Fliegende Porzellankisten
Das Bild des Krieges hat sich gewandelt - und damit auch die Rolle, welche die glänzenden, superteuren Kampfjets aller Wahrscheinlichkeit nach in Zukunft spielen können.Die Spitfire war der beste britische Jäger im Zweiten Weltkrieg. Es gab rund 20.300 Exemplare. Wer gewinnen wollte, setzte auch auf Masse. Das ist heute anders.
Churchills Satz lieferte nicht nur künftigen Generationen die geschichtsbuchtaugliche Formulierung, er festigte auch den Mythos des Kampfpiloten, des heldenhaften Streiters am Himmel, der notfalls sein Leben Volk und Nation zum Opfer bringt. Dem Mythos zumindest sollte ein langes Leben beschieden sein.
Exponentielle Preisentwicklung
Ansonsten aber hat sich bis heute allerhand getan. Vor allem: Die "wenigen" sind weniger geworden, gleiches gilt für die Anzahl der Fluggeräte: Den Zweiten Weltkrieg kämpften noch Zehntausende über den Wolken aus: Aufklärer, Bomberbesatzungen, Jagdpiloten. Bald aber reduzierte sich die Kopfstärke des fliegenden Personals auf jeweils einige Hundert, und auch das nur in den Luftflotten der wirtschaftlich leistungsfähigsten Staaten.
Wichtigster Grund: Der Preis der Kampfflugzeuge stieg exponentiell. Entsprachen die Kosten eines Jagdflugzeugs der 1940er Jahre noch in etwa dem Preis von vier bis fünf Automobilen, so beziffert sich der Aufwand für das neueste europäische Jagdflugzeug der Gegenwart, den Eurofighter Typhoon, pro Stück auf rund 85 Millionen Euro. Die derzeit modernste US-amerikanische Abfangjägervariante F-22 kommt auf den zwei- bis dreifachen Betrag.
Kein Wunder, dass jede Militärmacht der Welt, die sich solche Ausgaben leistet, die immens teuren Hightech-Produkte wie Augäpfel hütet. An die Stelle der mutigen, oft bloß in Crashkursen trainierten Piloten des Zweiten Weltkriegs sind sorgfältig ausgebildete Taktik- und Elektronikexperten getreten. Der kühne Bordschütze von anno dazumal heißt heute "Waffensystemoffizier", und ist nichts anderes als ein eng spezialisierter Ingenieur.
Einzelstück im Bunker
Kaum zu übersehen sind die strategischen Konsequenzen des Wandels: Spötter meinen, dass am Endpunkt der anhaltenden Kostenexplosion jede große Luftstreitmacht lediglich über ein einziges, dafür extrem teures Flugzeug verfügen werde, das dann allerdings - wegen des mit Kampfeinsätzen verbundenen Risikos - besser gut gesichert im Bunker verbliebe.
Die Tendenz ist längst Realität: Im Rahmen des ersten Auslandseinsatzes deutscher Soldaten nach 1945 schickte die Luftwaffe am 2. Januar 1991 achtzehn damals bereits veraltete Alpha Jets ins südtürkische Erhac. Sie sollten die Nato-Flanke gegen irakische Angriffe im Golfkrieg sichern. Zum Ärger des Nato-Partners Türkei war das Flugzeug der Wahl eben nicht der modernere und kampfstärkere Tornado. Risikominimierung unter Kostenaspekten?
Gegen wen sollen die mit Elektronik vollgestopften teuren Maschinen in Zukunft zum Einsatz gelangen? In welcher Art Krieg sollen die sorgsam ausgebildeten Piloten der Zukunft kämpfen? Ein Krieg wie zu Churchills Zeiten wird es wohl keineswegs sein, und den zweiten Irak-Krieg, in seiner konventionellen Anfangsphase, sehen Berufsmilitärs schon jetzt als Glücksfall an: Damals hatte man es wenigstens noch einmal mit einem regulären Feind zu tun!
Krieg der Zukunft
Mitte der 1980er Jahre prägten Militärtheoretiker das Wort vom Low Intensity Conflict (LIC): Terrorismus also, lokale Unruhen, Aufstände und Unabhängigkeitsbewegungen, die von regionalen Milizen getragen werden. Studien zeigen, dass von den weltweit rund 160 bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen 1945 und 1990 ungefähr drei Viertel dieser Kategorie zuzurechnen sind. Kriege zwischen Nationen, in deren Verlauf reguläre Streitkräfte auf beiden Seiten - mit hochentwickelten Luftwaffen - aufeinander stoßen, dürften künftig in noch höherem Maß die Ausnahme bilden, sie werden wahrscheinlich sogar verschwinden...
Seite
1
| 2
Infobox
Entwicklung mit Hindernissen
Es ist das angeblich beste Jagdflugzeug der Welt: Der Eurofighter ist ein mit zwei Triebwerken ausgerüstetes Mehrzweckkampfflugzeug, das von Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien entwickelt wird. An dem Bau sind unter anderem der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS und das britische Rüstungsunternehmen BAE Systems beteiligt. Hinzu kommen Zulieferfirmen.
Bereits in den 1980ern begannen die Planungen für den Jet. Die Entwicklung lief zunächst unter dem Namen European Fighter Aircraft (EFA). Das Ziel: Der Flieger sollte die veralteten Phantoms ablösen und als so genannter Luftüberlegenheitsjäger gegen die Bedrohung des Warschauer Paktes eingesetzt werden.
Das wendige Jagdflugzeug ist zu 82 Prozent aus Verbundwerkstoffen wie Kohlenstofffaser und Glasfaser gefertigt. Entenflügel, Querruder und Teile der Triebwerke bestehen aus einer Titanlegierung. Mit seinem Triebwerk EJ200 kann der Eurofighter ohne Einsatz des Nachbrenners dauerhaft im Überschall fliegen.
Die Partnerstaaten beabsichtigten, 765 Flugzeuge bauen zu lassen: je 250 für Deutschland und Großbritannien, 165 für Italien und 100 für Spanien. Mit dem Ende des Kalten Krieges und dem Zusammenbruch des Warschauer Paktes kam das Eurofighter-Projekt 1992 in die Krise. Deutschland wollte aufgrund der hohen Kosten der Deutschen Wiedervereinigung aus dem milliardenschweren Gemeinschaftsprojekt aussteigen.
Der damalige Verteidigungsminister Volker Rühe warb für ein alternatives und vor allem preiswerteres Kampfflugzeug, das auf Basis der Eurofighter-Technologie gebaut werden sollte. Da Deutschland aber bei einem Ausstieg die anderen Länder finanziell hätte entschädigen müssen, kam es zur Fortsetzung des Projekts.
Alle Beteiligten überarbeiteten erneut die Verträge, weil die Maschine, nun unter dem Namen Eurofighter 2000, für seine neuen Aufgaben als Mehrzweckkampfflugzeug angepasst werden sollte. Experten schätzen, dass sich die Kosten für den Eurofighter durch die Verzögerungen und die Veränderungen an der Technik um vierzig bis fünfzig Prozent erhöhten.
Da Deutschland weniger Kampfjets kaufen wollte als geplant, kam es zu weiteren Verhandlungen. Erst 1997 einigten sich alle Beteiligten in einem endgültigen Produktionsvertrag: Nun sollte Großbritannien 232, Deutschland 180, Italien 121 und Spanien 87 Flugzeuge erhalten. Endgültiger Name des Jets: Eurofighter Typhoon.
2004 wurden die ersten seriengefertigten Maschinen an die Bundeswehr ausgeliefert. Doch die Luftwaffe hatte erhebliche Schwierigkeiten mit einigen Eurofightern: Computer-Bildschirme fielen mitten im Flug aus und es gab Probleme mit dem Schleudersitz.
Am 21. März 2011 hatten britische Typhoons ihren ersten Kampfeinsatz während des militärischen Engagements in Libyen.
Es ist das angeblich beste Jagdflugzeug der Welt: Der Eurofighter ist ein mit zwei Triebwerken ausgerüstetes Mehrzweckkampfflugzeug, das von Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien entwickelt wird. An dem Bau sind unter anderem der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS und das britische Rüstungsunternehmen BAE Systems beteiligt. Hinzu kommen Zulieferfirmen.
Bereits in den 1980ern begannen die Planungen für den Jet. Die Entwicklung lief zunächst unter dem Namen European Fighter Aircraft (EFA). Das Ziel: Der Flieger sollte die veralteten Phantoms ablösen und als so genannter Luftüberlegenheitsjäger gegen die Bedrohung des Warschauer Paktes eingesetzt werden.
Das wendige Jagdflugzeug ist zu 82 Prozent aus Verbundwerkstoffen wie Kohlenstofffaser und Glasfaser gefertigt. Entenflügel, Querruder und Teile der Triebwerke bestehen aus einer Titanlegierung. Mit seinem Triebwerk EJ200 kann der Eurofighter ohne Einsatz des Nachbrenners dauerhaft im Überschall fliegen.
Die Partnerstaaten beabsichtigten, 765 Flugzeuge bauen zu lassen: je 250 für Deutschland und Großbritannien, 165 für Italien und 100 für Spanien. Mit dem Ende des Kalten Krieges und dem Zusammenbruch des Warschauer Paktes kam das Eurofighter-Projekt 1992 in die Krise. Deutschland wollte aufgrund der hohen Kosten der Deutschen Wiedervereinigung aus dem milliardenschweren Gemeinschaftsprojekt aussteigen.
Der damalige Verteidigungsminister Volker Rühe warb für ein alternatives und vor allem preiswerteres Kampfflugzeug, das auf Basis der Eurofighter-Technologie gebaut werden sollte. Da Deutschland aber bei einem Ausstieg die anderen Länder finanziell hätte entschädigen müssen, kam es zur Fortsetzung des Projekts.
Alle Beteiligten überarbeiteten erneut die Verträge, weil die Maschine, nun unter dem Namen Eurofighter 2000, für seine neuen Aufgaben als Mehrzweckkampfflugzeug angepasst werden sollte. Experten schätzen, dass sich die Kosten für den Eurofighter durch die Verzögerungen und die Veränderungen an der Technik um vierzig bis fünfzig Prozent erhöhten.
Da Deutschland weniger Kampfjets kaufen wollte als geplant, kam es zu weiteren Verhandlungen. Erst 1997 einigten sich alle Beteiligten in einem endgültigen Produktionsvertrag: Nun sollte Großbritannien 232, Deutschland 180, Italien 121 und Spanien 87 Flugzeuge erhalten. Endgültiger Name des Jets: Eurofighter Typhoon.
2004 wurden die ersten seriengefertigten Maschinen an die Bundeswehr ausgeliefert. Doch die Luftwaffe hatte erhebliche Schwierigkeiten mit einigen Eurofightern: Computer-Bildschirme fielen mitten im Flug aus und es gab Probleme mit dem Schleudersitz.
Am 21. März 2011 hatten britische Typhoons ihren ersten Kampfeinsatz während des militärischen Engagements in Libyen.




