Hilfe, Wildschweine!
Dem normalerweise scheuen und ängstlichen Tier haftet der Ruf an, es sei unberechenbar. Auch deshalb ist der mittlerweile vermehrte Kontakt zwischen Menschen und Wildschweinen nicht einfach.Wildschweine auf der Suche nach Futter im Waldboden: So gut wie hier lassen sie sich selten beobachten - für gewöhnlich sind Wildschweine sehr scheu.
"Schießt mehr Frischlinge!"
Seit Jahren horchen die auf, wenn es ums Wildschwein geht, denn an Jäger werden immer schärfere Forderungen gestellt: "Schießt mehr Frischlinge!", verlangte zum Beispiel Ende Oktober 2008 Eckhard Uhlenberg, Landwirtschaftsminister von Nordrhein-Westfalen. Das Wildschwein soll gefährlich leben. Doch vor dem nächsten plakatreichen Proteststurm auf den Wald lohnt ein Blick in die Statistik.
Vermehrungsrate bis 400 Prozent
Tatsächlich geht es den Schwarzkitteln so gut wie seit mindestens einhundert Jahren nicht mehr. Genaue Bestandsgrößen sind schwer zu ermitteln, da sich Wildschweine nicht gerne zeigen. Doch aus Abschüssen, Sichtungen und Verkehrsunfällen schlussfolgern Biologen, dass sich das Schwein momentan mit einer Vermehrungsrate von 250 bis 400 Prozent pro Jahr fortpflanzt. "Das ist keine Zunahme der Population, sondern eine Bestandsexplosion", zitiert DIE ZEIT den Wildschweinexperten Hannes Geisser.
Im Wildschwein-Paradies
Grund ist der Klimawandel: Dank schneefreier Winter und ganzjährig milder Temperaturen produzieren Bäume Samen im Überfluss und machen den Wald zum Schlaraffenland. So überleben nahezu alle Frischlinge ihr erstes Lebensjahr. Damit nicht genug, zeigen sich auch die Bauern großzügig, die jedes Jahr mehr Mais anbauen. Süßer Mais ist kulinarischer Höhepunkt auf dem Wildschwein-Speisezettel. Eine Rotte grunzender Feinschmecker kann in einer einzigen Nacht ein ganzes Feld unbrauchbar machen.
Der Wald wird eng
Mais löst bei Wildschweinen zudem Fortpflanzungsschübe aus. Jungtiere werden schneller geschlechtsreif, die Reproduktionsrate - ohnehin schon die höchste aller Säugetiere in der Gewichtsklasse über einhundert Kilogramm - steigt weiter an. Das bleibt nicht ohne Folgen: Einerseits nehmen Wildschäden Jahr für Jahr zu, andererseits starben allein 2007 mehr als 16.000 Wildschweine auf deutschen Straßen - Tendenz steigend. Zudem finden die Schweine ihren Wald zu eng: immer öfter sichten Anwohner ganze Rotten in Vororten und Städten.
Grunzende Gesellschaft
Spätestens dann, wenn das Schwarzwild beim abendlichen Grillen im Garten vorbeischaut oder sich Jogger in grunzender Gesellschaft finden, werden Forderungen laut: So tut doch jemand etwas! Der menschliche Lebensraum scheint in Gefahr, Berichte über aggressive Wildschweine machen die Runde. Wer kann die Sauschwemme noch aufhalten? ...
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Wildschweine - die Fakten
Wildschweine (lat. sus scrofa) gehören der Familie der so genannten Echten Schweine (suidae) und der Ordnung der Paarhufer (artiodactyla) an. Sie können in Deutschland 150 Kilogramm schwer werden. Ursprünglich kamen sie nur in Europa und Asien vor, bis sie mit den Europäern auch Nord- und Südamerika sowie Australien erreichten. Aus dem Wildschwein züchtete der Mensch das Hausschwein (sus scrofa domestica). Wildschweine sind Allesfresser und ernähren sich hauptsächlich von Eicheln und Bucheckern, vermehrt auch von Getreide und Mais. Auch Fleisch steht auf ihrem Speiseplan: neben Würmern und Insekten sogar Aas oder Rehkitze.
Wildschweine leben in Rotten, die von einem weiblichen Schwein, der so genannten Leitbache, angeführt werden. Die Gruppe besteht aus weiteren Bachen sowie männlichen und weiblichen Jungtieren (Frischlinge). Mit einem Jahr gelten Jungtiere als Überläufer: Männliche Tiere trennen sich von der Rotte und leben von nun an als einzelgängerische Keiler. Nur zur Paarung kehren Keiler zurück zur Rotte. Entgegen ihrem Ruf sind Wildschweine für Menschen prinzipiell ungefährlich. Statt anzugreifen, fliehen sie gewöhnlich. Vorsicht ist jedoch vor Bachen mit Frischlingen geboten: fühlen sie sich in die Enge getrieben, greifen sie möglicherweise zum Schutz ihrer Jungtiere an.
Wildschweine (lat. sus scrofa) gehören der Familie der so genannten Echten Schweine (suidae) und der Ordnung der Paarhufer (artiodactyla) an. Sie können in Deutschland 150 Kilogramm schwer werden. Ursprünglich kamen sie nur in Europa und Asien vor, bis sie mit den Europäern auch Nord- und Südamerika sowie Australien erreichten. Aus dem Wildschwein züchtete der Mensch das Hausschwein (sus scrofa domestica). Wildschweine sind Allesfresser und ernähren sich hauptsächlich von Eicheln und Bucheckern, vermehrt auch von Getreide und Mais. Auch Fleisch steht auf ihrem Speiseplan: neben Würmern und Insekten sogar Aas oder Rehkitze.
Wildschweine leben in Rotten, die von einem weiblichen Schwein, der so genannten Leitbache, angeführt werden. Die Gruppe besteht aus weiteren Bachen sowie männlichen und weiblichen Jungtieren (Frischlinge). Mit einem Jahr gelten Jungtiere als Überläufer: Männliche Tiere trennen sich von der Rotte und leben von nun an als einzelgängerische Keiler. Nur zur Paarung kehren Keiler zurück zur Rotte. Entgegen ihrem Ruf sind Wildschweine für Menschen prinzipiell ungefährlich. Statt anzugreifen, fliehen sie gewöhnlich. Vorsicht ist jedoch vor Bachen mit Frischlingen geboten: fühlen sie sich in die Enge getrieben, greifen sie möglicherweise zum Schutz ihrer Jungtiere an.



