Frust hinterm Steuer
Unhöfliche Fahrer, schlechter Service, zu hohe Preise - so lauten die Vorwürfe der Fahrgäste. Im harten Kampf um Kunden bleiben gerade die häufig auf der Strecke. Welche Ursachen hat die Krise in der Taxibranche?"Wat, Kurzstrecke? Nee, nee, da gehn se ma lieba zu Fuß!" So gehört vor kurzem in Berlin, von einem der rund 6.600 Taxifahrer, die in der Hauptstadt um Kundschaft kämpfen. Gute Laune war noch nie herausstechende Eigenschaft von Berliner Vertretern der mobilen Zunft. Schärfere Konkurrenz vergrößert nun den Frust: Immer mehr Taxiunternehmen schicken schlecht ausgebildete Aushilfsfahrer - manchmal sogar ohne Taxischein - zu Dumpingpreisen auf die Straße.
Beschwerden häufen sich
Obwohl der Markt gesättigt ist, stellt Berlin weiterhin Taxilizenzen aus. Proportional dazu häufen sich die Beschwerden: Fahrgäste klagen über rüpelhaftes, teils aggressives Verhalten und über mangelnde Ortskenntnis der Taxifahrer; gut gepflegte Autos sind Rarität. In manchem Fall kann sich der Gast kaum mit dem Fahrer verständigen - nach ausreichenden Deutschkenntnissen fragt bei der Prüfung zum Personenbeförderungsschein ohnehin keiner.
Branche in Verruf
Schnell entsteht der Eindruck, Taxifahrer seinen allesamt unfreundliche, rücksichtslose Miesepeter; verkrachte Existenzen, die es einfach zu nichts anderem gebracht haben. Mit diesem Vorurteil kämpft das Taxigewerbe schon lange: Taxifahrer ist in der Öffentlichkeit nicht als "anständiger" Beruf angesehen; es gibt keine ordentliche Ausbildung - was die Tür für schwarze Schafe öffnet. Die sind es dann auch, die eine ganze Branche in Verruf bringen.
Wasser bis zum Hals
Darunter leiden die vielen Tausend korrekt arbeitenden Taxifahrer - denen das Wasser bis zum Hals steht. Für einem Hungerlohn sind sie in der Regel zwischen zehn und zwölf Stunden am Tag auf der Straße, wobei die Räder manchmal nur für ein Drittel der Zeit rollen. Ein Fahrer, der fast eine Stunde auf die nächste Fahrt wartet, die dann gerade mal drei Euro einbringen soll, lässt den potenziellen Fahrgast aus blankem Verdruss schon mal im Regen stehen.
Leipziger Motordroschke (etwa im Jahr 1920): Benzinmotoren verdrängen das Zwei-PS-Prinzip.
Konjunkturflaute und Gesundheitsreform verschärfen die Situation, denn die Krankenkassen übernehmen Krankentransporte nur noch in Ausnahmefällen. Im Durchschnitt macht ein Taxifahrer knapp zehn Euro Umsatz pro Stunde. Nach Abzug der Kosten für Wartung des Autos, Versicherungen und Benzin, bleiben manchem am Ende gerade mal fünf Euro brutto.
Dennoch fahren rund achtzigtausend Taxis in Deutschland. Die wenigsten Fahrer würden sich allerdings als "verkrachte Existenzen" betrachten - wenn auch die meisten einst einen ganz anderen Weg einschlagen wollten. Häufig wurde der Studentenjob zum Hauptberuf. Am Klischee vom Taxi fahrenden Geisteswissenschaftler ist nach wie vor viel dran.
Aus Überzeugung dabei
Bei einigen ist es eine Entscheidung aus Not, es gibt einfach keinen anderen Job. Andere bleiben aus Überzeugung dabei: Sie genießen die Unabhängigkeit und die Kontakte zu so vielen verschiedenen Menschen. Für sie ist es eine Selbstverständlichkeit, ihren Kunden die Autotür zu öffnen, das Gepäck zu verstauen, den Wagen sauber zu halten, eben ihren Fahrgästen eine angenehme Fahrt zu bieten.
Hausgemachte Krise
Leider werden sie zur Minderheit: Kundenorientierte Dienstleistung ist häufig ein Fremdwort, unter steigendem Konkurrenz- und Kostendruck macht sich bei den Fahrern Frustration breit. Die Kunden bekommen das zu spüren. Dabei ist die Krise hausgemacht, denn die großen Funkzentralen wollen eine Liberalisierung des Wettbewerbs verhindern.
Harte Zeiten fürs Geschäft: Magdeburger Taxis warten auf Kundschaft.
So beharren sie etwa auf einheitliche Farbregelung, die im Personenbeförderungsgesetz (PbefG) festgelegt ist: das helle Elfenbein deutscher Taxis. Eine Farbfreigabe würde den Wettbewerb ankurbeln und damit die Qualität der Leistung erhöhen: Schwarze Schafe könnten sich nicht mehr unter dem Mantel der gleichmachenden Farbe verstecken. Das Taxi würde zum Aushängeschild; der Kunde wählte dann ein Taxi ganz nach seinem Geschmack.
Brummige Originale
Nicht jedermanns Geschmack ist das schnodderige, brummige Gebaren alteingesessener Berliner Taxifahrer. Doch sie sind auf ihre Art auch Originale, tief verwurzelt in ihrer Stadt. Nimmt der Fahrgast die Launen in Kauf - und nicht allzu persönlich - lernt er Berlin auf ursprüngliche und vielleicht sogar sympathische Weise kennen.
Ulrike Wolf (27.10.2004)
Infobox
Taxi
Der Begriff leitet sich von Taxameter ab. Hieß ursprünglich nur das im Fahrzeug angebrachte Messgerät so, ging der Name in der ersten Hälfte des Zwanzigsten Jahrhunderts auf den Mietwagen selbst über.
Taxameter wurden bereits Ende des 18. Jahrhunderts entwickelt. Während bei Pferdedroschken die Radumdrehung die Anzeige des Fahrpreises antrieb, nutzen Motordroschken die Rotation der Kardanwelle als Impulsgeber für das Räderwerk des Taxameters.
Daraufhin wurde das Festsetzen von einheitlichen Tarifsätzen im Taxigewerbe möglich. 1953 gab es in Paris erstmals eine rechtliche Regelung, laut der die fahrenden Taxameter mit einem beleuchteten Taxi-Schild zu kennzeichnen sind. Seit 1958 ist das Taxi-Dach-Schild auch in Deutschland Pflicht.
Der Begriff leitet sich von Taxameter ab. Hieß ursprünglich nur das im Fahrzeug angebrachte Messgerät so, ging der Name in der ersten Hälfte des Zwanzigsten Jahrhunderts auf den Mietwagen selbst über.
Taxameter wurden bereits Ende des 18. Jahrhunderts entwickelt. Während bei Pferdedroschken die Radumdrehung die Anzeige des Fahrpreises antrieb, nutzen Motordroschken die Rotation der Kardanwelle als Impulsgeber für das Räderwerk des Taxameters.
Daraufhin wurde das Festsetzen von einheitlichen Tarifsätzen im Taxigewerbe möglich. 1953 gab es in Paris erstmals eine rechtliche Regelung, laut der die fahrenden Taxameter mit einem beleuchteten Taxi-Schild zu kennzeichnen sind. Seit 1958 ist das Taxi-Dach-Schild auch in Deutschland Pflicht.
Infobox
Geschichte des Taxis
Die Tatsache, dass sich mit Beförderung von Personen gut Geld verdienen lässt, hat schon früh Unternehmergeist geweckt: In der Antike ließen sich Gutsituierte in Sänften bequem durch die Gegend tragen.
Auf diese kulturelle Errungenschaft besann man sich im 17. Jahrhundert mit der Einführung der Portechaise, einem mobilen Tragstuhl. Die Miet-Sänften wurden 1617 erstmals in Paris zur Beförderung von Personen eingesetzt. Ab 1668 gab es sie auch in Berlin, wo sie eine wahre Blütezeit erlebten.
Als sich im 19. Jahrhundert die Zustände der Straßen soweit gebessert hatten, dass sie bequem und schnell von Kutschen befahrbar waren, verdrängten überall in Europa Mietkutschen - so genannte Fiaker oder Droschken - die Portechaisen.
Mit der rasanten Entwicklung der Automobiltechnik ab Ende des 19. Jahrhunderts machten wiederum Motordroschken die Zwei-PS-Taxen entbehrlich. 1911 fuhren in Berlin bereits rund zweitausend Taxis mit Benzinmotor.
Bis in die Zwanziger Jahre hinein konkurrierten die Pferdedroschken noch um die Gunst der Kunden. Doch 1928 ging die Ära der Männer auf dem Kutschbock endgültig zu Ende - sie erhielten keine Lizenzen mehr. Seitdem prägen die motorisierten Taxis das Stadtbild der Metropolen.
Die Tatsache, dass sich mit Beförderung von Personen gut Geld verdienen lässt, hat schon früh Unternehmergeist geweckt: In der Antike ließen sich Gutsituierte in Sänften bequem durch die Gegend tragen.
Auf diese kulturelle Errungenschaft besann man sich im 17. Jahrhundert mit der Einführung der Portechaise, einem mobilen Tragstuhl. Die Miet-Sänften wurden 1617 erstmals in Paris zur Beförderung von Personen eingesetzt. Ab 1668 gab es sie auch in Berlin, wo sie eine wahre Blütezeit erlebten.
Als sich im 19. Jahrhundert die Zustände der Straßen soweit gebessert hatten, dass sie bequem und schnell von Kutschen befahrbar waren, verdrängten überall in Europa Mietkutschen - so genannte Fiaker oder Droschken - die Portechaisen.
Mit der rasanten Entwicklung der Automobiltechnik ab Ende des 19. Jahrhunderts machten wiederum Motordroschken die Zwei-PS-Taxen entbehrlich. 1911 fuhren in Berlin bereits rund zweitausend Taxis mit Benzinmotor.
Bis in die Zwanziger Jahre hinein konkurrierten die Pferdedroschken noch um die Gunst der Kunden. Doch 1928 ging die Ära der Männer auf dem Kutschbock endgültig zu Ende - sie erhielten keine Lizenzen mehr. Seitdem prägen die motorisierten Taxis das Stadtbild der Metropolen.
Infobox
Laut Definition
Ein Taxi ist ein von einem Berufskraftfahrer geführtes Individualverkehrsmittel, mit dem Personen entgeltlich an Orte ihrer Wahl befördert werden.
Zum Führen eines Taxis ist in Deutschland ein Personenbeförderungsschein notwendig, der von der Straßenverkehrszulassungsbehörde erteilt wird. Man braucht dafür mindestens zwei Jahre Fahrpraxis, gute Ortskenntnis, Führungszeugnis, eine medizinisch- psychologische Untersuchung (MPU) und einen Auszug aus dem Punktekonto in Flensburg. Innerhalb des Pflichtfahrgebiets besteht Beförderungspflicht. Der Fahrer eines freien Taxis darf also grundsätzlich keine Fahrt ablehnen, außer, er sieht seine Sicherheit gefährdet, zum Beispiel bei erheblicher Alkoholisierung oder Aggressivität des Fahrgastes.
Taxis stehen auf gekennzeichneten Halteplätzen bereit, um auf Kundschaft zu warten. Nur mit Auftrag dürfen sie auch an anderen Orten auf Fahrgäste warten. Taxifahrer sind verpflichtet, immer die kürzeste Fahrtstrecke zu wählen - außer, der Kunde legt eine andere Strecke fest. Fährt das Taxi offensichtlich eine falschen, zu langen Weg, kann sich der Gast später beim zuständigen Ordnungsamt beschweren. Hierfür benötigt er die Quittung mit Angabe der Taxinummer sowie des Einstiegs- und des Zielorts.
Ein Taxi ist ein von einem Berufskraftfahrer geführtes Individualverkehrsmittel, mit dem Personen entgeltlich an Orte ihrer Wahl befördert werden.
Zum Führen eines Taxis ist in Deutschland ein Personenbeförderungsschein notwendig, der von der Straßenverkehrszulassungsbehörde erteilt wird. Man braucht dafür mindestens zwei Jahre Fahrpraxis, gute Ortskenntnis, Führungszeugnis, eine medizinisch- psychologische Untersuchung (MPU) und einen Auszug aus dem Punktekonto in Flensburg. Innerhalb des Pflichtfahrgebiets besteht Beförderungspflicht. Der Fahrer eines freien Taxis darf also grundsätzlich keine Fahrt ablehnen, außer, er sieht seine Sicherheit gefährdet, zum Beispiel bei erheblicher Alkoholisierung oder Aggressivität des Fahrgastes.
Taxis stehen auf gekennzeichneten Halteplätzen bereit, um auf Kundschaft zu warten. Nur mit Auftrag dürfen sie auch an anderen Orten auf Fahrgäste warten. Taxifahrer sind verpflichtet, immer die kürzeste Fahrtstrecke zu wählen - außer, der Kunde legt eine andere Strecke fest. Fährt das Taxi offensichtlich eine falschen, zu langen Weg, kann sich der Gast später beim zuständigen Ordnungsamt beschweren. Hierfür benötigt er die Quittung mit Angabe der Taxinummer sowie des Einstiegs- und des Zielorts.


