Eine neue Ära?
Vor langer Zeit schon sind die silbernen Giganten vom Himmel verschwunden - zu viele Schwächen wiesen ihre Konstruktionen auf. Doch die sollen bald beseitigt werden. Kommt dann eine neue Ära?Ein Blimp als Attraktion über Luzern.
Sicher und energieeffizient
Die Ingenieure hatten dabei die Vorteile der Luftschiffe im Blick: Die Gefährte besitzen eine ruhige Fahrweise, können lange Zeit über einem Ort stehen, sind sicher, energieeffizient und kosteneffektiv und erzeugen bei Solarbetrieb keine Abgase. Dadurch entstehen besonders heute vielfältige Möglichkeiten der Nutzung.
So können Luftschiffe beispielsweise zum Transport schwerer Lasten eingesetzt werden, zur Weiterleitung von Funksignalen, für Beobachtungsaufgaben und Messungen oder als Fernsehplattformen. Über dem Bodensee zieht ein mit Touristen besetztes Luftschiff seine Kreise. Und auch als auffällige und bunte Werbeflächen für Bier, Versicherungen und andere nützliche Dinge sieht man Luftschiffe heute wieder am Himmel.
Mit den imposanten "fliegenden Zigarren" der vergangenen Ära haben sie jedoch wenig zu tun. Die guten alten Zeppeline sind starre Konstruktionen. Bei ihnen nimmt ein festes Innengerüst, das dem Schiff die Form gibt, alle auftretenden Massen- und Antriebskräfte auf. Als Innengerippe wurde oft ein Aluminium-Gerüst verwendet, das mit Stahlseilen verspannt ist. Die Traggaszellen hängen hier einzeln in der Konstruktion und können sich in Abhängigkeit von der umgebenden Dichte ausdehnen und zusammenziehen.
Säcke voll Luft
Luftschiffe jüngerer Generation dagegen sind keine "Zeppeline", sondern einfache, aber lenkbare Ballons - so genannte Blimps: Diese Prall-Luftschiffe haben keine oder nur wenige starre Bauteile. Ihre stabile Form erhalten sie durch den Innendruck des Ballons. Dafür sind in der Hülle ein oder mehrere Ballonets integriert.
Diese Ballonets sind mit Ventilen versehene Luftsäcke, die den Druck konstant halten. Befindet sich im vorderen oder hinteren Ballonet mehr Luft und das Luftschiff fängt an vorn oder hinten zu sinken oder aufzusteigen, kann der Pilot die Füllmenge über einen Hebel regulieren. Firmen unter anderem in den USA und in Deutschland bauen solche Prall-Luftschiffe.
Vielfältige Formen
Bereits seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts gibt es, als Zwitter zwischen den Blimps und den starren Luftschiffen, die so genannten Halbstarren Luftschiffe. Ihre Formen sind sehr vielfältig. Alle Kiel-Luftschiffe gehören dazu. Der Kiel läuft als festes Gerippe unter der Hülle. Er unterstützt die tragende Außenhülle. Die Struktur kann als Laufgang und Depot verwendet werden. Am Kiel sind die Passagier- und Besatzungsgondel angebracht sowie das Leitwerk mit Rudern.
Ursprünglich waren Luftschiffe mit Wasserstoffgas gefüllt. Wegen seiner leichten Brennbarkeit tauschte man es gegen das wesentlich teurere - aber nicht brennbare - Helium aus. Auch Heißluft-Luftschiffe gibt es: Wie Ballons heben sie ab, weil die Luft im Innern erwärmt wird und so Autrieb erzeugt. Ihren Vortrieb erhalten Luftschiffe meist durch motorbetriebene Propeller. Ändert sich die Thermik, kann der Pilot das Luftschiff über die Steuer des Leitwerkes und die Ruder in der Höhen- und Seitenlage steuern.
Auch wenn die Technik voran kommt, Luftschiffe sicherer und vielseitiger werden und neue Aufgaben übernehmen - am Himmel sind sie nach wie vor Ausnahmeerscheinungen. Nur rund ein halbes Dutzend Luftschiffe sind in Deutschland zugelassen. Aufmerksamkeit bekommen die Gefährte vor allem dann, wenn etwas schiefgeht: Erst im Juni 2011 ging ein Luftschiff in Flammen auf und stürzte ab, der Pilot kam dabei ums Leben.
Christiane Nienhold/Urte Paul (aktualisiert 19.07.2011)
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Die Spezialisten
Zeppeline können Flugzeugen keine Konkurrenz machen, sind aber dank ihrer Flugeigenschaften für Spezialaufgaben im Luftverkehr geeignet. Weil sie in niedriger Höhe mit gemächlicher Geschwindigkeit fliegen, werden sie zum Beispiel für Rundflüge eingesetzt.
Im Juli 2007 stiegen Wissenschaftler des Forschungszentrums Jülich mit einem Zeppelin auf; in der Luft stehend sammelten sie Messwerte über Gase in der Troposphäre. In Botswana wurde ein Zeppelin bei der Suche nach Diamantenfeldern eingesetzt.
In Zukunft wären Luftschiffe als Schwerlasttransporter für entlegene Gebiete denkbar. Sie können schwebend be- und entladen werden, sind nicht auf Infrastruktur wie Straßen und Schienen angewiesen und belasten die Umwelt weniger als Flugzeuge. Konkrete Pläne für ein Riesenluftschiff, das 160 Tonnen Last transportieren sollte, hatte zum Beispiel das Berliner Unternehmen Cargolifter. Weil Investoren fehlten, musste die Firma jedoch 2002 Insolvenz anmelden.
Mittlerweile tüfteln US-Ingenieure an einem Hybrid-Lastluftschiff, das die Vorteile von Flugzeug und Luftschiff kombiniert. Der Flug des Prototyps im März 2011 verlief nach Angaben der Hersteller erfolgreich. Ob und wann der Dynalifter in Serie geht, ist allerdings noch offen.
Zeppeline können Flugzeugen keine Konkurrenz machen, sind aber dank ihrer Flugeigenschaften für Spezialaufgaben im Luftverkehr geeignet. Weil sie in niedriger Höhe mit gemächlicher Geschwindigkeit fliegen, werden sie zum Beispiel für Rundflüge eingesetzt.
Im Juli 2007 stiegen Wissenschaftler des Forschungszentrums Jülich mit einem Zeppelin auf; in der Luft stehend sammelten sie Messwerte über Gase in der Troposphäre. In Botswana wurde ein Zeppelin bei der Suche nach Diamantenfeldern eingesetzt.
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Mittlerweile tüfteln US-Ingenieure an einem Hybrid-Lastluftschiff, das die Vorteile von Flugzeug und Luftschiff kombiniert. Der Flug des Prototyps im März 2011 verlief nach Angaben der Hersteller erfolgreich. Ob und wann der Dynalifter in Serie geht, ist allerdings noch offen.



