In der Talsohle
Anfang der 1990er Jahre kurbelte die Hoffnung auf den Aufschwung Ost die Baubranche an. Nach dem Ende der Euphorie ging es allerdings abwärts, und auch 2009 sind die Aussichten nicht gerade rosig."Gebaut wird immer", heißt es im Volksmund. Allerdings wird mal mehr gebaut, und mal weniger. In letzter Zeit war es eher weniger: seit 1995 steckt die Baubranche in Deutschland in der Krise. Das Statistische Bundesamt gibt an, dass zwischen 1995 und 2006 die Zahl von Betrieben mit mindestens zwanzig Mitarbeitern um fast die Hälfte zurückgegangen ist - von einst fast anderthalb Millionen Beschäftigten sind nur etwa 621.000 verblieben, der Jahresumsatz schrumpfte von 123 Milliarden auf 78,6 Milliarden Euro.
Formidable Aussichten
Dabei waren die Aussichten Anfang der 1990er Jahre formidabel: Der Optimismus auf den Aufschwung Ost kurbelte den Bau an, steuerliche Sonderabschreibungen machten die Finanzierung einfach. Die Investitionen in den Wohnungsbau in den neuen Bundesländern vervierfachten sich zwischen 1991 und 1996. Mit Blick auf die Dienstleistungsgesellschaft der Zukunft entstanden auch zahllose Bürogebäude. Jahrzehnte lang vernachlässigte Innenstädte lebten wieder auf - in Görlitz zum Beispiel wurden fast viertausend Baudenkmäler saniert.
Nach dem Rausch
Doch auf den Bau-Rausch folgte das böse Erwachen, besser gesagt: der große Leerstand. 1997 hatten in Dresden fast ein Fünftel aller Büros und 13 Prozent der Wohnungen keine Mieter; auch in Görlitz blieben zahlreiche mühevoll sanierte Altbauten unbewohnt. Angelockt von steuerlichen Vergünstigungen, hatten viele Investoren das Risiko von Bauinvestitionen unterschätzt - Pleiten und Zwangsversteigerungen waren die Folge. Die Abwanderung aus dem Osten in den Westen tat ihr Übriges. 2001 standen in Ostdeutschland 1,3 Millionen Wohnungen leer.
Im freien Fall
Im gleichen Jahr befand die Architektenkammer Thüringen: "Die Bauwirtschaft mit den dazugehörigen Dienstleistern einschließlich der Architekten befindet sich im freien Fall." Seit 1995 war die Bautätigkeit rückläufig, nur von einem kleinen Plus 1999 unterbrochen. Gründe für den Niedergang gab es viele: Wohnungs- und Gewerbebau waren wegen der allgemeinen Marktlage kaum noch rentabel; das Ende der Sonderabschreibungen hatte Investitionen versiegen lassen; und auch die Investitionen der öffentlichen Hand waren zurückgegangen. Von Jahr zu Jahr schrumpfte das Gewerbe. Selbst Riesen der Branche waren vor dem Untergang nicht sicher: die Philipp Holzmann AG meldete 2002 Insolvenz an, ein weiterer Großer, die Walter Bau AG, folgte 2005...
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Entwicklung im Baugewerbe
(Quelle: Bericht zur Lage und Perspektive der Bauwirtschaft 2006 und 2008, herausgegeben vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR).)
| 1996 | 2002 | 2007 | |
| Baugewerbe insgesamt | |||
| Bauvolumen (in Mrd. Euro) |
209,9 | 174,7 | 166,2 |
| Zahl der Beschäftigten (in 1.000) |
2.633 | 2.063 | 1.867 |
| Anzahl der Betriebe (in 1.000) |
280,3 | 300,2 | 329,7 |
| davon Bauhauptgewerbe |
|||
| Bauvolumen (in Mrd. Euro) |
102,7 | 81,1 | 74,8 |
| Zahl der Beschäftigten (in 1.000) |
1.312 | 896 | 720 |
| Anzahl der Betriebe (in 1.000) |
75,4 | 78,5 | 74,8 |
| davon Ausbaugewerbe |
|||
| Bauvolumen (in Mrd. Euro) |
107,2 | 93,6 | 91,4 |
| Zahl der Beschäftigten (in 1.000) |
1.321 | 1.167 | 1.147 |
| Anzahl der Betriebe (in 1.000) |
204,9 | 221,7 | 254,9 |
(Quelle: Bericht zur Lage und Perspektive der Bauwirtschaft 2006 und 2008, herausgegeben vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR).)



