Gesellschaftsfähig
Zwei Herren gründeten die berühmteste Schnüffler-WG der Welt: Sherlock Holmes und Dr. Watson. 1887 gingen der Meisterdetektiv und sein Assistent erstmals auf Schurkenjagd.Sir Arthur Conan Doyles erster Sherlock- Holmes-Roman Eine Studie in Scharlachrot erschien im Jahr 1887.
Eifrig und gefühllos
Stamford warnt den Freund: Holmes habe seltsame Angewohnheiten und eine Leidenschaft für die Wissenschaften. Was er genau mache, wisse niemand; er sei in der Anatomie gut bewandert und ein vorzüglicher Chemiker. Nur scheine er weder Medizin noch ein anderes Fach bis zum Abschluss studiert zu haben. Dennoch sei er bei seinen Studien mit Feuereifer bei der Sache, wenn auch etwas überspannt und unmethodisch. Sherlock Holmes verfüge über umfangreiches Wissen auf verschiedensten Gebieten. Nach Stamfords Geschmack ist er jedoch "allzu sehr Wissenschaftler. Das grenzt schon an Gefühllosigkeit. Ich halte es nicht für undenkbar, dass er einem guten Freund eine kleine Dosis von einem neuen Gift verabreichen würde. Nicht aus Bosheit, nur um die Wirkung zu erforschen."
Superhirn mit Depressionen
Watson, vor kurzem aus dem Krieg der Briten in Afghanistan zurückgekehrt und auf Wohnungssuche, lässt sich von derlei Warnungen nicht schrecken. Gemeinsam beziehen Holmes und Watson, die unterschiedlicher nicht sein könnten, eine Wohnung in der Baker Street 221b. Watson, oft als bieder und naiv beschrieben, ist ein nüchterner Durchschnittsengländer, geradlinig und mit gesundem Menschenverstand. Im Kontrast dazu steht Holmes, der geniale Ermittler: sprunghaft, arrogant und eitel; ein Einzelgänger mit sozialen Defiziten und Defekten. So lässt sein Schöpfer das Superhirn an Depressionen leiden - kriminalistische Genialität und die Fähigkeit, die Perspektiven von Opfern und Tätern zu übernehmen, fordern ihren Preis. Und Holmes lechzt nach Drogen: Kokain und Morphium mildern die Langeweile in Zeiten mangelnder intellektueller Herausforderung.
Angenehme Wirkungen
Dies scheint so gar nicht zum "unfehlbaren" Meisterdetektiv zu passen. Doch was manchen heute befremden mag, ist zur Zeit Conan Doyles im viktorianischen England keine große Sache. Morphine gibt es rezeptfrei in jeder Apotheke. Man schätzt die angenehmen Wirkungen von Kokain, damals noch nicht als Droge tabuisiert, und genießt es in vielen Situationen des Alltags.
Kraft des Verstandes
Nicht nur auf diesem Hintergrund ist Sherlock Holmes ganz Kind seiner Zeit. In seinen Arbeitsmethoden spiegeln sich Rationalismus und Wissenschaftsoptimismus der Epoche. Conan Doyles Geschichten wurzeln in einer für die damalige Zeit spezifischen Welt- und Menschenanschauung; sie zeigen ein geordnetes System, in dem jede Veränderung dem Prinzip von Ursache und Wirkung folgt. Wird diese Ordnung gestört, beispielsweise durch ein rätselhaftes Ereignis oder ein Verbrechen, überwindet die Kraft des menschlichen Verstandes alle Probleme und stellt die verlorene Harmonie wieder her…
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Infobox
Am 22. Mai 1859 wird Arthur Ignatius Conan Doyle in Edinburgh geboren. Nach dem Schulabschluss in einem englischen Internat studiert er ab 1876 Medizin in Edinburgh. Die Doktorwürde in der Tasche, wird Conan Doyle zunächst Schiffsarzt; 1882 lässt er sich in Southsea bei Portsmouth nieder.
Ende 1887 erscheint Sherlock Holmes' erstes Abenteuer: Eine Studie in Scharlachrot. Ab 1891 gibt es die Geschichten um den genialen Meisterdetektiv regelmäßig im Strand Magazine. Bald jedoch wird der Schriftsteller seines Helden überdrüssig: Am 4. Mai 1893 stürzt Holmes die Reichenbachfälle im Berner Oberland hinab - sehr zum Unmut der in die Zehntausende gehenden Leserschaft.
Der Autor schreibt, mit weniger Erfolg, weiter: Sachbücher, Fachbücher, historische Romane. Während des Burenkriegs geht Conan Doyle freiwillig als Feldarzt nach Südafrika und verfasst eine Chronik, in der er Englands Kolonialpolitik verteidigt. Für seinen Einsatz wird ihn König Edward VII. 1902 zum Ritter schlagen. 1901 erscheint eine weitere Holmes-Erzählung, die chronologisch vor dem Tod des Detektivs spielt: Der Hund der Baskervilles. 1903, befördert durch den Druck der Fans und durch ein großzügiges Angebot seines Verlegers, lässt Conan Doyle Sherlock Holmes tatsächlich zurückkehren.
Neben dem Schreiben engagiert sich der Autor politisch, unter anderem im Fall George Edalji und als Freimaurer. 1912 erscheint sein wohl bekanntester Roman außerhalb der Holmes-Reihe: Die vergessene Welt. Conan Doyle widmet sich verstärkt Spiritismus und Mystizismus, finanziert Studien zum Seelenleben des Menschen und wird Mitglied in der Gesellschaft für Parapsychologie. 1927 erscheint die letzte Holmes-Erzählung im Strand Magazine. Sir Arthur Conan Doyle stirbt am 7. Juli 1930 an einer Herzkrankheit.
Ende 1887 erscheint Sherlock Holmes' erstes Abenteuer: Eine Studie in Scharlachrot. Ab 1891 gibt es die Geschichten um den genialen Meisterdetektiv regelmäßig im Strand Magazine. Bald jedoch wird der Schriftsteller seines Helden überdrüssig: Am 4. Mai 1893 stürzt Holmes die Reichenbachfälle im Berner Oberland hinab - sehr zum Unmut der in die Zehntausende gehenden Leserschaft.
Der Autor schreibt, mit weniger Erfolg, weiter: Sachbücher, Fachbücher, historische Romane. Während des Burenkriegs geht Conan Doyle freiwillig als Feldarzt nach Südafrika und verfasst eine Chronik, in der er Englands Kolonialpolitik verteidigt. Für seinen Einsatz wird ihn König Edward VII. 1902 zum Ritter schlagen. 1901 erscheint eine weitere Holmes-Erzählung, die chronologisch vor dem Tod des Detektivs spielt: Der Hund der Baskervilles. 1903, befördert durch den Druck der Fans und durch ein großzügiges Angebot seines Verlegers, lässt Conan Doyle Sherlock Holmes tatsächlich zurückkehren.
Neben dem Schreiben engagiert sich der Autor politisch, unter anderem im Fall George Edalji und als Freimaurer. 1912 erscheint sein wohl bekanntester Roman außerhalb der Holmes-Reihe: Die vergessene Welt. Conan Doyle widmet sich verstärkt Spiritismus und Mystizismus, finanziert Studien zum Seelenleben des Menschen und wird Mitglied in der Gesellschaft für Parapsychologie. 1927 erscheint die letzte Holmes-Erzählung im Strand Magazine. Sir Arthur Conan Doyle stirbt am 7. Juli 1930 an einer Herzkrankheit.



