Fliegende Zigarren
Zeppeline - so nannten die Leute voller Ehrfurcht die gewaltigen Luftschiffe, die Graf von Zeppelin ab 1900 baute. Doch der findige Graf brauchte einen langen Atem, bevor sein Traum Wirklichkeit wurde.Ferdinand Graf von Zeppelin (1838 bis 1917) hatte 1874 erstmals die Idee zum Bau eines Luftschiffs. Über zwanzig Jahre später wurde sie Realität.
Depeschen-Ballone
Als Offizier im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 beobachtete er, wie die Franzosen zur Aufklärung und zum Austausch von Informationen zwischen belagerten und freien Gebieten Ballons verwendeten.
Nach dem Abschied aus dem Militärdienst, mit 52 Jahren, befasste sich Graf Zeppelin ab 1891 intensiv mit der Entwicklung eines lenkbaren, von Motoren angetriebenen Luftschiffes. 1894 erwarb er ein Deutsches Reichspatent auf einen "lenkbaren Luftzug" - vom Patentamt in die Gruppe Spiele und Sport eingeteilt.
"Der Narr vom Bodensee"
Zwei Jahre bemühte sich der schwäbische Erfinder um Förderer für sein ehrgeiziges Projekt. Aber erst als zwei Franzosen, in jener Zeit der Deutschen schlimmste Feinde, ein steuerbares Luftschiff starteten, fand der "närrische Graf vom Bodensee" Gehör beim Militär. 1896 trat er dem Verein Deutscher Ingenieure bei, der ihn in seinem Projekt unterstützte.
Mit einem Stammkapital von 800.000 Goldmark, das zur Hälfte aus seinem Privatvermögen stammte, gründete Zeppelin 1898 die Aktiengesellschaft zur Förderung der Luftschifffahrt. Am 2. Juli 1900 stieg die LZ 1, das erste Ganzmetall-Luftschiff von Graf Zeppelin, in Manzell am Bodensee auf. Der Rumpf war als festes, starres Gerüst konstruiert, damit während des Fluges Lenkbarkeit und Flugstabilität gewährleistet blieben.
Das 1922 gebaute Luftschiff LZ 127 wurde zu Ehren seines Erfinders Graf Zeppelin genannt - im Volksmund hießen die Himmelsgiganten längst Zeppeline.
Die LZ 1 war ein 128 Meter langes und 12 Meter breites Gerippe aus Aluminium, das mit Stoff bespannt war. 11.300 Kubikmeter Wasserstoff dienten als Traggas. Unterhalb des starren Rumpfes hingen zwei 15-PS-starke Daimler-Benz-Motoren in je einer Gondel vorn und hinten. Sie trieben zwei Schrauben aus Aluminium an. Durch die Luft-Schrauben und ein Leitwerk am Heck konnte das Luftschiff in jede beliebige Richtung manövriert werden. Obwohl der Jungfernflug erfolgreich war, sank das Interesse der Geldgeber an der Weiterentwicklung.
Den Bau eines zweiten Luftschiffes, der LZ 2, finanzierte Graf Zeppelin durch den Erlös einer Lotterie. Das dritte Luftschiff LZ 3 bezahlte er aus seinem Vermögen. Und endlich konnte der ambitionierte Ingenieur wieder die Aufmerksamkeit der Generäle erringen: Die Militärverwaltung in Berlin erklärte sich bereit, ein Luftschiff von Zeppelin zu kaufen. Am 3. August 1908 erfüllt die LZ 4 alle Entfernungs- und Geschwindigkeitsanforderungen; zwei Tage später allerdings verbrannte das vierte Luftschiff während eines Sturms in Echterdingen bei Stuttgart.
6,35 Millionen Mark Anteilnahme
Die öffentliche Anteilnahme am Unglück war so groß, dass Graf Zeppelin sein Werk fortführen konnte: 6,35 Millionen Mark an Spenden gingen ein. Die "fliegenden Zigarren" erregten damals bei der Bevölkerung großes Aufsehen, wenn sie plötzlich am Himmel auftauchten und mit lautem Brummen ihre Bahnen zogen. 1909 gründete Zeppelin die Luftschiffbau Zeppelin GmbH, wo er in den kommenden Jahren Luftschiffe für die zivile und militärische Nutzung bauen ließ.
Die Luftschiff-Technologie stieß auch in den USA auf Interesse: Für die US-Navy wurden Zeppeline wie die USS Macon (1933) gebaut.
Verbot der Luftschifffahrt
26 neue Luftschiffhallen entstanden, unter anderem in Nordholz und Tondern. Allerdings waren die Luftschiffe nicht so erfolgreich wie erhofft: Wegen ihrer Größe und Langsamkeit boten sie den kleinen und schnellen Jagdflugzeugen eine ideale Angriffsfläche. Von 75 eingesetzten Luftschiffen gingen 52 verloren, vierzig Prozent der Besatzungen kehrten nicht zurück.
Die letzten verbliebenen Luftschiffe mussten gemäß den Bestimmungen des Versailler Vertrags ausgeliefert werden; die Produktion von Luftschiffen für militärische und zivile Nutzung blieb Deutschland untersagt. Allerdings bestellten die USA einige Jahre später im Rahmen der Reparationsleistungen bei der Zeppelin GmbH ein Luftschiff für die US-Kriegsflotte.
Um die Welt in zwanzig Tagen
1922 entstand die Los Angeles, auch LZ 126, das größte bis dahin gebaute Luftschiff der Welt. Im selben Jahr wurde die LZ 127 gebaut, zu Ehren ihres Konstrukteurs Graf Zeppelin genannt. 1929 stellte das 236 Meter lange Luftschiff einen Rekord auf: Es flog in 20 Tagen, 4 Stunden und 13 Minuten mit 54 Passagieren 33.000 Kilometer um die Welt.
Es war die Zeit der luxuriösen Passagierfahrten mit dem Luftschiff. Die Fahrgäste glitten in geringer Höhe über fremde Länder hinweg und bekamen dazu noch alle möglichen Bequemlichkeiten wie Porzellanservices im Speisesaal. So konnte man zum Beispiel mit der Graf Zeppelin im planmäßigen Linienverkehr zwischen Berlin und Südamerika reisen. Und die Schiffe sollten noch größer werden. Höhepunkt des Luftschiffbaus war die Hindenburg: Sie war 254 Meter lang, hatte einen Rumpfdurchmesser von 41,2 Metern und ein Gasvolumen von 200.000 Kubikmetern. Sie konnte fünfzig Passagiere bequem mit einer Höchstgeschwindigkeit von 125 Kilometern pro Stunde transportieren.
6. Mai 1937: Beim Landeanflug auf den Haltepunkt Lakehurst in den USA fängt die Hindenburg Feuer und verbrennt fast vollständig.
Wegen des US-amerikanischen Wirtschaftsembargos gegen die nationalsozialistische Regierung des Deutschen Reichs konnte die Hindenburg 1936 nicht wie vorgesehen mit unbrennbarem Heliumgas gefüllt werden, sondern wurde mit Wasserstoffgas betrieben.
Ein Jahr lang fuhr das Luftschiff eine regelmäßige Linienverbindung zwischen Deutschland und Südamerika. Bis zum 6. Mai 1937: Im Anflug auf den US-amerikanischen Haltestützpunkt Lakehurst fing die Hindenburg achtzig Meter über dem Boden Feuer. 36 Menschen kamen ums Leben. Die Ursache für den Brand wurde nie geklärt. Der Luftschiffbau ging dennoch weiter.
Für lange Zeit das Ende
Ihr Ende fand die Epoche der großen Starrluftschiffe erst 1940. Die deutschen Militärs stellten sie wieder in ihren Dienst, das dringend benötigte Helium aber blieb weiterhin knapp. Auf Befehl von Herrmann Göring wurden die letzten verbliebenen Luftschiffe schließlich abgewrackt. Es war für lange Zeit das Ende der Himmelsgiganten.
Christiane Nienhold/Urte Paul (aktualisiert 19.07.2011)
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Leichter als Luft
Sie waren die ersten Himmelsstürmer: Ballone. Neben anderen Tüftlern trieben die französischen Brüder Montgolfier um 1780 deren Entwicklung voran. Die Papierfabrikanten und Mitglieder der französischen Akademie der Wissenschaften experimentierten erfolgreich mit "brennbarer Luft".
Basierend auf Erkenntnissen verschiedener Physiker über das "Zustandsverhalten der Luft und anderer Gase" erforschten sie mit aufsteigendem Rauch das Prinzip Leichter als Luft. Ein ordentliches Feuerchen unter einer Hülle aus Leinwand sorgte dafür, dass ihr erster Ballon abhob: Sein Gewicht war leichter als das der kalten Umgebungsluft, wodurch der Ballon den nötigen Auftrieb bekam.
Das Prinzip Leichter als Luft gilt auch für Luftschiffe, die im Grunde stromlinienförmige Ballons sind. Mit einem Unterschied: Während ein Ballon von der herrschenden Windrichtung abhängt, kann ein Luftschiff mit Hilfe von Propellern und Leitwerk gelenkt werden.
1852 steuerte der französische Ingenieur Henri Giffard sein dampfmaschinenbetriebenes Luftschiff schon in jede gewünschte Richtung. Jedoch erst zu Beginn des Zwanzigsten Jahrhunderts wurden praktisch nutzbare Luftschiffe entwickelt.
Sie waren die ersten Himmelsstürmer: Ballone. Neben anderen Tüftlern trieben die französischen Brüder Montgolfier um 1780 deren Entwicklung voran. Die Papierfabrikanten und Mitglieder der französischen Akademie der Wissenschaften experimentierten erfolgreich mit "brennbarer Luft".
Basierend auf Erkenntnissen verschiedener Physiker über das "Zustandsverhalten der Luft und anderer Gase" erforschten sie mit aufsteigendem Rauch das Prinzip Leichter als Luft. Ein ordentliches Feuerchen unter einer Hülle aus Leinwand sorgte dafür, dass ihr erster Ballon abhob: Sein Gewicht war leichter als das der kalten Umgebungsluft, wodurch der Ballon den nötigen Auftrieb bekam.
Das Prinzip Leichter als Luft gilt auch für Luftschiffe, die im Grunde stromlinienförmige Ballons sind. Mit einem Unterschied: Während ein Ballon von der herrschenden Windrichtung abhängt, kann ein Luftschiff mit Hilfe von Propellern und Leitwerk gelenkt werden.
1852 steuerte der französische Ingenieur Henri Giffard sein dampfmaschinenbetriebenes Luftschiff schon in jede gewünschte Richtung. Jedoch erst zu Beginn des Zwanzigsten Jahrhunderts wurden praktisch nutzbare Luftschiffe entwickelt.
Infobox
Meilensteine
15.11.1782: Joseph Montgolfier läßt in Avignon den ersten kleinen Heißluftballon in die Höhe steigen.
4.6.1783: Joseph und Etienne Montgolfier stellen in Annonay der Öffentlichkeit einen Heißluftballon vor.
19.9.1783: Ein Schaf, ein Hahn und eine Ente sind die ersten lebenden Geschöpfe, die mit einem Heißluftballon in die Höhe steigen. Ort des Geschehens ist Versailles.
15.10.1783: Pilâtre de Rozier steigt als erster Mensch mit einem gefesselten Heißluftballon auf.
25.4.1784: Guyton de Morveau und der Abbé Bertrand führen in Dijon die ersten Steuerungsversuche mit einem Ballon durch.
4.6.1784: Madame Thible unternimmt in Lyon als erste Frau einen Aufstieg mit einem Ballon.
1803/1807: Jacques Garnerin schafft die ersten Langstreckenfahrten: von Moskau nach Polowa (320 Kilometer) und von Paris nach Clausen (400 Kilometer).
9.6.1844: Dr. Le Berrier stellt in Paris das Modell eines Luftschiffs mit Dampfantrieb vor. Der Versuch abzuheben schlägt fehl - die aufgebrachte Meute zerstört das Gefährt.
24.9.1852: Henri Giffard gelingt die erste bemannte Fahrt in einem Luftschiff mit mechanischem (Dampf-)Antrieb.
9.8.1884: Charles Renard und Arthur Krebs starten in Chalais-Meudon bei Paris in einem Luftschiff mit Elektroantrieb zu einer ersten Rundfahrt in geschlossener Strecke.
3.7.1900: Das erste Starrluftschiff von Graf Zeppelin startet am Bodensee.
15.11.1782: Joseph Montgolfier läßt in Avignon den ersten kleinen Heißluftballon in die Höhe steigen.
4.6.1783: Joseph und Etienne Montgolfier stellen in Annonay der Öffentlichkeit einen Heißluftballon vor.
19.9.1783: Ein Schaf, ein Hahn und eine Ente sind die ersten lebenden Geschöpfe, die mit einem Heißluftballon in die Höhe steigen. Ort des Geschehens ist Versailles.
15.10.1783: Pilâtre de Rozier steigt als erster Mensch mit einem gefesselten Heißluftballon auf.
25.4.1784: Guyton de Morveau und der Abbé Bertrand führen in Dijon die ersten Steuerungsversuche mit einem Ballon durch.
4.6.1784: Madame Thible unternimmt in Lyon als erste Frau einen Aufstieg mit einem Ballon.
1803/1807: Jacques Garnerin schafft die ersten Langstreckenfahrten: von Moskau nach Polowa (320 Kilometer) und von Paris nach Clausen (400 Kilometer).
9.6.1844: Dr. Le Berrier stellt in Paris das Modell eines Luftschiffs mit Dampfantrieb vor. Der Versuch abzuheben schlägt fehl - die aufgebrachte Meute zerstört das Gefährt.
24.9.1852: Henri Giffard gelingt die erste bemannte Fahrt in einem Luftschiff mit mechanischem (Dampf-)Antrieb.
9.8.1884: Charles Renard und Arthur Krebs starten in Chalais-Meudon bei Paris in einem Luftschiff mit Elektroantrieb zu einer ersten Rundfahrt in geschlossener Strecke.
3.7.1900: Das erste Starrluftschiff von Graf Zeppelin startet am Bodensee.



