische Interesse hatte sich auf die für Handel, Transport und Kriegsführung so wichtigen Pferde verlegt, deshalb waren Lehranstalten für Pferdeärzte weit verbreitet. Die meisten Tierärzte waren gleichzeitig auch "normale" Ärzte, ihre Methoden, Therapien und Instrumente häufig der Humanmedizin entlehnt.
Gebete und Beschwörungen
Mit dem Niedergang des Römischen Reiches verebbte auch der wissenschaftliche Forscherdrang. Unter dem Einfluss des Christentums wurden Krankheiten - von Mensch und Tier - mehr und mehr als von der Vorsehung verhängtes Schicksal angesehen. Nur wenige tiermedizinische Abhandlungen existieren aus der Zeit des Mittelalters; erhaltene Schriften widmen sich vornehmlich den Tieren der Ritter, wie Pferden, Hunden und Falken. Sie konzentrieren sich häufig auf Arzneien, und auf Gebete oder Beschwörungsformeln...
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