Alles Bio, oder was?
Lange ist die Zeit vorüber, als Käufer von Bio-Produkten noch vorwiegend Idealisten waren. Wer jetzt Bio kauft, will vor allem eines sein: gesund, fit und schön. Erhält der Kunde immer, was er wirklich will?Bio liegt im Trend: Die Umsätze der ökologischen Lebensmittelwirtschaft steigen. Im Jahr 2006 betrug das Umsatzplus 18 Prozent. Der Bio-Markt hat sich von seinem Nischendasein für eine exklusive Minderheit zu einem Markt für alle gewandelt. Wieso verzeichnet diese einst eher gering geschätzte Branche einen solchen Bedeutungszuwachs, und welche Konsequenzen ergeben sich daraus?
Kritische Bio-Kunden
Anfang der 1980er Jahre war der Abstand zwischen Ottonormalverbraucher und Leuten, die im Bio-Laden oder Reformhaus einkauften, noch erheblich. Es fiel leicht, den typischen Bio-Konsumenten zu erkennen. Nicht nur seine Kleidung hob ihn von anderen ab. Meist war er höher gebildet und hatte ein überdurchschnittliches Einkommen. Und: Der kritische und informierte Bio-Käufer hatte ein enges Vertrauensverhältnis zu seinem, demselben Milieu zugehörigen, Händler.
Man redete dieselbe Sprache, war glücklich, unter sich zu sein. Worüber man sprach - und woran man dachte - war klar: Die Motive der Öko-Bewegung, die in den 1920er Jahren ihren Ursprung haben, lagen vor allem darin, das Zusammenspiel von Menschen, Tieren und Pflanzen sowie Erde und Kosmos zu fördern. Die Erzeugung gesunder Nahrungsmittel war nicht erstes Ziel, eher eine Folge.
2001 führte Verbraucherschutzministerin Renate Künast das deutsche Bio-Siegel ein.
In den 1990er Jahren geschah etwas, das zur Aufweichung und Auflösung dieses exklusiven Milieus führte. Prominente wie Alfred Biolek oder der Feinschmecker Wolfram Siebeck bekannten sich öffentlich als Bio-Konsumenten und machten Bio auf breiter Basis gesellschaftsfähig. Plötzlich wollten immer mehr Menschen Bio. Ihnen ging es nicht mehr um die Ziele der frühen Öko-Bewegung; für sie standen die eigene Gesundheit und Attraktivität im Vordergrund.
Schutz für den Verbraucher
Die neuen Bio-Konsumenten beschäftigten sich nicht allzu intensiv mit Hintergrundwissen um ökologische Landwirtschaft, sondern vertrauten dem Markt. Auch um weniger gut informierte Verbraucher vor Irrtümern zu schützen, wurde 1991 die Europäische Öko-Verordnung verabschiedet. Sie definiert, wie landwirtschaftliche Erzeugnisse und Lebensmittel, die als Öko-Produkte gekennzeichnet sind, erzeugt und hergestellt werden müssen, führte einheitliche Kontrollen ein und schützte die Bezeichnungen Bio und Öko. Bio- Siegel auf den Produkten zeigen dem Verbraucher seither, was er kaufen sollte und was nicht...
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Das Bio-Siegel
Seit 2001 vergibt das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz das deutsche Bio-Siegel. Es kennzeichnet Produkte, deren Zutaten zu mindestens 95 Prozent aus ökologischem Anbau stammen.
Das heißt unter anderem: artgerechte Tierhaltung ohne Antibiotika und Wachstumsmittel, keine Bestrahlung von Obst und Gemüse, keine gentechnisch veränderten Organismen und keine künstlichen Dünger und Pflanzenschutzmittel. Das Bio-Siegel erlaubt jedoch bis zu 47 Zusatzstoffe, darunter Carrageen und Nitritpökelsalz. Staatlich zugelassene Kontrollstellen überprüfen regelmäßig die Einhaltung der Kriterien.
Das EU-Bio-Siegel mit der Aufschrift Ökologischer Landbau wurde von der Europäischen Kommission im März 2000 angenommen. Produzenten ökologischer Erzeugnisse können dieses Siegel auf freiwilliger Basis verwenden. Ab 2009 soll es EU-weit ein neues Bio-Siegel geben, dessen Kriterien jedoch weniger streng sind: Es lässt Spuren gentechnisch veränderter Organismen bis zu einem Grenzwert von 0,9 Prozent zu.
Seit 2001 vergibt das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz das deutsche Bio-Siegel. Es kennzeichnet Produkte, deren Zutaten zu mindestens 95 Prozent aus ökologischem Anbau stammen.
Das heißt unter anderem: artgerechte Tierhaltung ohne Antibiotika und Wachstumsmittel, keine Bestrahlung von Obst und Gemüse, keine gentechnisch veränderten Organismen und keine künstlichen Dünger und Pflanzenschutzmittel. Das Bio-Siegel erlaubt jedoch bis zu 47 Zusatzstoffe, darunter Carrageen und Nitritpökelsalz. Staatlich zugelassene Kontrollstellen überprüfen regelmäßig die Einhaltung der Kriterien.
Das EU-Bio-Siegel mit der Aufschrift Ökologischer Landbau wurde von der Europäischen Kommission im März 2000 angenommen. Produzenten ökologischer Erzeugnisse können dieses Siegel auf freiwilliger Basis verwenden. Ab 2009 soll es EU-weit ein neues Bio-Siegel geben, dessen Kriterien jedoch weniger streng sind: Es lässt Spuren gentechnisch veränderter Organismen bis zu einem Grenzwert von 0,9 Prozent zu.



