Vorbild mit Rücktritt
Auf sämtlichen Kontinenten ist es verbreitet, gleichermaßen beliebt bei Frauen und Männern, Arm und Reich, Alt und Jung: das Fahrrad. Kein anderes Fortbewegungsmittel ist so billig, flexibel und umweltschonend.Mit dem Rad durch die Stadt: immer mehr Leute steigen in den Sattel, um von A nach B zu gelangen.
Clevere Alternative
Die Zahlen sind überraschend hoch, zumal in einer Stadt, die bis vor kurzem als "Fahrradhölle" verschrien war. Nur zögerlich ging der Ausbau der Radwege in Paris voran; wegen zahlreicher Unfälle trugen Fahrradstreifen lange den Beinamen "Todesstreifen". Wie kommt es also, dass sich plötzlich Zehntausende Pariser in den Sattel schwingen und auf die Straße wagen? Die Antwort ist so einfach wie einleuchtend: Paris erstickt am Verkehr. Die Straßen sind fast ständig verstopft, Busse und Metros hoffnungslos überfüllt. Für die schnelle Fortbewegung in der Stadt, gerade auf kurzen Wegen, ist das Fahrrad das clevere Verkehrsmittel.
Null-Emissionsfahrzeug
Auch in Deutschland denkt man darüber nach, wie die Zukunft des Stadtverkehrs aussehen soll. "Das Idealbild der autogerechten Stadt ist hinter Staub und Lärm verschwunden", bemerkte Claudio Gutteck von der Süddeutschen Zeitung im November 2007. Also sucht die Politik nach Alternativen zur Schadstoffschleuder Automobil - und entdeckt das Fahrrad. Im Zweiten Fahrradbericht verkündete die Bundesregierung 2007 das Ziel, "das Fahrrad als Null-Emissionsfahrzeug stärker in das Bewusstsein der Menschen ... zu rücken und mehr in den Alltag zu integrieren."
Hundert Mal zur Sonne und zurück
Auf den ersten Blick scheint der Drahtesel hierzulande schon gut integriert: fast 67 Millionen Fahrräder gab es laut Statistischem Bundesamt 2006 in Deutschland; die Bundesregierung geht sogar von etwa 73 Millionen Stück aus. Dreißig Milliarden Kilometer radeln die Deutschen im Jahr - das entspricht hundert Mal dem Weg zur Sonne und zurück! Aber: rechnet man den Wert um in individuelle Fahrleistung, so kommt jeder Deutsche auf weniger als einen Kilometer Radstrecke am Tag... Nur neun Prozent ihrer Wege erledigen die Deutschen per Rad. Die Dänen hingegen kommen auf 16, die Holländer gar auf 27 Prozent.
Vorteile über Vorteile
Dabei liegen die Vorteile des Fahrrads auf der Hand - es ist preiswert, da es ohne Treibstoff auskommt, und es ist umweltverträglich, weil es keine Emissionen ausstößt. Darüber hinaus verursacht ein Fahrrad weniger Lärm als ein Motorfahrzeug, und sein Platzanspruch ist geringer: auf einem Autoparkplatz kommen bequem acht Fahrräder unter.
Zahlreiche Studien belegen außerdem, dass Radeln die Gesundheit fördert: es beugt zahlreichen so genannten Zivilisationskrankheiten vor, zum Beispiel Bluthochdruck, Übergewicht und Diabetes, belastet die Gelenke weniger als andere Sportarten, stärkt das Immunsystem und fördert nicht zuletzt das Wohlbefinden.
Stärke: Kurzstrecke
Aber kann das Fahrrad mit dem Auto konkurrieren? Schließlich liegt seine Stärke in der Kurzstrecke. Für weite Wege eignet sich der Pkw besser. Tatsächlich ist jedoch die Hälfte aller Strecken, die mit dem Auto zurückgelegt werden, kürzer als fünf Kilometer - also bequem mit dem Fahrrad zu bewältigen. Im Stop-and-Go-Verkehr der Innenstädte ist man mit dem Fahrrad sogar um bis zu dreißig Prozent schneller unterwegs als auf vier Rädern. Nur leider machen nicht alle Städte Lust aufs Radeln: nicht überall kommt man mit dem Zweirad zügig und sicher voran...
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Infobox
Um die Erfindung des Fahrrads ranken sich viele Legenden: Ein Schüler Leonardo da Vincis oder gar der Meister selbst habe 1495 ein Fahrrad gezeichnet; der französische Comte de Sivrac habe 1791 ein starres Zweirad, das velocifère, erfunden; 1801 sei ein russischer Bauer mit dem Fahrrad vom Ural nach Moskau gefahren - alles Falschmeldungen und Fälschungen, wie sich später herausstellte.
Erfunden hat das Fahrrad Karl Drais: 1817 entwickelte er eine hölzerne Laufmaschine auf zwei Rädern mit lenkbarem Vorderrad. Der Fahrer trieb sie an, indem er sich mit den Füßen vom Boden abstieß. Erste Tretkurbeln - zunächst starr an der Vorderachse befestigt - gab es in den 1860er Jahren. Um höhere Geschwindigkeiten zu erreichen, vergrößerte man um 1870 einfach den Durchmesser des Vorderrades: das Hochrad war geboren.
Der Kettenantrieb machte ab 1878 große Vorderräder wieder überflüssig und entkoppelte erstmals Antrieb und Lenkung voneinander. Die bis heute typische Rahmenform, der so genannte Diamantrahmen, stammt aus der Zeit um 1880. Ab 1888 gab es den Luftreifen, Gangschaltung und Beleuchtung kamen im Jahrzehnt nach 1900 auf. Im Detail hat man das Fahrrad seitdem weiter verbessert: leichtere Rahmen, bessere Bremsen und schnellere Gangschaltungen. Am wesentlichen Aufbau hat sich jedoch seit mehr als hundert Jahren nichts geändert.
Erfunden hat das Fahrrad Karl Drais: 1817 entwickelte er eine hölzerne Laufmaschine auf zwei Rädern mit lenkbarem Vorderrad. Der Fahrer trieb sie an, indem er sich mit den Füßen vom Boden abstieß. Erste Tretkurbeln - zunächst starr an der Vorderachse befestigt - gab es in den 1860er Jahren. Um höhere Geschwindigkeiten zu erreichen, vergrößerte man um 1870 einfach den Durchmesser des Vorderrades: das Hochrad war geboren.
Der Kettenantrieb machte ab 1878 große Vorderräder wieder überflüssig und entkoppelte erstmals Antrieb und Lenkung voneinander. Die bis heute typische Rahmenform, der so genannte Diamantrahmen, stammt aus der Zeit um 1880. Ab 1888 gab es den Luftreifen, Gangschaltung und Beleuchtung kamen im Jahrzehnt nach 1900 auf. Im Detail hat man das Fahrrad seitdem weiter verbessert: leichtere Rahmen, bessere Bremsen und schnellere Gangschaltungen. Am wesentlichen Aufbau hat sich jedoch seit mehr als hundert Jahren nichts geändert.



