Zurück in die Zukunft?
Was in den 1950er und '60er Jahren noch als normal galt, ist heute für die Mehrheit der deutschen Frauen undenkbar - die Beschränkung auf Haushalt und Familie. In letzter Zeit aber ist Merkwürdiges zu beobachten.Das bürgerliche Weltbild sorgte Mitte des 19. Jahrhunderts für die neue Rolle der Frau: als Mutter und Hausfrau.
Gäbe es Stellenausschreibungen für Hausfrauen, sie würden wohl so aussehen. Doch, es gibt sie nicht, denn "Hausfrau" ist kein anerkannter Beruf. Vielmehr ein Status - dem es aber ebenfalls an Anerkennung mangelt: Hausfrauen haben ein schlechtes Image; die "Familienbediensteten" kämpfen mit diversen Vorurteilen; ihre Arbeit wird in der Öffentlichkeit weniger hoch geschätzt als etwa ein Job im Büro oder in der Fabrik. Noch.
Neue Weiblichkeit
Auffällig ist nämlich die aktuelle Medienpräsenz des Themas. "Ich leite ein erfolgreiches kleines Familienunternehmen", heißt es im Werbespot eines Staubsaugerproduzenten. Der zeichnet seit 2004 die Familien-Managerin des Jahres aus. Der Preis trage hervorragend dazu bei, "das öffentliche Ansehen der Familienarbeit in Deutschland zu steigern", lautet das Urteil von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen, die den Preisträgern des Jahres 2006 persönlich gratulierte.
Hitzige Debatte
Anfang 2007 schickt die ARD zehn junge Frauen zwischen 17 und 23 Jahren in die Bräuteschule 1958, um zu beobachten, wie sie in einem Hauswirtschaftsinternat mit den "Anforderungen an die patente Hausfrau der fünfziger Jahre" zurecht kommen. Und nur wenige Monate zuvor heizte Eva Herman mit ihrem Buch Das Eva-Prinzip. Für eine neue Weiblichkeit die gesellschaftliche Debatte, ob sich Frauen zugunsten von Kindererziehung und Hausfrauentätigkeiten komplett aus dem Berufsleben zurückziehen sollen, so richtig an - mit diskussionswürdigen Argumenten.
An der Arbeitsteilung im Haushalt hat sich nur wenig geändert - Hausarbeit ist noch immer Frauensache.
Der Mann stehe in der Schöpfung als der aktive, starke und beschützende Part, die Frau dagegen als der empfindsamere, reinere und mütterliche Teil, so Eva Herman. In den zurückliegenden Jahrtausenden habe die Menschheit ihre Lebensform nach dieser Aufteilung ausgerichtet, die Rollen seien ganz klar definiert gewesen. "Der Mann ging zur Jagd, später zur Arbeit und sorgte für den Lebensunterhalt der Familie, die Frau kümmerte sich um das Heim, den Herd, die Kinder und stärkte ihrem Mann den Rücken."
Überkommenes Frauenbild?
Der Werbefeldzug für die gesellschaftliche Reputation der Hausfrau macht einigermaßen stutzig. Woher kommt das Rückbesinnen auf ein - angesichts Emanzipation und gewandelter Frauenbiografien - überkommenes Frauenbild? Ist es Nostalgie, gar Reminiszenz an eine untergehende Spezies? Oder weshalb fühlen sich Eva Herman und Co. bemüßigt, die Frauen an ihre traditionelle, nein, natürliche Rolle zu erinnern? ...
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Die Hausfrau ist...
ein Produkt der bürgerlichen Gesellschaft. Entstanden ist der Begriff "Hausfrau" zwar schon im Mittelalter, bezog sich hier aber weniger auf die Aktivitäten als auf die Stellung der Frau: Die Hausfrau stand dem Haus vor, sie herrschte über das Personal, das alle Arbeiten im Haushalt erledigte.
Bis etwa zum 18. Jahrhundert, als mit der beginnenden Industrialisierung und zunehmender Arbeitsteilung die Frauen langsam aus der Erwerbstätigkeit verdrängt wurden, kannte ein Großteil der Bevölkerung keine strikte Trennung von Erwerbs- und Privatbereich. Frauen wie Männer kümmerten sich gleichermaßen um Haus, Hof und Familie.
Das bürgerliche Weltbild sorgte schließlich im 19. Jahrhundert für eine neue Festlegung der Rolle der Frau: Begründet wurde sie durch Betonung speziell weiblicher Fähigkeiten und Tugenden. Mit der Pädagogisierung der Kindererziehung wurde der Mutterrolle immense Bedeutung zugemessen. Während Erwerbsarbeit verheirateter Frauen zum Zeichen ökonomischen Mangels wurde, erlangte die Hausfrau einen hohen sozialen Status.
Allerdings konnten es sich lange Zeit nur wenige Haushalte leisten, auf das Einkommen der Frau zu verzichten, damit die sich ganz Kind und Küche widmen kann. Erst in den 1950er Jahren wurde im Wirtschaftswunderland BRD aus der bisherigen Ausnahmeerscheinung "Alleinversorger-Ehe" - idealisierte - Normalität.
ein Produkt der bürgerlichen Gesellschaft. Entstanden ist der Begriff "Hausfrau" zwar schon im Mittelalter, bezog sich hier aber weniger auf die Aktivitäten als auf die Stellung der Frau: Die Hausfrau stand dem Haus vor, sie herrschte über das Personal, das alle Arbeiten im Haushalt erledigte.
Bis etwa zum 18. Jahrhundert, als mit der beginnenden Industrialisierung und zunehmender Arbeitsteilung die Frauen langsam aus der Erwerbstätigkeit verdrängt wurden, kannte ein Großteil der Bevölkerung keine strikte Trennung von Erwerbs- und Privatbereich. Frauen wie Männer kümmerten sich gleichermaßen um Haus, Hof und Familie.
Das bürgerliche Weltbild sorgte schließlich im 19. Jahrhundert für eine neue Festlegung der Rolle der Frau: Begründet wurde sie durch Betonung speziell weiblicher Fähigkeiten und Tugenden. Mit der Pädagogisierung der Kindererziehung wurde der Mutterrolle immense Bedeutung zugemessen. Während Erwerbsarbeit verheirateter Frauen zum Zeichen ökonomischen Mangels wurde, erlangte die Hausfrau einen hohen sozialen Status.
Allerdings konnten es sich lange Zeit nur wenige Haushalte leisten, auf das Einkommen der Frau zu verzichten, damit die sich ganz Kind und Küche widmen kann. Erst in den 1950er Jahren wurde im Wirtschaftswunderland BRD aus der bisherigen Ausnahmeerscheinung "Alleinversorger-Ehe" - idealisierte - Normalität.



