Auf Achse
Für genervte PKW-Fahrer ist der LKW häufig das Feindbild. Vielleicht gäbe es größeres Verständnis für die Trucker, wenn mehr aus ihrem Joballtag bekannt wäre. Denn der hat viele Schattenseiten.Einsame Fahrten durch ferne Länder? Häufig gleicht der Alltag hinterm Steuer einer Hetzjagd.
Mythos Fernfahrer
Die fühlen sich oft als Verkehrsteilnehmer zweiter Klasse - und bemängeln das fehlende Verständnis für ihre Arbeit. Und um die sind Brummi-Fahrer in den meisten Fällen nicht zu beneiden; für viele hat der Mythos "Fernfahrer-Romantik" angesichts enormen Termindrucks, überfüllter Autobahnen und endloser Staus längst ausgedient.
Achtzig-Stunden-Woche
Arbeitszeiten von 60 bis 80 Stunden in der Woche sind keine Seltenheit - bezahlt wird die Mehrleistung allerdings nicht. Die meisten Fahrer erhalten niedrige Pauschallöhne, Überstundenentgelt ist in der Branche kaum bekannt. Erhält ein Fahrer Stundenlohn, richtet sich der nach der reinen Lenkzeit; Wartezeiten - an Grenzübergängen oder beim Kunden - finden keine Berücksichtigung.
Bei der Bezahlung hört die Ausbeutung längst nicht auf: Am Zielort angekommen, muss der Fahrer heutzutage beim Abladen kräftig mit anpacken. Wer nicht mithilft, wird von den Lageristen ignoriert. Lange Wartezeiten aber kann sich kein Fernfahrer erlauben.
Müdigkeit nach Plan
Doch kaum ein Fahrer beschwert sich, zu groß ist die Angst vor der billigen Konkurrenz, speziell aus Osteuropa. Und so nehmen die "Kapitäne der Landstraße", wie sie einst liebevoll genannt wurden, die Hetzjagd durch Europa in Kauf. Der Druck auf die Fahrer ist so groß, dass häufig gesetzlich vorgeschriebene Fahrzeiten überzogen, Ruhepausen dagegen gekürzt werden. Dadurch wird der LKW-Verkehr zum Sicherheitsrisiko: Müdigkeit am Steuer ist die Unfallursache Nummer Eins.
Als "gnadenloses System" bezeichnen Kritiker die EU-weite Liberalisierung des Straßengüterverkehrs. Menschenwürde und Sicherheit würden einem mörderischen Wettbewerb geopfert. Mancher spricht hier gar von moderner Sklaverei. Eine Lösung des Problems ist nicht in Sicht: Laut der Verkehrsprognose 2015 soll der grenzüberschreitende LKW-Verkehr weiter steigen. Und damit der Druck im Nacken der Fahrer.
Ulrike Wolf (aktualisiert 19.05.2011)
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Schlafenszeit laut Schaublatt
Lenk- und Ruhezeiten von LKW-Fahrern sind EU-weit gesetzlich vorgeschrieben: So dürfen Fahrer eine wöchentliche Lenkzeit von 56 Stunden nicht überschreiten - Wartezeiten an Grenzen oder Lagern sind dabei nicht berücksichtigt.
Am Tag darf höchstens neun Stunden gefahren werden, nach 4,5 Stunden muss eine Pause von mindestens 45 Minuten gemacht werden. Pro Tag stehen Fahrern mindestens elf Stunden Pause zu, davon neun am Stück.
Innerhalb von zwei Wochen dürfen Berufskraftfahrer insgesamt nur neunzig Stunden gefahren sein und müssen mindestens einmal 45 Stunden am Stück pausiert haben. Um die Lenk- und Ruhezeiten zu überwachen, hat jeder LKW einen Tachographen, der entweder digital oder auf so genannten Schaublättern die Fahrzeit, Geschwindigkeiten, zurückgelegte Wegstrecken, Ruhe- und Lenkzeiten, Werkstattbesuche und die Fahrzeugidentifikation speichert. Polizei- und Zollbeamte dürfen die Daten der Geräte einsehen.
Lenk- und Ruhezeiten von LKW-Fahrern sind EU-weit gesetzlich vorgeschrieben: So dürfen Fahrer eine wöchentliche Lenkzeit von 56 Stunden nicht überschreiten - Wartezeiten an Grenzen oder Lagern sind dabei nicht berücksichtigt.
Am Tag darf höchstens neun Stunden gefahren werden, nach 4,5 Stunden muss eine Pause von mindestens 45 Minuten gemacht werden. Pro Tag stehen Fahrern mindestens elf Stunden Pause zu, davon neun am Stück.
Innerhalb von zwei Wochen dürfen Berufskraftfahrer insgesamt nur neunzig Stunden gefahren sein und müssen mindestens einmal 45 Stunden am Stück pausiert haben. Um die Lenk- und Ruhezeiten zu überwachen, hat jeder LKW einen Tachographen, der entweder digital oder auf so genannten Schaublättern die Fahrzeit, Geschwindigkeiten, zurückgelegte Wegstrecken, Ruhe- und Lenkzeiten, Werkstattbesuche und die Fahrzeugidentifikation speichert. Polizei- und Zollbeamte dürfen die Daten der Geräte einsehen.



