Tollpatsch mit Pfiff
Die majestätische Würde des Löwen, die schlanke Eleganz der Giraffe, oder des Kolibris Exotik - nein, all das hat der Pinguin nicht. Dennoch ist dieser Vogel in den Zoos der Welt ein Publikumsmagnet."Wenn es Winter wird in der gnadenlosen Eiswüste der Antarktis, nimmt eine bemerkenswerte Reise ihren Lauf. Tausende von Kaiserpinguinen verlassen die tiefblaue Sicherheit der Meere, klettern auf das Packeis und machen sich auf den langen Weg in eine Region, die so trostlos und so extrem ist, dass zu dieser Jahreszeit keine andere Lebensform dort existieren kann."
Sie geizt nicht mit Dramatik, die Werbung zum Film Die Reise der Pinguine aus dem Jahr 2005. Weltweit lockte die Dokumentation des französischen Tierfilmers Luc Jacquet Millionen begeisterte Zuschauer ins Kino.
Angenommene Tollpatschigkeit
Wieso sind Groß und Klein so fasziniert von den flugunfähigen, dafür aber lustig dahinwatschelnden Vögeln? Vor allem rührt die Sympathie daher, dass ihnen menschliche Attribute angedichtet werden, beispielsweise ihr scheinbar unbeholfener Gang, der nicht einer gewissen Komik entbehrt, oder ihre Federzeichnung, die an ein vornehmes Kleidungsstück erinnert, das allerdings so gar nicht zur angenommenen Tollpatschigkeit der Tiere passen will.
Kältespezialisten
Doch handelt es sich bei solcher Sympathie um eine oberflächliche Gunst. Denn bewundert werden sollten Pinguine vor allem wegen ihrer perfekten Anpassung an einen der unwirtlichsten Lebensräume unseres Planeten. So machen Temperaturen von durchschnittlich minus zwanzig Grad Celsius den kleinen Kältespezialisten nichts aus. Schutz bieten eine zwei bis drei Zentimeter dicke Fettschicht unter der Haut sowie ein dichtes Federkleid, durch das keine Körperwärme nach außen dringt.
Gilt als eine der unwirtlichsten Gegenden der Welt: die Antarktis.
Zur Wärmeisolation dichten Pinguine ihr Gefieder zusätzlich mit einem Gemisch aus Öl und Wachs aus einer körpereigenen Öldrüse ab, so dass Schnee und Wasser ihnen nichts anhaben können. Daneben schützt ein hochentwickeltes Wärmetauschersystem in Flossen und Beinen vor gefährlichen Wärmeverlusten: das Blut aus den Arterien gibt einen Teil der Wärme an das kühlere, in den Körper zurück strömende Blut in den Venen ab.
Optimale Anpassung
Nahrungsquelle der Pinguine ist das Meer, wo sie Fische oder kleine Krebstiere, wie zum Beispiel Krill, jagen. Unter Wasser wird die optimale Anpassung der Vögel an ihre Umwelt am deutlichsten - hier verbringen sie fast zwei Drittel der Lebenszeit. Jede der 17 Pinguinarten hat das Fliegen aufgegeben, die Flügel wurden zu Flossen, mit denen die geschickten Schwimmer auf bis zu 25 Stundenkilometer beschleunigen können.
Auf Landgang: Um aus dem Wasser aufs Eis zu gelangen, beweisen Pinguine sogar ungeahnte Sprungfähigkeiten.
Beim Tauchen kommt ihnen die spezielle Knochenstruktur zugute: anders als ihre fliegenden Verwandten besitzen Pinguine keine hohlen Röhren-, sondern mit Knochenmark gefüllte Knochen. Das schwere Skelett verhindert den Auftrieb im Wasser und schützt in großen Tiefen vor steigendem Wasserdruck. Ihr torpedoförmiger Körper macht sie unter Wasser erstaunlich agil und erlaubt den Pinguinen hohe Geschwindigkeiten mit extrem niedrigem Energieaufwand.
Landgänge unentbehrlich
Betrachtet man die Fortbewegung der Tiere an Land, scheint die kompromisslose Antwort der Evolution auf die Anforderungen des Lebensraums aber auch Nachteile zu haben. Nur bleiben den Pinguinen Landgänge zur Pflege des Gefieders, zur Paarung und zur Aufzucht des Nachwuchses nicht erspart. Dabei hat sich allerdings jene Gangart, die uns so unbeholfen erscheint, als die Effizienteste erwiesen: das Watscheln. Denn für alles, was Pinguine anstellen, gilt: Nur keine Energie verschwenden...
Ulrike Wolf (aktualisiert 24.02.2010)
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Die Familie der Pinguine...
umfasst siebzehn Arten in sechs Gattungen. Langschwanzpinguine (Pygoscelis) gibt es in drei Arten: den Eselspinguin (P. papua), den Adéliepinguin (P. adeliae) und den Zügelpinguin (P. antarctica). Zu den Großpinguinen (Aptenodytes) zählen der Königspinguin (A. patagonicus) und der Kaiserpinguin (A. forsteri). Beide Arten besitzen einen langen, leicht gekrümmten Schnabel sowie einen charakteristischen orangefarbenen Fleck am Hals. Sie bauen kein Nest, sondern brüten das einzige Ei auf den Füßen aus.
Die größte Artenvielfalt umfassen die Schopfpinguine (Eudyptes). Trotz ihrer Verschiedenheit sind alle am gelb-orangenen Federschmuck zu erkennen. Die Gattungen der Gelbaugenpinguine (Megadyptes) und der Zwergpinguine (Eudyptula) enthalten jeweils nur eine Art. Sie leben in den Gewässern Australiens und Neuseelands. Brillenpinguine (Spheniscus) fühlen sich in nördlich gelegenen Gebieten ebenso zuhause wie in tropischen Regionen.
umfasst siebzehn Arten in sechs Gattungen. Langschwanzpinguine (Pygoscelis) gibt es in drei Arten: den Eselspinguin (P. papua), den Adéliepinguin (P. adeliae) und den Zügelpinguin (P. antarctica). Zu den Großpinguinen (Aptenodytes) zählen der Königspinguin (A. patagonicus) und der Kaiserpinguin (A. forsteri). Beide Arten besitzen einen langen, leicht gekrümmten Schnabel sowie einen charakteristischen orangefarbenen Fleck am Hals. Sie bauen kein Nest, sondern brüten das einzige Ei auf den Füßen aus.
Die größte Artenvielfalt umfassen die Schopfpinguine (Eudyptes). Trotz ihrer Verschiedenheit sind alle am gelb-orangenen Federschmuck zu erkennen. Die Gattungen der Gelbaugenpinguine (Megadyptes) und der Zwergpinguine (Eudyptula) enthalten jeweils nur eine Art. Sie leben in den Gewässern Australiens und Neuseelands. Brillenpinguine (Spheniscus) fühlen sich in nördlich gelegenen Gebieten ebenso zuhause wie in tropischen Regionen.
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Optimal angepasst
Für den harten Kampf ums Überleben im unwirtlichen Lebensraum der Antarktis rüstete die Natur den Pinguin in Jahrmillionen der Evolution optimal aus, zum Beispiel mit einer der besten Stromlinienformen der Tierwelt. Für Bioniker ist er deshalb ein ideales Untersuchungsobjekt.
Wie Forscher der TU Berlin nach jahrelangen Beobachtungen herausfanden, übertrifft der Pinguinkörper alles, was menschliche Technik bisher hervorgebracht hat. Sein Strömungswiderstand ist zehnmal geringer als der eines modernen Sportwagens. Aus diesem Grund verbraucht der Pinguin unter Wasser kaum Energie.
In seiner spindelartigen Form erinnert sein Körper an die Form eines U-Boots oder eines Luftschiffs. Doch statt einer gleichmäßigen Breite weist er eine Wellenstruktur auf: dem dünnen Schnabel folgt der runde Kopf, dann der schlankere Hals, gefolgt von einem massigen Körper, der sich zum Becken hin wieder verjüngt.
Diese Form bewirkt, dass die Strömung eng am Körper anliegt und nicht abreißt. Störende und bremsende Wirbel können so gar nicht erst entstehen. Die Forscher versuchen, auf Basis dieser Beobachtungen die Stromlinienform technischer Anwendungen zu optimieren, was deren Energiekosten dramatisch senken würde.
Für den harten Kampf ums Überleben im unwirtlichen Lebensraum der Antarktis rüstete die Natur den Pinguin in Jahrmillionen der Evolution optimal aus, zum Beispiel mit einer der besten Stromlinienformen der Tierwelt. Für Bioniker ist er deshalb ein ideales Untersuchungsobjekt.
Wie Forscher der TU Berlin nach jahrelangen Beobachtungen herausfanden, übertrifft der Pinguinkörper alles, was menschliche Technik bisher hervorgebracht hat. Sein Strömungswiderstand ist zehnmal geringer als der eines modernen Sportwagens. Aus diesem Grund verbraucht der Pinguin unter Wasser kaum Energie.
In seiner spindelartigen Form erinnert sein Körper an die Form eines U-Boots oder eines Luftschiffs. Doch statt einer gleichmäßigen Breite weist er eine Wellenstruktur auf: dem dünnen Schnabel folgt der runde Kopf, dann der schlankere Hals, gefolgt von einem massigen Körper, der sich zum Becken hin wieder verjüngt.
Diese Form bewirkt, dass die Strömung eng am Körper anliegt und nicht abreißt. Störende und bremsende Wirbel können so gar nicht erst entstehen. Die Forscher versuchen, auf Basis dieser Beobachtungen die Stromlinienform technischer Anwendungen zu optimieren, was deren Energiekosten dramatisch senken würde.




