Eigensinniges Gefährt
Ballone ermöglichten es dem Menschen erstmals, sich in die Lüfte zu erheben. Die schwebenden Tropfen allerdings bleiben widerspenstig - etliche Konstrukteure versuchten schon, eine Lenkung zu entwickeln.Der Traum des Menschen, sich in die Lüfte zu erheben, zu fliegen, ging 1783 in Erfüllung. Fast zeitgleich waren zwei unterschiedliche Ballonarten entwickelt worden - der Heißluftballon namens Montgolfiére und der Gasballon Charliére. Ersterer war die "aerostatische Maschine" der Brüder Michel Joseph und Étienne Jacques Montgolfier, im Hauptberuf Papierfabrikanten aus Annonay im Süden Frankreichs. Im Juni 1783 ließen sie erstmals einen aus papierumhüllten Leinensegmenten gefertigten und mit Rauch gefüllten Ballon vom Marktplatz ihrer Heimatstadt aus auf fast zweitausend Meter empor steigen.
Sich überstürzende Ereignisse
Rasch gelangte die Kunde vom geglückten Experiment nach Paris, wo die Königliche Akademie der Wissenschaften den Physikprofessor Jacques Alexandre Cesar Charles damit beauftragte, die Erfindung zu prüfen und einen eigenen Ballon zu konstruieren. Zwischen den Montgolfiers und der Akademie entbrannte daraufhin ein Wettstreit, infolgedessen sich die Ereignisse um die Ballonentwicklung geradezu überstürzten.
Ballonfieber in Europa
Am 27. August 1783 gelang es Professor Charles, seine Erfindung, einen mit Wasserstoff gefüllten Ballon, auf eine Höhe von über tausend Metern steigen zu lassen. Nur drei Wochen später, am 19. September, erhob sich der erste "bemannte" Ballon der Brüder Montgolfier in den Himmel - Passagiere waren ein Hahn, eine Ente und ein Hammel. Mit dem Physiker Pilâtre de Rozier verließ dann am 21. November erstmals ein Mensch in einer Montgolfiére den Boden; am 1. Dezember folgte der bemannte Start mit der Charliére.
Daraufhin entbrannte in ganz Europa ein regelrechtes Ballonfieber. In vielen Städten des Kontinents eiferten Luftfahrtpioniere den Franzosen nach. Hierbei zeichnete sich die Überlegenheit des Gasballons gegenüber dem Heißluftballon ab - für die nächsten anderthalb Jahrhunderte sollte der Luftraum den zuverlässigeren und leistungsfähigeren Charliéren gehören. Mit ihnen ließen sich stundenlange Fahrten unternehmen, während die Fahrtzeit in der Montgolfiére durch den geringen Vorrat an Brennstoff begrenzt war.
Immer mit dem Wind
In ihrer Phantasie sahen sich die Menschen im Ballon bereits ferne Reiseziele erreichen, aber schon die ersten Versuche machten klar: um den Ballon für den Luftverkehr nutzbar zu machen, musste er sich steuern lassen. Doch das eigensinnige Gefährt widersetzte sich weiter hartnäckig dem Willen zahlloser Konstrukteure, die sich über die Jahrzehnte der Lenkbarmachung des Ballons widmeten - und fuhr stets nur dahin, wo der Wind es hintrieb. Ergebnis der Forschungen war die Erfindung eines neuen Luftfahrzeugs - des Zeppelins.
Traum vom Fliegen?
Auch sonst ging die Entwicklung der Luftfahrt, mehr als ein Jahrhundert nach Erfindung des Ballons, mit zügigen Schritten voran. Der erwies sich für den Flugverkehr zwar als ungeeignet, in der militärischen Nutzung und in der Meteorologie konnte er sich allerdings einige Lorbeeren verdienen. Und als Attraktion auf Jahrmärkten oder Volksfesten begeistert der Aufstieg eines Ballons noch immer Groß und Klein.
Am Prinzip des Ballonfahrens hat sich bis heute nichts geändert. Einzig Ausrüstung und Sicherheitsbestimmungen sind heutigen Ansprüchen angepasst worden. Es bleibt wohl dabei: Sobald ein Ballon vom Boden abhebt, bestimmt vor allem der Wind Fahrtrichtung und Landeort. Eine Frage aber stellt sich: Warum erfüllte sich der Traum vom Fliegen erstmals in einem Objekt, das in Wirklichkeit fährt?
Ulrike Wolf (31.05.2005)
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Um die Welt in 20 Tagen
Die erste Erdumrundung im Ballon gelang 1999 Bertrand Piccard und Brian Jones. Der Schweizer Psychiater und der britische Flugingenieur benötigten 19 Tage, 21 Stunden und 55 Minuten, um mit ihrem kombinierten Gas-Heißluftballon namens Orbiter 3 einmal um die Welt zu fliegen/zu fahren.
Zwischen dem Start am 1. März in Genf und der Landung am 21. März in der ägyptischen Wüste legten die Abenteurer insgesamt 45.755 Kilometer zurück. Probleme bereiteten den Ballonfahrern Sperrgebiete (unter anderem fast ganz China), die sie nicht überfliegen durften. Doch die Meteorologen des Genfer Bodenteams navigierten den Ballon gekonnt um diese Gebiete herum.
Über dem Pazifik drohte schließlich das Aus: Nachdem sie in eine Flaute geraten waren, wurde der Brennstoff knapp. Wieder gelang es dem Team am Boden, den Ballon in starke Luftströme, die so genannten Jetstreams, zurückzumanövrieren. In Rekordzeit überquerten Piccard und Jones danach den Atlantik.
2002 stellte der amerikanische Multimillionär Steve Fossett einen neuen Rekord auf: In nur 13 Tagen und zwölf Stunden umrundete er die Erde mit seinem Ballon Spirit of Freedom - und zwar allein. Nach 31.200 Kilometern hatte er es im sechsten Anlauf geschafft - dank günstiger Wetterbedingungen legte er die Strecke in sechs Tagen weniger als geplant zurück.
Die erste Erdumrundung im Ballon gelang 1999 Bertrand Piccard und Brian Jones. Der Schweizer Psychiater und der britische Flugingenieur benötigten 19 Tage, 21 Stunden und 55 Minuten, um mit ihrem kombinierten Gas-Heißluftballon namens Orbiter 3 einmal um die Welt zu fliegen/zu fahren.
Zwischen dem Start am 1. März in Genf und der Landung am 21. März in der ägyptischen Wüste legten die Abenteurer insgesamt 45.755 Kilometer zurück. Probleme bereiteten den Ballonfahrern Sperrgebiete (unter anderem fast ganz China), die sie nicht überfliegen durften. Doch die Meteorologen des Genfer Bodenteams navigierten den Ballon gekonnt um diese Gebiete herum.
Über dem Pazifik drohte schließlich das Aus: Nachdem sie in eine Flaute geraten waren, wurde der Brennstoff knapp. Wieder gelang es dem Team am Boden, den Ballon in starke Luftströme, die so genannten Jetstreams, zurückzumanövrieren. In Rekordzeit überquerten Piccard und Jones danach den Atlantik.
2002 stellte der amerikanische Multimillionär Steve Fossett einen neuen Rekord auf: In nur 13 Tagen und zwölf Stunden umrundete er die Erde mit seinem Ballon Spirit of Freedom - und zwar allein. Nach 31.200 Kilometern hatte er es im sechsten Anlauf geschafft - dank günstiger Wetterbedingungen legte er die Strecke in sechs Tagen weniger als geplant zurück.



