Kraniche im Schnee: Immer früher kehren viele Zugvögel zurück. Spüren sie schon den Klimawandel?
Herbststürme und Regengüsse
Doch weder wunderliche Theorien noch Hightech- Zugvogelforschung bringen unseren Kuckuck schneller an sein Ziel. Nur langsam, in Etappen von maximal einhundert Kilometern, kommt er voran. Er fliegt vorwiegend nachts und in den frühen Abendstunden. Immer wieder muss er pausieren, um zu fressen oder um Herbststürmen und Regengüssen auszuweichen. Nach vier Tagen ist die deutsch-französische Grenze erreicht.
Erschossene Artgenossen
Was der Kuckuck nicht weiß, hier wartet sein größter Feind: der Mensch. Millionen Zugvögel werden in Frankreich, Italien und England Jahr für Jahr erlegt, um als ausgestopfte Trophäen oder als kulinarische Leckerbissen zu enden. Tatsächlich stürzen seine erschossenen Artgenossen tausendfach vom Himmel - der Vogelzug im frühen Herbst eröffnet die Jagdsaison. Einige Zugvogelarten, zum Beispiel der Weißstorch, sind in ihrem Bestand gefährdet. Doch der Kuckuck hat Glück, vorerst. Knapp bevor der junge Vogel den Altantik erreicht, dreht er nach Süden, um nicht auf den Ozean zu geraten. Er wählt die kürzeste Route über das Mittelmeer: den Weg über die Straße von Gibraltar. In Hochzeiten kreuzen Millionen Zugvögel die schmale Passage zwischen den Kontinenten.
Sand und sengende Sonne
Etwa fünfhundert Kilometer südlich der afrikanischen Mittelmeerküste erstreckt sich die Sahara. Für den kleinen Kuckuck wird die bis zu dreitausend Kilometer breite Sandbarriere zur fast unüberwindlichen Hürde. Seine Fettreserven sind nahezu aufgebraucht, in der sengenden Sonne muss er immer wieder rasten und sich ein schattiges Plätzchen suchen. Die Etappen werden kürzer, Hitze, Wassermangel und unberechenbare Winde zehren an den Kräften des Kuckucks. Er kommt kaum voran, glücklicherweise findet er eine Oase, sie rettet ihn vor dem sicheren Tod.
Im Schlaraffenland
Für viele Zugvögel ist die Sahara unfreiwillige Endstation ihrer Reise. Kurz vor dem Ziel müssen sie in der erbarmungslosen Hölle aus Sand kapitulieren. Erst seit kurzem interessieren sich Forscher für diese kritische Etappe der Vogelzüge. Bis dahin nahm man an, dass Vögel sie im Non-Stop-Flug überwinden. Ein Irrtum! Doch auf die Qualen der Wüste folgt endlich das Schlaraffenland: Nach über achttausend Kilometern und mehr als zwei Monaten Flugzeit hat unser Kuckuck sein Ziel erreicht. In einer Savanne im Süden Afrikas wird er die nächsten Monate verbringen, sich kugelrund fressen am reichhaltigen Insektenbuffet. Fast drei Monate wird er hier bleiben, bevor er die Heimreise antritt - immer dem Sommer nach, Richtung Norden.
Anika Mellin (27.03.2009)
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Zu spät?
Der lange Aufenthalt in Afrika könnte dem Kuckuck zum Verhängnis werden. Zwar gibt ihm die innere Uhr zuverlässig das Signal, wieder heimwärts zu ziehen, doch den Klimawandel berücksichtigt sie nicht. Globale Erwärmung könnte dazu führen, dass der Kuckuck hierzulande bald nur noch in hübschen Schwarzwaldregulatoren heimisch ist. Denn die Verschiebung der Jahreszeiten beeinflusst Paarungs- und Brutverhalten vieler einheimischer Standvögel, also jenen, die den Winter nicht in wärmeren Gefilden verbringen. Wenn sie ihre Eier ablegen, ist der Kuckuck noch auf dem Heimweg. Genau das könnte sein Verhängnis sein: Falls er nicht rechtzeitig zurückkommt, gibt es keine Nester mehr, in die er seine Kuckuckseier legen kann.
Der lange Aufenthalt in Afrika könnte dem Kuckuck zum Verhängnis werden. Zwar gibt ihm die innere Uhr zuverlässig das Signal, wieder heimwärts zu ziehen, doch den Klimawandel berücksichtigt sie nicht. Globale Erwärmung könnte dazu führen, dass der Kuckuck hierzulande bald nur noch in hübschen Schwarzwaldregulatoren heimisch ist. Denn die Verschiebung der Jahreszeiten beeinflusst Paarungs- und Brutverhalten vieler einheimischer Standvögel, also jenen, die den Winter nicht in wärmeren Gefilden verbringen. Wenn sie ihre Eier ablegen, ist der Kuckuck noch auf dem Heimweg. Genau das könnte sein Verhängnis sein: Falls er nicht rechtzeitig zurückkommt, gibt es keine Nester mehr, in die er seine Kuckuckseier legen kann.



