Zweites Standbein
Meist konzentrieren sich Bauernhöfe heute auf einen landwirtschaftlichen Bereich. Die Spezialisierung birgt auch die Gefahr hoher Verluste. Viele Bauern suchen deshalb weitere Einnahmequellen.Juli 2006: Die heißen Tage setzten den Getreidefeldern zu, Ernteausfälle drohen.
Fortschreitende Spezialisierung
Wie kommt es, dass ein langer und trockener Sommer solch katastrophale Auswirkungen hat? Ein Grund kann in der Industrialisierung und mit ihr in der Entwicklung moderner Landmaschinen gesehen werden. Der traditionelle Bauernhof entfernt sich immer mehr von seinem ursprünglichem Aufgabenbereich, erfährt seit rund fünfzig Jahren eine fortschreitende Spezialisierung. Modernisierung bringt es mit sich, dass in der Landwirtschaft mit weniger Arbeitsaufwand größere Einheiten bearbeitet werden können.
Licht und Schatten
Doch: Die technische Erleichterung birgt ein neues Problem: "Getreide wächst heute nicht mehr von selbst", stellt Udo Hemmerling, Wirtschaftsreferent des Deutschen Bauernverbandes (DBV), fest. "Der Landwirt muss die genaue Nährstoffversorgung im Boden und den Nährstoffbedarf der Pflanzen beachten, entscheidet dann konkret, welches Mittel wo einzusetzen ist, und kann anschließend gezielt düngen. Der Bauer von heute ist also nicht mehr nur Herr über Tier, Feld und Flur, er muss seinen Betrieb professionell managen und sich dem Fortschritt anpassen."
Die Spezialisierung der Betriebe ermöglicht es ihnen, effizienter zu arbeiten und ihre Erträge zu erhöhen.
Das zeigt sich auch am Einkommen der Haupterwerbsbetriebe, den Betrieben, die nur von der Landwirtschaft leben. Das lag im Jahr 2005 pro Arbeitskraft und Monat bei rund als 2.000 Euro Brutto. Neben den Erträgen hängt das Einkommen in der Landwirtschaft von den Preisen ab, die die Produkte erzielen: So glichen 2006 gestiegene Preise Ertragsrückgänge aus. Der umgekehrte Fall könnte 2009 eintreten. Die Ernte war laut Bauernverband "mehr als zufrieden stellend", doch liegen die Preise für einzelne Getreidesorten bis zu 45 Prozent unter Vorjahresniveau.
Existenzen in Gefahr
Die Abhängigkeit von nur einer Einnahmequelle ist die Schattenseite der Modernisierung. Sie betrifft nicht nur Ackerbauern, sondern auch Viehzüchter: In den vergangenen Jahren traten vermehrt Tierkrankheiten auf, sei es Vogelgrippe, Rinderwahn oder Schweinepest. Krankheiten und Dürre bedrohen vor allem hoch spezialisierte Bauernhöfe, ihre Existenz gerät in Gefahr.
Bauernhof im bayerischen Leeder: Den Kern bildet das Wohnhaus; in der Nähe liegen Stallungen und Speicher.
Alternative Einnahmequellen
Nicht viel anders ergeht es den Bauernhöfen, die versuchen, möglichst viele traditionelle Aspekte eines landwirtschaftlichen Betriebes beizubehalten. Wer sich allerdings wirklich noch dem klassischen bäuerlichen Leben widmen möchte, der muss sich auch hier eine zweite Existenz aufbauen - Agrotourismus ist das Stichwort. Wie sieht so etwas aus? Eine Schar neugieriger Besucher hinter sich herziehend, huscht die Bäuerin mit einem Korb voll Gemüse über den Hof - auf der linken Seite die Stallungen, rechts das Haupthaus. Weiter geht es zu den Pferdeställen - zwischendurch noch schnell einen Kaffee in der hauseigenen Cafeteria. Bauern müssen sich alternative Einnahmequellen suchen, damit der Bauernhof für sie rentabel bleibt.
Zwischen Heugabel und Pferdekoppel
Über 20.000 Betriebe bieten allein deshalb in Deutschland Urlaub zwischen Heugabel und Pferdekoppel an. Bedient wird hiermit die Nachfrage der städtischen Bevölkerung ohne familiäre Bindung zum Landleben, die seit den 1970er Jahren wieder vermehrt Kontakt zur Natur und somit auch zum Bauernhof sucht.
Vom Nachbarn übernommen
Wer sich als Landwirt keinem der beiden Modelle anschließt, muss nicht selten seinen Hof verkaufen: "Bis zu 15.000 Betriebe werden jährlich von ihren Betreibern aufgegeben, meist übernehmen Nachbarn das bäuerliche Anwesen und integrieren es in ihr eigenes, um selbst effizienter arbeiten zu können", berichtet Wirtschaftsreferent Hemmerling.
Anhaltender Trend
Der Trend in beiden Bereichen, sowohl in dem der Spezialisierung, wie auch in dem des Agrotourismus und des Direktverkaufs, dürfte weiter anhalten, scheint es. Immer mehr Bauern müssen sich durch eine alternative Einnahmequelle ihre Existenz sichern, wenn sie ihren Hof nicht verlieren wollen.
Kerstin Wegener (21.08.2006/aktualisiert 30.09.2009)
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Der ländliche Betrieb...
bildete bereits im 19. Jahrhundert eine abgeschlossene Einheit, den so genannten Bauernhof. Er war durch seine Vielseitigkeit gekennzeichnet; der Bauer züchtete neben Schweinen, Pferden und Kühen auch Kleinvieh. Zum Arbeitsalltag des Bauern gehörte es, das Vieh zu füttern, den Stall auszumisten und die gemolkene Milch weiterzuverarbeiten. Mit den Erträgen wurde die eigene Familie ernährt.
Zum Hof gehörte das Hauptgebäude, in welcher die bäuerliche Familie lebte. Daneben gab es noch diverse Stallungen für das Vieh, Weiden und die zu beackernden Flächen. Bäuerin und Bauer genossen in der Gesellschaft ausgesprochen hohes Ansehen.
bildete bereits im 19. Jahrhundert eine abgeschlossene Einheit, den so genannten Bauernhof. Er war durch seine Vielseitigkeit gekennzeichnet; der Bauer züchtete neben Schweinen, Pferden und Kühen auch Kleinvieh. Zum Arbeitsalltag des Bauern gehörte es, das Vieh zu füttern, den Stall auszumisten und die gemolkene Milch weiterzuverarbeiten. Mit den Erträgen wurde die eigene Familie ernährt.
Zum Hof gehörte das Hauptgebäude, in welcher die bäuerliche Familie lebte. Daneben gab es noch diverse Stallungen für das Vieh, Weiden und die zu beackernden Flächen. Bäuerin und Bauer genossen in der Gesellschaft ausgesprochen hohes Ansehen.
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Agrotourismus...
bezeichnet ein touristisches Angebot im ländlichen Raum. Die Touristen werden auf dem Bauernhof beherbergt und lernen den bäuerlichen Betrieb aus nächster Nähe kennen. Neben den Tieren, mit denen sie in Kontakt kommen, können sie hofeigene Produkte probieren oder beispielsweise Melkmaschinen begutachten.
Der Agrotourismus ermöglicht den Bauern eine zweite Einnahmequelle neben der Landwirtschaft. Diese Art des Tourismus ist in weiten Teilen Europas bekannt: In der Schweiz, in Österreich, Frankreich und auf Mallorca kann man ebenfalls Ferien auf dem Bauernhof erleben.
bezeichnet ein touristisches Angebot im ländlichen Raum. Die Touristen werden auf dem Bauernhof beherbergt und lernen den bäuerlichen Betrieb aus nächster Nähe kennen. Neben den Tieren, mit denen sie in Kontakt kommen, können sie hofeigene Produkte probieren oder beispielsweise Melkmaschinen begutachten.
Der Agrotourismus ermöglicht den Bauern eine zweite Einnahmequelle neben der Landwirtschaft. Diese Art des Tourismus ist in weiten Teilen Europas bekannt: In der Schweiz, in Österreich, Frankreich und auf Mallorca kann man ebenfalls Ferien auf dem Bauernhof erleben.



