Der nackte Passagier
Ein neues Gerät soll Sicherheitskontrollen an Flughäfen verlässlicher machen: der so genannte Nacktscanner. Am Sinn der Technik jedoch gibt es Zweifel - nicht nur unter Datenschützern.Ein Airbus 330-300, 2007 im Landeanflug auf London-Heathrow. Im Dezember 2009 versuchte ein Attentäter, ein Flugzeug dieses Typs über Detroit zum Absturz zu bringen.
Mit herkömmlichen Kontrollen, erklärten Experten, sei es eben unmöglich, nichtmetallische Gegenstände wie Pulver, Keramikmesser oder Plastiksprengstoff unter der Kleidung aufzuspüren. Und plötzlich war wieder ein Gerät im Gespräch, dessen Einführung die EU erst 2008 gestoppt hatte: der Nacktscanner.
Detailgetreue Rekonstruktion
Nacktscanner "schauen" Passagieren unter die Kleidung, indem sie Reflexionen von Röntgen- oder Terahertzstrahlen auswerten. Weil verschiedene Materialien (menschliches Gewebe, Plastik, Metall) solche Strahlen unterschiedlich stark absorbieren und reflektieren, kann ein Computer daraus Körperformen und Oberflächen erstaunlich detailgetreu rekonstruieren. Am Bildschirm lassen sich dann Gegenstände, die Fluggäste unter der Kleidung tragen, erkennen. Neben verdächtigen Mitbringseln decken Nacktscanner jedoch auch Dinge auf, die viele Menschen lieber für sich behalten: Überflüssige Fettpölsterchen etwa, Prothesen, Implantate, künstliche Darmausgänge.
Behördlich abgesegnete "Peepshow"
Der "Spannerkasten" verletze die Privatsphäre der Menschen, monieren Datenschützer. Befürworter halten dagegen, dass viele Menschen ohnehin ihre Privatsphäre im Internet preisgeben, indem sie Fotos und sonstige Informationen online stellen. Jedoch, es gibt einen grundlegenden Unterschied zwischen Nacktaufnahmen im Internet und am Flughafen:
Aufnahmen eines Nacktscanners aus den USA: Die Geräte machen Körperformen und Oberflächen erstaunlich detailgetreu sichtbar. (Bild: TSA)
Strichmännchen und gelbe Kästchen
Nach dem Zwischenfall in Detroit im Dezember 2009 ist die Technik plötzlich wieder da, mit verbessertem Persönlichkeitsschutz: Nacktscanner der neuen Generation - sie heißen jetzt "Körperscanner" - bilden nicht mehr nackte Personen ab. Verfängliche, aber sicherheitstaktisch unbedeutende Details bleiben im Computer; am Bildschirm erscheint lediglich eine schematische Abbildung des gescannten Körpers, eine Art dickes Strichmännchen. Erkennt der Computer etwas Verdächtiges, gibt er Alarm und markiert die verdächtige Stelle mit einem gelben Kästchen. Unter anderem in Rom, in Zürich und in London sind solche Geräte seit kurzem im Einsatz.
Technik aus Lübeck
Auch in Deutschland könnten Ganzkörperscanner bald zum Alltag auf Flughäfen gehören. An der Bundespolizeiakademie in Lübeck werden derzeit Scanner entwickelt, die die Intimsphäre schützen. Rückendeckung kommt aus der Bundesregierung: Innenminister Thomas de Maizière befürwortet den Einsatz von Scannern, sofern sie die Persönlichkeitsrechte von Passagieren "vollumfänglich" wahren und die Gesundheit nicht gefährden.
Technische Verbesserungen ändern jedoch nichts an den Vorbehalten, die es unter Datenschützern und in der Öffentlichkeit gegenüber Körperscannern gibt. Auch Geräte neuerer Bauart griffen massiv in die Persönlichkeitsrechte gescannter Passagiere ein, sagt zum Beispiel Thilo Weichert, der oberste Datenschützer Schleswig-Holsteins...
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Sind Nacktscanner gesundheitsschädlich?
Das hängt ab von der Art und der Menge der Strahlung, die zum Einsatz kommt. Bei Nacktscannern, die mit Röntgenstrahlen arbeiten, schätzen Experten die Gefahr relativ hoch ein. Röntgenstrahlen sind ionisierend, das heißt sie entfernen Elektronen aus Molekülen.
In lebenden Organismen kann das Schäden hervorrufen, zum Beispiel Krebs auslösen. Wer nur einmal einen Nacktscanner passiert, ist wegen der geringen Dosis kaum gefährdet. "Für Vielflieger und Menschen, die häufiger gescannt würden, wäre das Risiko jedoch nicht vernachlässigbar", schätzt Prof. Dr. Rolf Michel, Vorsitzender der deutschen Strahlenschutzkommission (SSK).
Weniger gut erforscht als Röntgenstrahlung ist die Terahertzstrahlung, deren Wellenlängen zwischen 100 Mikrometer und 1 Millimeter liegen. Terahertzstrahlung ist nicht so hochenergetisch wie Röntgenstrahlung und wird bisher selten in Technik und Medizin angewendet - darum ist relativ wenig über ihre Auswirkungen auf Organismen bekannt.
Es gibt Studien, die nahelegen, dass keine schädlichen Einflüsse durch Terahertzwellen existieren; neuere Tests in Israel und in den USA lassen jedoch den Verdacht zu, dass die Strahlen die DNA beschädigen könnten. Um die Risiken durch Terahertzstrahlen gering zu halten, empfiehlt das Bundesamt für Strahlenschutz eine Obergrenze der Leistungsflussdichte von 10 Watt pro Quadratmeter - derzeit erprobte Geräte liegen weit unter diesem Grenzwert.
Am wenigsten Bedenken gibt es gegen so genannte passive Systeme. Das sind Geräte, die nicht selber strahlen, sondern Strahlung auswerten, die ohnehin "herumschwirrt". Denn jeder Körper sendet von Natur aus Terahertzstrahlen aus - lediglich diese Strahlung auszuwerten, bedeutet unter Garantie kein Gesundheitsrisiko für "Durchleuchtete".
Das hängt ab von der Art und der Menge der Strahlung, die zum Einsatz kommt. Bei Nacktscannern, die mit Röntgenstrahlen arbeiten, schätzen Experten die Gefahr relativ hoch ein. Röntgenstrahlen sind ionisierend, das heißt sie entfernen Elektronen aus Molekülen.
In lebenden Organismen kann das Schäden hervorrufen, zum Beispiel Krebs auslösen. Wer nur einmal einen Nacktscanner passiert, ist wegen der geringen Dosis kaum gefährdet. "Für Vielflieger und Menschen, die häufiger gescannt würden, wäre das Risiko jedoch nicht vernachlässigbar", schätzt Prof. Dr. Rolf Michel, Vorsitzender der deutschen Strahlenschutzkommission (SSK).
Weniger gut erforscht als Röntgenstrahlung ist die Terahertzstrahlung, deren Wellenlängen zwischen 100 Mikrometer und 1 Millimeter liegen. Terahertzstrahlung ist nicht so hochenergetisch wie Röntgenstrahlung und wird bisher selten in Technik und Medizin angewendet - darum ist relativ wenig über ihre Auswirkungen auf Organismen bekannt.
Es gibt Studien, die nahelegen, dass keine schädlichen Einflüsse durch Terahertzwellen existieren; neuere Tests in Israel und in den USA lassen jedoch den Verdacht zu, dass die Strahlen die DNA beschädigen könnten. Um die Risiken durch Terahertzstrahlen gering zu halten, empfiehlt das Bundesamt für Strahlenschutz eine Obergrenze der Leistungsflussdichte von 10 Watt pro Quadratmeter - derzeit erprobte Geräte liegen weit unter diesem Grenzwert.
Am wenigsten Bedenken gibt es gegen so genannte passive Systeme. Das sind Geräte, die nicht selber strahlen, sondern Strahlung auswerten, die ohnehin "herumschwirrt". Denn jeder Körper sendet von Natur aus Terahertzstrahlen aus - lediglich diese Strahlung auszuwerten, bedeutet unter Garantie kein Gesundheitsrisiko für "Durchleuchtete".



