Freie Fahrt!?
Die deutschen Fernverkehrsstraßen sind nicht gerade im besten Zustand - und meist so stark befahren, dass Träume von ungetrübtem Fahrspaß und Geschwindigkeitsrekorden an der asphaltgrauen Realität zerplatzen.Unfälle, lange Baustellen und spontane Störungen setzen der freien Fahrt meist ein jähes Ende.
Allein auf weiter Flur
Doch, Tausende haben dieselbe Idee. Selten meldet der Verkehrsfunk "staufrei". Entweder quält sich der verhinderte Raser hinter LKWs her oder schwimmt im trägen Verkehrsstrom mit. Leere Fahrspuren kann man heute nur noch in Skandinavien erleben. Ältere erinnern sich vielleicht noch an die wenig befahrenen, holprigen Plattenpisten der ehemaligen DDR.
Noch weniger Verkehr herrschte allerdings auf der ersten Autobahn: Fast niemand besaß einen Wagen, als die zwanzig Kilometer lange Kraftwagenstraße Köln-Bonn - heute heißt sie A 555 - am 6. August 1932 ihren Betrieb aufnahm. Der Kölner Bürgermeister Konrad Adenauer eröffnete die von der Rheinischen Provinzregierung gebaute Strecke.
Ein Prinz gibt Gas
Der Vorläufer der A 555 war eine Test- und Rennstrecke für Reiche, aus Privatvermögen finanziert: 1909 gründete Prinz Heinrich von Preußen die Automobil-Verkehrs- und Übungs-Strecken-Gesellschaft (AVUS). Der Bruder Kaiser Wilhelms II., ein Auto-Narr, hatte drei Jahre später das nötige Kleingeld beisammen, um sein Projekt umzusetzen: Etwa zehn Kilometer Strecke baute die Gesellschaft noch vor dem Ersten Weltkrieg, der dann die Arbeiten fürs Erste stilllegte.
Keine öffentlichen Mittel
Der Bau von Nur-Autostraßen, wie Befürworter sie nannten, blieb in der Weimarer Republik das Metier privater Autofreunde und ihrer industriellen Förderer. Die Regierung war dagegen skeptisch und wollte keine Mittel für solche Bauvorhaben herausrücken. Die waren für den öffentlichen Verkehr in Deutschland ohnehin unbedeutend, denn anders als in den USA konnte ein Großteil der Bevölkerung keinen privaten PKW sein Eigen nennen.
Nachhaltiger Propaganda-Erfolg der Regierung Hitler: die Reichsautobahnen. (Bild: Deutsches Historisches Museum)
Ein 1926 gegründeter Verein strebte eine Autobahnverbindung zwischen Hamburg, Frankfurt und Basel an und nannte sich daher HAFRABA. Später dachten die Mitglieder an ein Autobahn-Netz quer durchs Deutsche Reich. KPD und NSDAP, die 1930 zusammen die Mehrheit im Reichstag besaßen, sprachen sich jedoch gegen weitere Pläne der HAFRABA aus: Die Autobahnen, wie sie ein Professor Robert Otzen aus Hannover 1929 taufte, passten als Verkehrswege der Reichen nicht ins ideologische Bild einer klassenlosen Gesellschaft.
Prestigeobjekt des Hitler-Regimes
Nur drei Jahre später kamen sie Adolf Hitler aber wie gerufen: Der Technik-Enthusiast erkannte den propagandistischen Wert des Autobahnbaus und führte die als "jüdisch-großkapitalistisch" diffamierte HAFRABA in die Gesellschaft zur Vorbereitung der Reichsautobahnen alias GEZUVOR über. Unter Leitung von Dr. Fritz Todt nahm eines der größten Prestigeprojekte des Hitler-Regimes Gestalt an.
Die stetig wachsenden Betonstreifen waren etwas Sensationelles und Neuartiges. Fachwelt und Ausland bewunderten den deutschen Autobahnbau. 1938 waren bereits dreitausend Kilometer fertig gestellt. Nach deutschem Vorbild baute man in den USA zwanzigmal soviel. Im Krieg fielen die Deutschen bald zurück: 1942 kamen die Bauarbeiten zum Erliegen. Als das Militär vor den Alliierten floh, sprengte es außerdem die meisten Brücken, um dem Gegner das Vorwärtskommen zu erschweren.
Im Januar 1943 feiert Hitlers Regime mit KdF-Wagen auf der Autobahn "10 Jahre nationalsozialistische Aufbauarbeit" - da ist der Ausbau der Schnellstraßen wegen des Krieges längst eingestellt. (Bild: Bundesarchiv; Lizenz: CreativeCommons)
Doch weniger als zehn Jahre nach Kriegsende waren alle Strecken wieder befahrbar, und schon 1948 plante man Neubauten. Das rasante Wirtschaftswachstum verlieh dem westdeutschen Autobahnbau neuen Schwung: Die Regierung erneuerte nicht nur die alten Reichsautobahnen, sondern investierte kräftig in den Ausbau des Straßennetzes, über das nun immer mehr motorisierte Bundesbürger in ihren Volkswagen rollten. 1955 begann der Bau des ersten Teilstücks der Autobahn Nürnberg-Frankfurt. 1965 wurde die gute alte A 555 auf sechs Spuren erweitert und erhielt einen Mittelstreifen.
Straßen für die Einheit
In die Breite und in die Länge wuchsen die westdeutschen Autobahnen kontinuierlich, während sich beim klammen Nachbarn wenig tat: Die A 24 zwischen Berlin und Hamburg blieb eines von zwei Neubauprojekten der DDR, das außerdem die Bonner Republik finanzierte, um die Verkehrsanbindung Westberlins aufrecht zu erhalten.
Nach dem Ende der deutschen Teilung musste das ostdeutsche Straßennetz auf Vordermann gebracht werden, um das Zusammenwachsen von Ost und West auch verkehrstechnisch zu befördern. Verkehrsprojekt Deutsche Einheit nannte die Bundesregierung das Programm, mit dem sie 1992 insgesamt 17 Straßen- und Schienenbauprojekte beschloss.
Kein Ende in Sicht...
Der aktuelle Bundesverkehrswegeplan sieht vor, mehr Geld für den Erhalt von Verkehrswegen auszugeben als für den Neubau. Zurzeit verlaufen mehr als 12.000 Kilometer Autobahn durch die Republik. Freie Fahrt? Wohl kaum: Den Fahrgenuss trüben die ewigen Staus. Auch die Einführung der LKW-Maut am 1. Januar 2005 hat die Autobahnen nicht entlastet. Jedoch: Die zusätzlichen Einnahmen will die Bundesregierung in den Ausbau der Verkehrswege investieren. Ein Hoffnungsschimmer für Stau-Hasser?
Markus Hevesi/Thomas Tschepke (aktualisiert 01.06.2010)
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Mythos Autobahn
Um den Bau der Reichsautobahnen rankte sich ein Mythos, der das Projekt zu einem der größten innenpolitischen Erfolge Hitlers stilisierte. Dem Bild der Propaganda widersprechen die Fakten: Die "Straßen des Führers" gingen weder auf dessen Initiative zurück, noch erfüllten sie die hochgesteckten Zielvorgaben: Die mit einfachsten Mitteln ausgeführten Bauarbeiten brachten nur etwa fünf Prozent der Arbeitslosen in Lohn und Brot, die meisten kamen in der wachsenden Rüstungsindustrie unter.
Auch angebliche militärische Zwecke rechtfertigten nicht den Aufwand: Das Militär befürchtete, die hellen Betonstreifen könnten Luftangreifern als Orientierung dienen. Panzer und anderes Kriegsgerät waren außerdem viel zu schwer für den verwendeten Beton und ließen sich schneller und billiger mit der Reichsbahn transportieren. Dass alle "Volksgenossen" auf den Reichsautobahnen im eigenen PKW die Heimat durchquerten, blieb ebenfalls Wunschdenken ihres "Führers": Auf hundert Einwohner kam im Dritten Reich gerade ein Automobil.
Um den Bau der Reichsautobahnen rankte sich ein Mythos, der das Projekt zu einem der größten innenpolitischen Erfolge Hitlers stilisierte. Dem Bild der Propaganda widersprechen die Fakten: Die "Straßen des Führers" gingen weder auf dessen Initiative zurück, noch erfüllten sie die hochgesteckten Zielvorgaben: Die mit einfachsten Mitteln ausgeführten Bauarbeiten brachten nur etwa fünf Prozent der Arbeitslosen in Lohn und Brot, die meisten kamen in der wachsenden Rüstungsindustrie unter.
Auch angebliche militärische Zwecke rechtfertigten nicht den Aufwand: Das Militär befürchtete, die hellen Betonstreifen könnten Luftangreifern als Orientierung dienen. Panzer und anderes Kriegsgerät waren außerdem viel zu schwer für den verwendeten Beton und ließen sich schneller und billiger mit der Reichsbahn transportieren. Dass alle "Volksgenossen" auf den Reichsautobahnen im eigenen PKW die Heimat durchquerten, blieb ebenfalls Wunschdenken ihres "Führers": Auf hundert Einwohner kam im Dritten Reich gerade ein Automobil.
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Entspanntes Vorankommen
Wer stressfrei in den Urlaub starten möchte, sollte sich vorher über An- und Abreise Gedanken machen: Muss ich unbedingt am Wochenende fahren, wenn mehr Autos unterwegs sind? Lohnt es sich, eine etwas längere, dafür weniger befahrene Route zu wählen? Kann ich vielleicht sogar mit Bus und Bahn anreisen?
Für längere Autofahrten sollte auf jeden Fall genügend Essen und Trinken an Bord sein, außerdem Unterhaltung für die Kleinen und wärmende Kleidung oder Decken. Informationen über Staus auf der Strecke gibt es im Verkehrsfunk - Hinhören empfiehlt sich also.
Wer schließlich trotz allen Hoffens und Bangens im Stau steht, sollte Ruhe bewahren. Forschungen ergaben, dass Autofahrer im Stau hohe Stress- und Aggressionslevel erreichen. Ruhige Musik kann zur Entspannung beitragen; von aggressiven und lauten Klängen raten Experten ab.
Gymnastik hinterm Steuer trägt ebenfalls zum Stressabbau bei, also ruhig mal Arme und Beine strecken und ein paar Fingerübungen machen. Gegen Langeweile helfen Hörbücher, Spiele und nette Gespräche mit den Mitreisenden.
Wer stressfrei in den Urlaub starten möchte, sollte sich vorher über An- und Abreise Gedanken machen: Muss ich unbedingt am Wochenende fahren, wenn mehr Autos unterwegs sind? Lohnt es sich, eine etwas längere, dafür weniger befahrene Route zu wählen? Kann ich vielleicht sogar mit Bus und Bahn anreisen?
Für längere Autofahrten sollte auf jeden Fall genügend Essen und Trinken an Bord sein, außerdem Unterhaltung für die Kleinen und wärmende Kleidung oder Decken. Informationen über Staus auf der Strecke gibt es im Verkehrsfunk - Hinhören empfiehlt sich also.
Wer schließlich trotz allen Hoffens und Bangens im Stau steht, sollte Ruhe bewahren. Forschungen ergaben, dass Autofahrer im Stau hohe Stress- und Aggressionslevel erreichen. Ruhige Musik kann zur Entspannung beitragen; von aggressiven und lauten Klängen raten Experten ab.
Gymnastik hinterm Steuer trägt ebenfalls zum Stressabbau bei, also ruhig mal Arme und Beine strecken und ein paar Fingerübungen machen. Gegen Langeweile helfen Hörbücher, Spiele und nette Gespräche mit den Mitreisenden.
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Richtiges Verhalten im Stau
Staus sind immer auch Unfallschwerpunkte, darum noch eine Erinnerung an wichtige Verhaltensregeln im Stau. Beim Heranfahren ans Stauende sollten Kraftfahrer den Warnblinker betätigen, um nachfolgende Verkehrsteilnehmer zu warnen. Außerdem ist es wichtig, Platz zu lassen für Rettungswagen und Polizei. Dafür bleibt zwischen der äußersten linken Fahrspur und der Spur rechts daneben eine Gasse frei.
Auf keinen Fall sollten Autofahrer im Stau ihr Fahrzeug verlassen und herumlaufen. Auch das Benutzen der Rettungsgasse und des Standstreifens für schnelleres Vorwärtskommen ist untersagt, denn solche Praktiken führen immer wieder zu Unfällen oder halten Rettungskräfte unnötig auf! Im Stop-and-Go-Verkehr ist die Gefahr von Auffahrunfällen besonders groß - darum immer ausreichend Abstand halten und nicht unaufmerksam werden.
Verengt sich die Fahrbahn, weil eine Spur endet, heißt es: im Reißverschlussverfahren einfädeln. Beim ordnungsgemäßen Reißverschluss, der leider viel zu selten vorkommt, nutzen Fahrer alle Spuren soweit wie möglich aus und ordnen sich erst direkt an der Verengung in die verbliebene Spur ein.
Staus sind immer auch Unfallschwerpunkte, darum noch eine Erinnerung an wichtige Verhaltensregeln im Stau. Beim Heranfahren ans Stauende sollten Kraftfahrer den Warnblinker betätigen, um nachfolgende Verkehrsteilnehmer zu warnen. Außerdem ist es wichtig, Platz zu lassen für Rettungswagen und Polizei. Dafür bleibt zwischen der äußersten linken Fahrspur und der Spur rechts daneben eine Gasse frei.
Auf keinen Fall sollten Autofahrer im Stau ihr Fahrzeug verlassen und herumlaufen. Auch das Benutzen der Rettungsgasse und des Standstreifens für schnelleres Vorwärtskommen ist untersagt, denn solche Praktiken führen immer wieder zu Unfällen oder halten Rettungskräfte unnötig auf! Im Stop-and-Go-Verkehr ist die Gefahr von Auffahrunfällen besonders groß - darum immer ausreichend Abstand halten und nicht unaufmerksam werden.
Verengt sich die Fahrbahn, weil eine Spur endet, heißt es: im Reißverschlussverfahren einfädeln. Beim ordnungsgemäßen Reißverschluss, der leider viel zu selten vorkommt, nutzen Fahrer alle Spuren soweit wie möglich aus und ordnen sich erst direkt an der Verengung in die verbliebene Spur ein.




