Schädling oder Sündenbock?
Nachdem er fast ausgerottet war, sicherten strenge Artenschutzregeln das Überleben des Kormorans. Zu Zehntausenden nistet der Wasservogel nun wieder in Deutschland. Doch nicht jeder heißt ihn willkommen.Da sein Gefieder beim Tauchen nass wird, lässt es der Kormoran mit ausgebreiteten Flügeln trocknen. (Bild: NABU/F. Möllers)
Umstrittene Wahl
Auf diesem Hintergrund begrüßt nicht jeder die Wahl des Kormorans zum "Vogel des Jahres 2010". Gemeinsam mit dem Bayrischen Landesbund für Vogelschutz (LBV) verleiht der Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) jährlich diesen Titel, um auf Probleme, etwa die Gefährdung einer Art durch Begrenzung des Lebensraumes, aufmerksam zu machen. In den Augen von Fischern und Teichwirten ist jedoch nicht der Kormoran in Gefahr, sondern ihre Existenz. So sei der Vogel inzwischen häufiger und weiter verbreitet als vor 250 Jahren. Und mit den Kolonien wuchs auch der Nahrungsbedarf des Fischfressers.
Fisch vs. Vogel
Unglücklicherweise hat sich der Fischbestand nicht vergleichsweise positiv entwickelt - im Gegenteil stehen viele Arten auf der so genannten Roten Liste. Doch ist dafür allein der Kormoran verantwortlich? Naturschützer sehen die Ursache hauptsächlich im schlechten ökologischen Zustand vieler Flüsse. Wie Untersuchungen ergaben, ist vor allem die Zahl strömungsliebender und im Kies laichender Kaltwasserfische, etwa der Äsche, stark rückläufig. In Gewässern mit steigender Temperatur und zunehmender Verschlammung, mit aufgestauten Gewässerabschnitten, verbauten Ufern und fehlender Deckung sind die Fische auf Dauer nicht überlebensfähig.
Sein schwarzes Federkleid gab ihm den Namen: Kormoran ist vom lateinischen Corvus marinus (Meerrabe) abgeleitet.
(Bild: NABU/F. Möllers)
(Bild: NABU/F. Möllers)
Aus "Gründen des Artenschutzes" fordern Fischereiverbände dennoch die Regulierung des Kormoranbestandes. Nicht ganz uneigennützig, stehen dahinter ja vor allem Nutzungsinteressen: Wenn ein hungriger Schwarm Kormorane über eine Teichwirtschaft herfällt, kann er großen wirtschaftlichen Schaden anrichten - der tägliche Nahrungsbedarf eines Kormorans liegt bei rund vierhundert Gramm Fisch. Und auf Jagd gehen nicht bloß die den Bestand definierenden Brutpaare. Rechnet man die Jungvögel mit, verdreifacht sich die Zahl der Kormorane.
Erneut auf der Abschussliste
Auf Druck der Fischer haben fast alle Bundesländer inzwischen Ausnahmegenehmigungen, so genannte Kormoran-Verordnungen, erlassen, die es Kormorangegnern erlauben, die Vögel erneut gezielt zu verfolgen - unabhängig von einem Schadensnachweis an Fischbeständen sogar in Natur- und Vogelschutzgebieten. Nach Angaben des NABU werden in Deutschland jährlich bereits wieder 15.000 Kormorane abgeschossen sowie eine Vielzahl ihrer Eier zerstört.
Verscheuchen statt töten
Eben dieses Vorgehen prädestiniere den Kormoran zum Vogel des Jahres, begründen die Naturschützer ihre Wahl und plädieren für eine zeitgemäße Lösung des Problems ohne Bestandsmanagement und Jagdquoten. Vor allem für Teichwirtschaften, deren Schaden durch den Fischräuber, wie auch der NABU zugesteht, tatsächlich beträchtlich sein kann, gebe es geeignete Alternativen, etwa das Überspannen der Gewässer mit breitmaschigen Drahtnetzen oder das Verscheuchen der Tiere mittels akustischer Reize.
Ulrike Wolf (17.02.2010)
Dieser Artikel gehört zum Thema
| Wasservögel | ![]() |
Infobox
Geschickter Jäger
Zur Familie der Phalacrocoracidae ("Kormorane") zählen weltweit rund vierzig Arten. Innerhalb Europas werden zwei Rassen unterschieden: der "atlantische Kormoran" Phalacrocorax carbo carbo und die "Festlandsrasse" Phalacrocorax carbo sinensis. Außerhalb Europas erstreckt sich das Verbreitungsgebiet des Kormorans über einige Küsten Afrikas wie auch Asiens und reicht im Norden über Grönland bis an die Ostküste des amerikanischen Kontinents. In Deutschland besiedelt der Kormoran Flüsse und Seen des Binnenlandes sowie die Küsten von Nord- und Ostsee.
Der Kormoran gehört zur Ordnung der Ruderfüßler, zusammen mit Pelikan und Basstölpel. Gemeinsam ist ihnen eine Schwimmhaut an den Füßen, die alle vier Zehen, auch die Hinterzehe, umfasst. Damit kann der Kormoran hervorragend schwimmen und tauchen. Dabei paddelt er nur mit den Füßen und hält diese dicht zusammen, damit sie als einheitliches Ruder wirken. Gesteuert wird mit dem Schwanz. Der Kormoran kann bis zu neunzig Sekunden unter Wasser bleiben und dabei in Tiefen von bis zu dreißig Metern vorstoßen.
Auffällig sind das schwarze Gefieder, das in der Sonne metallisch glänzt, sowie die strahlend grünen Augen. Der Kormoran ist bis zu knapp einem Meter lang und wiegt zwischen 1.700 und 3.000 Gramm. Seine Flügel haben eine Spannweite von bis zu anderthalb Meter. Anders als bei Enten wird das Federkleid beim Tauchen nass. Nach den Tauchgängen muss der Kormoran deshalb sein mit Wasser voll gesogenes Gefieder von Sonne und Wind trocknen lassen und nimmt dafür eine charakteristische Haltung mit weit ausgebreiteten Flügeln auf einem Ruheplatz ein.
Der Kormoran frisst fast ausschließlich Fische - bevorzugt Exemplare von zehn bis zwanzig Zentimeter Länge - und taucht gern in Gemeinschaft nach Nahrung. Er lebt in Kolonien von bis zu mehreren hundert Tieren, wo die Paare gemeinsam drei bis vier Eier in ihren meist auf hohen Bäumen angelegten Nestern ausbrüten. Die Küken schlüpfen nach 23 bis 29 Tagen. Ihre Nestlingszeit beträgt sechs bis sieben Wochen. Erst im Alter von zwei Monaten ist der Nachwuchs voll flugfähig.
Der Kormoran gehört zur Ordnung der Ruderfüßler, zusammen mit Pelikan und Basstölpel. Gemeinsam ist ihnen eine Schwimmhaut an den Füßen, die alle vier Zehen, auch die Hinterzehe, umfasst. Damit kann der Kormoran hervorragend schwimmen und tauchen. Dabei paddelt er nur mit den Füßen und hält diese dicht zusammen, damit sie als einheitliches Ruder wirken. Gesteuert wird mit dem Schwanz. Der Kormoran kann bis zu neunzig Sekunden unter Wasser bleiben und dabei in Tiefen von bis zu dreißig Metern vorstoßen.
Auffällig sind das schwarze Gefieder, das in der Sonne metallisch glänzt, sowie die strahlend grünen Augen. Der Kormoran ist bis zu knapp einem Meter lang und wiegt zwischen 1.700 und 3.000 Gramm. Seine Flügel haben eine Spannweite von bis zu anderthalb Meter. Anders als bei Enten wird das Federkleid beim Tauchen nass. Nach den Tauchgängen muss der Kormoran deshalb sein mit Wasser voll gesogenes Gefieder von Sonne und Wind trocknen lassen und nimmt dafür eine charakteristische Haltung mit weit ausgebreiteten Flügeln auf einem Ruheplatz ein.
Der Kormoran frisst fast ausschließlich Fische - bevorzugt Exemplare von zehn bis zwanzig Zentimeter Länge - und taucht gern in Gemeinschaft nach Nahrung. Er lebt in Kolonien von bis zu mehreren hundert Tieren, wo die Paare gemeinsam drei bis vier Eier in ihren meist auf hohen Bäumen angelegten Nestern ausbrüten. Die Küken schlüpfen nach 23 bis 29 Tagen. Ihre Nestlingszeit beträgt sechs bis sieben Wochen. Erst im Alter von zwei Monaten ist der Nachwuchs voll flugfähig.



