Armer Ritter
Entführungen haben in der Menschheitsgeschichte eine lange "Tradition". Oberstes Motiv dabei war meist Habgier - so auch 1455 beim Altenburger Prinzenraub. Aber ging es dabei wirklich ums Geld?Das Altenburger Schloss, einst Residenz des sächsischen Kurfürsten Friedrich II., im August 2006. (Bild: WikiABG, Lizenz: Creative Commons)
Im Bruderkrieg
Der Kurfürst und Kunz von Kauffungen sind alte Bekannte. In den 1440ern war der Ritter Burgvogt auf dem Altenburger Schloss. Später kämpfte er im Sächsischen Bruderkrieg (1446 bis 1451) für Friedrich. Die Güter von Kauffungens wurden während des Krieges beschädigt; der Ritter geriet bei Gera in böhmische Gefangenschaft und musste 4.000 Goldgülden Lösegeld zahlen. Als Friedrich II. und sein Bruder Wilhelm III. 1451 ihren Streit beilegten, war Kunz von Kauffungen pleite.
Kein Recht für den Knecht
Da er ihm jahrelang als "Freier Edel Knecht" treu gedient hatte, bat von Kauffungen den Kurfürsten um Schadenersatz für die erlittenen Verluste. Friedrich II. lehnte mit der Begründung ab, ein freier Ritter beteilige sich auf eigenes Risiko an Konflikten und müsse auch die Folgen tragen. Daraufhin wollte von Kauffungen das Geld einklagen. Ein Schöffengericht in Magdeburg entschied zu seinen Gunsten. Doch das letzte Wort hatte der Leipziger Schöffenstuhl, der von Friedrich II. privilegiert war und dem sein persönlicher Rechtsbeistand angehörte, der Ordinarius Ditterich von Buckinsdorff. Wegen eines Formfehlers lehnte von Buckinsdorff die Klage des Ritters ab.
Die Rechnung begleichen
In dieser Julinacht des Jahres 1455 nimmt der geprellte von Kauffungen die Sache nun selbst in die Hand. Unter seinen dreißig Begleitern sind die Ritter Wilhelm von Mosen und Wilhelm von Schönfels, die ebenfalls noch eine Rechnung mit dem Kurfürsten offen haben. Einen weiteren Mitstreiter hat von Kauffungen im Altenburger Schloss: Hans Schwalbe, ein Küchenjunge, hat den Ritter informiert, dass der Kurfürst verreist ist und die Höflinge eine Hochzeitsfeier in der Stadt besuchen.
Durchs Fenster
Als die Reiter im Schutze der Nacht das Schloss erreichen, hat der Küchenjunge an einem Fenster schon eine Riemenleiter angebracht. Von Kauffungen und seine Mannen erklimmen die steilen Felsen und Mauern an der Außenseite der Residenz und gelangen ins Innere. Die Gattin des Kurfürsten, Margarete von Österreich, wird in ihr Schlafgemach gesperrt, bevor sich die Eindringlinge über ihre "Beute" hermachen: die Prinzen Ernst und Albrecht, vierzehn und zwölf Jahre alt.
Flucht über den Schlosshof
Der Coup gelingt, über den Schlosshof und durch den Schlosspark entkommen die Entführer. Bald teilen sie sich auf. Die Gruppe um Kunz von Kauffungen flieht mit Albrecht; seine Verbündeten Wilhelm von Schönfels und Wilhelm von Mosen nehmen Ernst an sich. In der Sicherheit der böhmischen Besitztümer von Kauffungens wollen sie sich wieder treffen und dann das Lösegeld fordern...
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Infobox
Nach dem Tode Friedrichs II. im Jahr 1464 herrschten seine Söhne Albrecht (1443 bis 1500) und Ernst (1441 bis 1486) zunächst gemeinsam über Kursachsen. 1485 teilten sie ihre Ländereien - inzwischen war die Landgrafschaft Thüringen hinzugekommen - untereinander auf.
1547 kam es zum Bruch, zwei unabhängige Herrscherhäuser entstanden: Die Albertiner stellten in den kommenden Jahrhunderten zahlreiche sächsische Herrscher wie August den Starken und den letzten sächsischen König Friedrich August III., der 1918 abdankte.
Die Ernestiner blieben machtpolitisch eher bedeutungslos. Erst im 19. Jahrhundert gelangten Mitglieder der Nebenlinie Sachsen-Coburg und Gotha durch Heirat in mehrere europäische Herrscherhäuser - ihre Nachkommen regieren heute noch in Belgien und in Großbritannien.
1547 kam es zum Bruch, zwei unabhängige Herrscherhäuser entstanden: Die Albertiner stellten in den kommenden Jahrhunderten zahlreiche sächsische Herrscher wie August den Starken und den letzten sächsischen König Friedrich August III., der 1918 abdankte.
Die Ernestiner blieben machtpolitisch eher bedeutungslos. Erst im 19. Jahrhundert gelangten Mitglieder der Nebenlinie Sachsen-Coburg und Gotha durch Heirat in mehrere europäische Herrscherhäuser - ihre Nachkommen regieren heute noch in Belgien und in Großbritannien.




