Obwohl ihre Eckzähne bedrohlich wirken, sind Keiler relativ harmlos. (Illustration: 19. Jahrhundert)
Wildschwein-Hydra
Ganz so einfach ist das jedoch nicht. In der Nähe von Menschen, also da, wo man am lautesten um Hilfe ruft, ist das Jagen verboten. Im Wald aber lässt sich das Wild schwer finden. Zudem sollte der Waidmann nicht einfach das erstbeste unvorsichtige Wildschwein erschießen, das vors Gewehr läuft, denn Wildschweine haben eine empfindliche Sozialstruktur: eine Leitbache, die einmal im Jahr fruchtbar (rauschig) ist, führt die Rotte an. Die so genannte Rauschsynchronität sorgt dafür, dass die anderen Bachen in der Gruppe gleichzeitig empfängnisbereit sind. Wird die Leitbache erschossen, fehlt den anderen Bachen das Vorbild und sie werden sicherheitshalber mehrmals im Jahr rauschig: die Fortpflanzungsrate steigt rapide.
Kirre gemacht
Um einer erschossenen Bache nicht mehrere Dutzend neue Schweine folgen zu lassen, müssen Jäger gezielt Jagd auf Jungtiere machen. Um junge Tiere regelmäßig vor die Flinte zu bekommen, locken sie ganze Rotten mit Futter an, das sie direkt vor ihren Unterständen auslegen. Diese so genannte Kirrung wiederum verteufeln Tierschützer: Sie sei "unfair" und das zusätzliche Futter würde die Wildschweine noch mehr aufpäppeln.
Spürwildschwein Luise - ein zur Drogen- und Sprengstoffsuche ausgebildetes Wildschwein. (Mehr im Kasten rechts)
Die Alternative ist die Drückjagd: Mehrere Treiber gehen in den Wald und treiben die Tiere mit viel Lärm gleichmäßig vor sich her. Auf der anderen Seite des Waldes warten Jäger auf das heran getriebene Wild. Einer solchen Jagd stellten sich die PETA-Aktivisten 2005 trotzig in den Weg. Bleibt dem idealen Jäger also nur, den ganzen Tag durchs Revier zu pirschen und von früh bis spät auf zufällig unvorsichtige Schweine zu lauern. Damit jedoch kann deren Fortpflanzungsrate nicht ausgeglichen werden.
Neue Hoffnung?
Die letzte Möglichkeit klingt für viele, die "Hilfe, Wildschweine!" rufen, erschreckender als Grunzlaute im Dunkeln: der Wolf. Damit hätte das Wildschwein zumindest einen natürlichen Feind. In Sachsen und Brandenburg lebt seit wenigen Jahren wieder eine Handvoll eingewanderter Wolfsrudel. Eine gesunde Wolfspopulation ist jedoch noch in weiter Ferne - und auch nur dann in Aussicht, wenn nicht vorher wieder viele "Hilfe, Wölfe!" rufen.
Christian Fleck (18.11.2008)
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Ein Schwein im Polizeidienst
Spürwildschwein - so lautete die offizielle Bezeichnung für ein ungewöhnliches "Einsatzmittel" der Polizei Niedersachsen. Von 1984 bis 1987 war dort ein Wildschwein namens Luise im Dienst der Drogen- und Sprengstofffahndung. Dass Schweine eine feine Nase haben, ist schon lange bekannt - damit finden sie Nahrung im Waldboden. Polizeihauptkommissar Werner Franke kam Mitte der 1980er Jahre auf die Idee, die Nase der Schweine auch für die Suche nach Drogen und Sprengstoffen einzusetzen.
Franke bildete normalerweise Polizeihunde aus, bemerkte aber, dass Hunde bei warmem Wetter hecheln und nicht weitersuchen können. Luise konnte nach ihrem Training zwar Drogen und Sprengstoffe auch in heißer Umgebung suchen, ihre Körperfülle (150 Kilogramm) begrenzte aber ihre Verwendungsfähigkeit. Obwohl Luise nur viermal zum Einsatz kam (zweimal erfolgreich), erlangte sie durch Presseberichte eine gewisse Berühmtheit, zudem verschaffte sie der Polizei einen nicht unerheblichen Imagegewinn.
Spürwildschwein - so lautete die offizielle Bezeichnung für ein ungewöhnliches "Einsatzmittel" der Polizei Niedersachsen. Von 1984 bis 1987 war dort ein Wildschwein namens Luise im Dienst der Drogen- und Sprengstofffahndung. Dass Schweine eine feine Nase haben, ist schon lange bekannt - damit finden sie Nahrung im Waldboden. Polizeihauptkommissar Werner Franke kam Mitte der 1980er Jahre auf die Idee, die Nase der Schweine auch für die Suche nach Drogen und Sprengstoffen einzusetzen.
Franke bildete normalerweise Polizeihunde aus, bemerkte aber, dass Hunde bei warmem Wetter hecheln und nicht weitersuchen können. Luise konnte nach ihrem Training zwar Drogen und Sprengstoffe auch in heißer Umgebung suchen, ihre Körperfülle (150 Kilogramm) begrenzte aber ihre Verwendungsfähigkeit. Obwohl Luise nur viermal zum Einsatz kam (zweimal erfolgreich), erlangte sie durch Presseberichte eine gewisse Berühmtheit, zudem verschaffte sie der Polizei einen nicht unerheblichen Imagegewinn.



