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Entführung

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Treten dem Stockholm-Syndrom ähnelnde Erscheinungen auch bei Folteropfern auf? Diese Frage wird eher kontrovers diskutiert. Zwar ist die Traumatisierung des Opfers vermutlich noch weit erheblicher als bei einer Entführung oder Geiselnahme, doch die eindeutige Brutalität von Folter erschwert normalerweise Identifikationen des Opfers mit Zielen und Werten des Täters.

Ein Spezialfall, und gleichzeitig die psychologisch wohl abgefeimteste Art von Folter, lässt sich bildlich so beschreiben: mit der rechten Hand einen Menschen quälen, und mit der linken - dessen Hände streicheln. Tatsächlich ist das Entstehen von positiv besetzten Bindungen des Opfers an den Folterer möglich und auch beobachtet worden.

Bemerkenswert ist, dass dies wahrscheinlich kaum je bei politischen Folteropfern der Fall war: Die bewusste und klare Frontstellung scheint hier eventuell ablaufende unterbewusste Prozesse und Regressionen zu kompensieren.