Fehler im System
Sicherheit geht über alles, lautet das offizielle Credo der zivilen Luftfahrt. Im harten Wettbewerb spart manche Airline jedoch an der Wartung ihrer Flugzeuge. Von der Sparwut betroffen sind auch Sicherheitsfaktoren.Häufig geht der Dienst der Piloten an die Grenzen der Belastbarkeit. Menschliches Versagen kann Absturzursache sein.
Davon aufgeschreckt, beschloss auch die Bundesregierung schärfere Bestimmungen für die Sicherheit im Luftverkehr: das Personal der Flughäfen wurde intensiver überprüft, das Reise- und Handgepäck der Passagiere strenger kontrolliert. Außerdem begleiten seitdem so genannte Sky Marshalls - bewaffnetes Sicherheitspersonal - viele Flüge deutscher Fluggesellschaften.
Sicherheit am Himmel gefährdet
Ist das Fliegen damit sicherer geworden? Leider nein. Denn all diese Bemühungen täuschen darüber hinweg, dass nicht nur der internationale Terrorismus, sondern vor allem sinkende Standards, Sparmaßnahmen und Personalmangel auf dem Hintergrund einer zunehmenden Liberalisierung des Luftverkehrs die Sicherheit am Himmel gefährden.
"Schwarzer August"
Trauriges Beispiel dafür ist der August 2005, der als "Schwarzer August" in die Luftfahrtgeschichte einging: nicht weniger als fünf schwere Flugzeugunfälle mit über dreihundert Toten ereigneten sich in diesem einen Monat. Während das Unglück einer Maschine der Air France am 2. August in Toronto noch glimpflich ausging, stürzte nur vier Tage später ein tunesisches Flugzeug vor Sizilien ins Meer und riss 13 Passagiere in den Tod.
Am 14. August starben beim Absturz nahe Athen alle 121 Insassen einer Boeing 737 der zyprischen Helios-Airline, zwei Tage darauf fanden 160 Passagiere einer Maschine der West Caribbean Airways in Venezuela den Tod. Mit dem Absturz eines Flugzeugs der staatlichen Fluggesellschaft TANS, mit 40 Menschen an Bord, am 24. August in Peru endete die schreckliche Serie.
Harter Preiskampf
Im wachsenden Wettbewerb liefern sich die Airlines einen harten Preiskampf - mit dem Resultat, dass gerade kleine, finanzschwache Fluggesellschaften dort sparen, wo es dem Passagier zunächst am wenigsten auffällt, im Ernstfall jedoch die weitreichendsten Konsequenzen haben kann: an der Sicherheit. Die Wartung der Maschinen ist aufwändig und teuer, ebenso die Ausbildung der Piloten. Deren Dienst geht nicht selten an die Grenzen der Belastbarkeit - nach 16 Stunden arbeitet kein Mensch mehr hochkonzentriert. Menschliches Versagen gilt als Absturzursache Nummer Eins.
Juli 2002: Auf einem Feld nahe Überlingen liegen ein Triebwerk und einige Teile des Leitwerks der Tupolew 154. (Bild: Michael Latz/ ddp)
Aufmerksamkeit auf ein Sicherheitsrisiko, das bis dahin weitgehend unbeachtet blieb, lenkte der durch eine Kollision ausgelöste Absturz einer russischen Tupolew 154 und einer deutschen Frachtmaschine der DHL nahe des Bodensees am 1. Juli 2002: Europas veraltetes und überlastetes Luftraumkontrollsystem.
Nur selten kommt es im Flugverkehr zu einem Zusammenstoß. Moderne Maschinen sind mit dem Kollisionswarnsystem TCAS ausgerüstet, das die Piloten nicht nur vor einem drohenden Crash warnt, sondern zusätzlich Anweisungen gibt, ob das Flugzeug zum Ausweichen sinken oder steigen soll.
Tödlicher Befehl
In beiden Unglücksmaschinen war TCAS an Bord und funktionsfähig. Weshalb kam es dennoch zur Kollision? Während sich der Pilot der Boeing an die Standardanweisung hielt und der Aufforderung des TCAS zum Sinken folgte, vertraute der russische Pilot auf die Richtigkeit des Fluglotsen-Befehls, der ihn - entgegen der Anweisung seines Kollisionswarnsystems an Bord - ebenfalls zum Reduzieren der Flughöhe aufrief. Die zwei analogen Ausweichmanöver führten auf 12.000 Metern Höhe schließlich zum Crash. 71 Menschen verloren dabei ihr Leben...
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Infobox
Es waren schockierende Meldungen: Am 1. Juni 2009 verloren 228 Menschen beim Absturz einer Air France-Maschine über dem Atlantik ihr Leben, keinen Monat später starben 152 Insassen eines Flugzeugs der Yemenia Air beim missglückten Landeanflug vor den Komoren. Und bereits am 15. Juli 2009 waren beim Absturz eines iranischen Passagierflugzeugs erneut 168 Opfer zu beklagen... Lag die Opferzahl in der zivilen Luftfahrt 2008 bei insgesamt 598, starben im Jahr darauf 766 Menschen bei Unfällen von Passagiermaschinen.
Dabei lässt sich Statistiken der IATA (International Air Transport Association) für die vergangenen Jahre entnehmen, dass das Fliegen insgesamt sicherer geworden ist. Während der zurückliegenden zwei Jahrzehnte hat die Zahl der Unfälle deutlich abgenommen. Im Hinblick auf gestiegene Passagierzahlen und den zunehmenden Luftverkehr mag das eine beruhigende Erkenntnis sein. Experten aber warnen: Zwar hätten die Airlines bei der Flugsicherheit ein außerordentlich hohes Niveau erreicht, der Anstieg der Flugbewegungen könne jedoch schon heute kaum mehr durch einen Zuwachs an Sicherheit kompensiert werden.
Die technischen Systeme in den Flugzeugen sind mittlerweile mehrfach gesichert. Daher ist menschliches Versagen - bei Flug, Wartung oder Programmierung - häufig die wahrscheinlichere Unfallursache. Im harten Wettbewerb der Airlines wird bei eben diesen Sicherheitsfaktoren nicht selten zuerst der Rotstift angesetzt. Die neuen hochautomatisierten Flugzeuge erfordern eine entsprechende Ausbildung von Piloten und Ingenieuren - für manchen Airline-Manager wohl eine zu teure Investition.
Dabei lässt sich Statistiken der IATA (International Air Transport Association) für die vergangenen Jahre entnehmen, dass das Fliegen insgesamt sicherer geworden ist. Während der zurückliegenden zwei Jahrzehnte hat die Zahl der Unfälle deutlich abgenommen. Im Hinblick auf gestiegene Passagierzahlen und den zunehmenden Luftverkehr mag das eine beruhigende Erkenntnis sein. Experten aber warnen: Zwar hätten die Airlines bei der Flugsicherheit ein außerordentlich hohes Niveau erreicht, der Anstieg der Flugbewegungen könne jedoch schon heute kaum mehr durch einen Zuwachs an Sicherheit kompensiert werden.
Die technischen Systeme in den Flugzeugen sind mittlerweile mehrfach gesichert. Daher ist menschliches Versagen - bei Flug, Wartung oder Programmierung - häufig die wahrscheinlichere Unfallursache. Im harten Wettbewerb der Airlines wird bei eben diesen Sicherheitsfaktoren nicht selten zuerst der Rotstift angesetzt. Die neuen hochautomatisierten Flugzeuge erfordern eine entsprechende Ausbildung von Piloten und Ingenieuren - für manchen Airline-Manager wohl eine zu teure Investition.
Infobox
Wie wahrscheinlich ist es, einen Flugzeugabsturz zu erleben? Laut statistischen Daten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) müsste man in Deutschland 67 Jahre lang ununterbrochen fliegen, um mit höchster Wahrscheinlichkeit Opfer eines Flugzeugabsturzes zu werden - diese Zeitspanne ergibt sich aus dem Fakt, dass hierzulande etwa alle 588.000 Flugstunden ein Flugunfall mit Todesfolge passiert.
Dabei ist der Flug an sich am ungefährlichsten: gerade einmal neun Prozent der Unfälle ereignen sich in dieser Phase. Beim Start steigt diese Zahl bereits auf 36 Prozent, was speziell auf die hohen Anforderungen, die diese Phase des Fluges an ein Flugzeug stellt, zurückzuführen ist. Besonders kritisch wird es aber bei der Landung - also Sinkflug, Landeanflug und die eigentliche Landung der Maschine -, wo rund 55 Prozent aller Flugunfälle passieren.
Dabei ist der Flug an sich am ungefährlichsten: gerade einmal neun Prozent der Unfälle ereignen sich in dieser Phase. Beim Start steigt diese Zahl bereits auf 36 Prozent, was speziell auf die hohen Anforderungen, die diese Phase des Fluges an ein Flugzeug stellt, zurückzuführen ist. Besonders kritisch wird es aber bei der Landung - also Sinkflug, Landeanflug und die eigentliche Landung der Maschine -, wo rund 55 Prozent aller Flugunfälle passieren.



