Feuer und Geschäfte
Weit zurück reichen Versuche, Brandkatastrophen mit organisiertem Widerstand zu begegnen. Städte, Staaten und Privatpersonen stellten Feuerwehren auf. Brände aber konnten sie niemals verhindern. Warum?Augustus - er soll 21. v. Chr. die erste Feuerwehr gegründet haben: den Brand Roms, achtzig Jahre später, verhinderte das nicht.
Quartiere für Arme
Anders ist die Quellenlage betreffs des antiken Rom: Viel spricht dafür, dass in die Zeit des Caesar Augustus (63 v. Chr. bis 14 n. Chr.) die Gründung einer ersten urbanen Berufsfeuerwehr gefallen sein könnte. Um das Jahr 21 v. Chr. soll die schnelle Löschtruppe aus sechshundert Stadtsklaven bestanden haben, gerüstet mit Wasserspritzen, Eimern und Leitern. Solche Annahme klingt plausibel: Roms Einwohnerschaft pendelte damals um die Million, zahlreiche Arme gehörten dazu, eingepfercht in vielstöckige, eng aneinander gestellte, schlampig konstruierte Massenquartiere mit Vorbauten aus Holz.
"Heißer Abriss"
Im antiken Rom scheint auch der besondere kommerzielle Mechanismus erstmals aufgetaucht zu sein, dem wir später häufig wieder begegnen werden: Immobilienspekulanten entdeckten den "heißen Abriss" als Methode. Stand so ein Mietshaus in Flammen, rannten Agenten vor der anrückenden Feuerwehr her, welche das Gebäude (und den Boden gleich mit) billig für ihre Auftraggeber erwarben. War das Geschäft perfekt, durfte der Sklaventrupp mit dem Löschen beginnen.
Immobilienblase
Allen Gerüchten zum Trotz gehört der große Brand Roms 63 n. Chr. - in der Herrschaftsphase des verrufenen Caesars Nero - zu den spontan ausgebrochenen Feuerkatastrophen. Nero hatte die Stadt zwar nicht angezündet, nutzte frei gewordenes Terrain gleichwohl für sein Goldenes Haus, eine der umfänglichsten Palastanlagen der Weltgeschichte. Auch fiel dem Brand keineswegs Rom zur Gänze zum Opfer: Lediglich die Hälfte der Bezirke wurde verwüstet, dabei freilich die ärmsten und am dichtesten bebauten. Von nachträglicher Aufstockung der Mittel für die Feuerwehr ist nichts bekannt, hingegen wissen wir von einer "Immobilienblase", also überzogener Wertsteigerung von Baugrund und Gebäuden.
Achtmal erwischt
Sozialer als im antiken Ballungsraum Rom ging es in den weitaus kleineren Städten des Mittelalters zu. Dort gehörten vorbeugender Brandschutz und Abwehr des Feuers - ohne Ansehen der Person - zu den Aufgaben der Zünfte. Sozial gestaltet war die Regelung, weil das flammende Inferno, einmal ausgebrochen auf engem Raum intra muros, Arm und Reich auf ähnliche Weise traf. Lübeck zum Beispiel brannte allein im 12. Jahrhundert mehrmals komplett herunter, Straßburg hat es im 14. Jahrhundert achtmal erwischt. Die Armen wurden obdachlos, und die Reichen - ziemlich häufig - ruiniert...
Seite
1
| 2
Dieser Artikel gehört zum Thema
| Inferno | ![]() |
Infobox
Dantes Hölle
Den Begriff Inferno machte ein genialer Dichter populär, mit einem der berühmtesten Werke der Weltliteratur: Dante Alighieri (1265 bis 1321) schrieb zwischen 1307 und 1321, dem Jahr seines Todes, die Göttliche Komödie. Der Dichter - frustriert von allerlei Widrigkeiten des Lebens - verfasste damit auch eine Art Generalabrechnung mit dem Bösen.
In der Ich-Form, anknüpfend an das mittelalterliche Genre der Jenseitsvisionen, schildert Dante seine Reise durch die drei Reiche der jenseitigen Welt: Hölle (eben das Inferno), dann Fegefeuer (Purgatorium) und Paradies. Kritische Sicht auf die Missetaten der Herrscher, die samt und sonders unter Höllenqualen leiden, dominiert im ersten Teil.
Sympathisch wirkt, dass Dante immerhin Mitgefühl mit den gefolterten Seelen bekundet. Die Hölle, also das Inferno, ist in erlesener Weise spezialisiert. Kreise und Unterkreise halten jeweils besondere Torturen bereit: Habgierige, den Dingen verhaftet, müssen Felsbrocken schleppen; Stifter der Zwietracht werden wieder und wieder von Teufeln zerhackt; Verräter, auf plötzliche Wendungen des Schicksals lauernd, liegen eingefroren im Eissee Cocytus, dem Kreis ganz unten im Höllentrichter. Das Inferno, als Teil der Göttlichen Komödie, ist ein literarischer Racheakt von Format.
Den Begriff Inferno machte ein genialer Dichter populär, mit einem der berühmtesten Werke der Weltliteratur: Dante Alighieri (1265 bis 1321) schrieb zwischen 1307 und 1321, dem Jahr seines Todes, die Göttliche Komödie. Der Dichter - frustriert von allerlei Widrigkeiten des Lebens - verfasste damit auch eine Art Generalabrechnung mit dem Bösen.
In der Ich-Form, anknüpfend an das mittelalterliche Genre der Jenseitsvisionen, schildert Dante seine Reise durch die drei Reiche der jenseitigen Welt: Hölle (eben das Inferno), dann Fegefeuer (Purgatorium) und Paradies. Kritische Sicht auf die Missetaten der Herrscher, die samt und sonders unter Höllenqualen leiden, dominiert im ersten Teil.
Sympathisch wirkt, dass Dante immerhin Mitgefühl mit den gefolterten Seelen bekundet. Die Hölle, also das Inferno, ist in erlesener Weise spezialisiert. Kreise und Unterkreise halten jeweils besondere Torturen bereit: Habgierige, den Dingen verhaftet, müssen Felsbrocken schleppen; Stifter der Zwietracht werden wieder und wieder von Teufeln zerhackt; Verräter, auf plötzliche Wendungen des Schicksals lauernd, liegen eingefroren im Eissee Cocytus, dem Kreis ganz unten im Höllentrichter. Das Inferno, als Teil der Göttlichen Komödie, ist ein literarischer Racheakt von Format.



