Dem Crash auf der Spur
Wo Menschen komplexe technische Systeme nutzen, da ist mit Fehlern zu rechnen. Besonders dramatisch zeigt sich das im Luftverkehr. Wenn bei einem Flugzeug die Technik versagt, droht Gefahr am Himmel.Der Airbus A 310-304 startet um 10:59 Uhr in Chania auf Kreta. Ziel ist Hannover. An Bord sind acht Besatzungsmitglieder und 142 Urlauber. Um es vorwegzunehmen: Diesmal müssen weder Voice Recorder noch Flugdatenschreiber gesucht werden. Sie stecken wohlbehalten im Flugzeug-Heck. Es gibt keine Toten, keine Schwerverletzten. Die Piloten haben Schlimmeres verhindert. Aber der Schreck steckt allen in den Knochen. Was ist geschehen?
Erhöhter Luftwiderstand
Kurz nach dem Start zeigen optische Signale an, dass sich das rechte Fahrgestell nicht einfahren lässt. Die Mechanik hat versagt - Entscheidung des Flugkapitäns: "Wir fliegen mit ausgefahrenen Fahrgestellen weiter." Klar ist jedoch: Hannover kann nicht mehr erreicht werden. Der Spritverbrauch läge wegen des erhöhten Luftwiderstands erheblich über den Vorräten in den Tanks. Ausweichziel: Airport München. Ein anderer Airbus soll von dort aus die Passagiere weiterbefördern. Meldungen gehen an die Einsatzzentrale.
Diskussionen im Cockpit
Wozu gibt es an Bord hoch entwickelte Computertechnik? Auch der Treibstoffbedarf lässt sich unter den verschiedensten Vorgaben exakt berechnen. Zuständig ist das Flight Management System (FMS). FMS hält den Flug nach München - mit ausgefahrenen Fahrgestellen - für sicher durchführbar. Die Männer im Cockpit atmen auf. Doch plötzlich erscheinen irritierende Anzeigen auf dem Instrumentenbrett: Mit den Kraftstoffvorräten scheint es schneller zu Ende zu gehen, als das FMS kalkuliert hatte - neues Flugziel: Wien.
Diskussionen im Cockpit
Das Vertrauen der Besatzung ins FMS mag erschüttert sein, dennoch: Wien liegt innerhalb des Aktionsradius. Der Kraftstoff reicht. Zwar gibt es Diskussionen im Cockpit, wie der Voice Recorder später ausweist: Vorschläge, auf einem näher gelegenen Flughafen zu landen, werden aber abgewiesen. Schon ist es Zeit, den Sinkflug auf Wien-Schwechat einzuleiten. Da wirft der Copilot einen Blick auf die Tankanzeige.
"Erkläre Luftnotlage"
Diesmal ist die Situation kritisch: Präzise Vorschriften legen Mindest-Kraftstoffreserven für Landungen fest; etwas Treibstoff soll zur Sicherheit immer übrig bleiben. Jene Minimalmenge wird, wie die weniger hoch technisierte Tankanzeige im Gegensatz zum FMS zeigt, voraussichtlich unterschritten. Die Besatzung ist zwar überzeugt, in Wien sicher landen zu können, erklärt zu diesem Zeitpunkt aber Luftnotlage...
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