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Facebook - der Datenkrake
"Das nette 'soziale' Netzwerk lässt Big Brother blass vor Neid werden", schreibt Laudatorin Rena Tangens auf bigbrotherawards.de. Mit dem Hinweis, dass der Datenkrake grundsätzlich alles sammle, was er bekommen könne, begründet Tangens die "Preis"verleihung des Jahres 2011 in der Kategorie Kommunikation an die Facebook Deutschland GmbH, den hiesigen Ableger der Facebook Inc.

Der "Freundefinder", mit dem Nutzer verleitet werden, ihre kompletten E-Mail-Adressbücher in Facebook zu importieren, landet ebenso am Pranger der Datenschützer wie diverse Apps, die Informationen bis hin zu Fotos, Geburtsdaten und persönlichen Notizen an sich ziehen.

Dass es fast unmöglich ist, Nutzerprofile zu löschen und einmal offen gelegte Informationen zurückzunehmen, ergänzt das Bild. Im Februar 2010 kam sogar an die Öffentlichkeit, wie auch Daten von Bürgern gespeichert werden, die nicht bei Facebook angemeldet sind. Neuerdings "bereichern" Gesichtserkennungssoftware und Bewegungsprofile das Facebook-Angebot.

Wer steckt hinter Facebook? Tangens verweist etwa auf Peter Thiel, einen Hedgefonds-Manager, der mit der Gründung des Bezahldienstes PayPal reich geworden sei. "Peter Thiel ist radikal konservativ und zugleich libertär, mag Ronald Reagan und unterstützt die Tea Party Bewegung in den USA. Und er hat eine enge Verbindung zu der rechten Internetplattform TheVanguard", schreibt Tangens.

Das US-amerikanische Bankhaus Goldman Sachs investierte allein 2011 450 Millionen Dollar. Facebook erhielt seit der Gründung der Gesellschaft im Jahr 2004 in mehreren Runden ungefähr 1,24 Milliarden Dollar zu Finanzierung. Darunter sind neben dem erwähnten Peter Thiel und Goldman Sachs (mit insgesamt je 500 Millionen Dollar) eine russische Investmentfirma, die Mail.ru Group, Microsoft und der chinesische Investor Li Ka-Shing.

Geheimdienste in aller Welt greifen heute auf Facebook mit seinen derzeit rund 800 Millionen Mitgliedern zurück. Dazu zählen CIA, NSA und FBI, bis hin zum kubanischen Auslandsgeheimnis DI (Dirección de Inteligencia), um nur ein weiteres Beispiel zu nennen: Facebook-Profile und -kontakte sind bei kubanischen Migranten in den USA und Europa extrem beliebt, wie vielerorts bei Minderheiten, die sich von den Möglichkeiten der Vernetzung Vorteile versprechen. Berichtet wird, dass der iranische Geheimdienst 2009 Facebook nutzte, um Kontakte von Regimegegnern ausfindig zu machen.

Inzwischen reagiert die Politik in Deutschland: So warnte kürzlich der Präsident des  Bundesverfassungsgerichts Andreas Voßkuhle vor Facebook: Der Richter deutete an, dass das Bundesverfassungsgericht prüfen könne, ob Facebook das Recht auf informationelle Selbstbestimmung achte. Politikern und öffentlichen Institutionen in Deutschland wird empfohlen, den umstrittenen Like-Button von Facebook von ihren Internetseiten zu entfernen und auf eigene Facebook-Profile zu verzichten.

Rena Tangens berührt auf bigbrotherawards.de die wahrscheinlich wichtigste Frage: "Warum vertrauen so viele Menschen sich mit so vielen persönlichen Details Facebook an? Firmengründer Mark Zuckerberg hat es vor Jahren in einem Chat auf den Punkt gebracht: 'They trust me - dumb fucks.' - Sie vertrauen mir, die Idioten."

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Kleiner Chip mit großer Wirkung
Am Joghurtbecher aus dem Supermarkt kann der Sender stecken. Schuhsohlen oder Etiketts an Kleidungsstücken sind ebenfalls mögliche Orte für den RFID-Chip, ein millimeterkleines Stück Informationstechnologie. RFID steht für Radio Frequency Identification. Der winzige Funkchip kommt meist ohne eigene Energiequelle aus - dafür umschließt den Datenspeicher ein nur mit Lupe sichtbarer Antennendraht, der Funkwellen auffangen und in Energie umwandeln kann.

Im einfachsten Fall handelt es sich um Warensicherung, der Chip speichert dann lediglich 1 Bit. Oft aber ist die Kapazität größer, so dass alle Informationen über die Ware, an der der Chip haftet, gespeichert sind. Im Lagermanagement unbedenklich, entsteht das Problem beim Kontakt zum Konsumenten: Der "Schnüffel-Chip", so Datenschützer, kann berührungslos bis zu etwa zehn Meter Entfernung per RFID-Lesegerät ausgelesen werden.

Marketingspezialisten behaupten, die RFID-Technik sei lediglich ein verbesserter Strichcode. Kein Strichcode kann aber das Kaufverhalten von Kunden erfassen oder, da der Chip nach dem Kauf meist am Produkt verbleibt, Menschen an beliebigen Orten als Konsumenten bestimmter Erzeugnisse outen. Beeindruckend - wenden Kritiker ein - seien auch hier die Möglichkeiten, die sich aus der Verknüpfung mit Kundenkarten-Daten ergeben. Mehr zur RFID-Technologie erfährt man auf den Seiten von foebud.org.

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Muster in Datenmengen: Data Mining
Das Speichern von Daten auf Vorrat (zum Beispiel Telefon- oder Internetverbindungsdaten) ist eine Voraussetzung des Data-Mining. Darunter verstehen Fachleute die Anwendung statistisch-mathematischer Methoden auf große Datenmengen zum Zweck der Mustererkennung. Experten von Polizei und Geheimdienst versprechen sich von solchen Verfahren Chancen zur Ermittlung von "Straftätern" vor der Tat.

Luc de Raedt, Data-Mining-Spezialist an der Uni Freiberg, meint dazu: "In den gespeicherten Daten ein Muster zu entdecken, das ernstlich kriminelles Verhalten charakterisiert, ist meines Erachtens jenseits des Standes der Technik." Unklar sei, ob die Kommunikation von Kriminellen andere Muster aufweise als diejenige unbescholtener Bürger.