Koloniales Gebräu
Dass der Kaffee ursprünglich aus Arabien stammt, ist kein Geheimnis. Aber: Wie gelangte er von dort in die Anbaugebiete der modernen Welt? Europas Kolonialismus, trotz aller schlimmen Aspekte, machte das möglich.Die Pflanze Coffea aus der Familie der Rubiaceaen ist ein empfindliches Gewächs: Ausgeglichen warm und feucht muss das Klima sein, in dem sie gedeiht. Zum Glück gibt es solcherart Orte auf mindestens drei Kontinenten. Urheimat des Kaffees ist das äthiopische Hochland.
Irgendwann gelangten Pflanzen auf die arabische Halbinsel. Durch wen, wann, auch ob die Wirkung der Bohnen vor ihrer Kultivierung schon erprobt war, ist unbekannt. Fest steht nur, dass der arabische Arzt und Philosoph Ibn Sina im Jahr 1015 die stimulierende Wirkung der Bohnen beschrieb und Kaffee als Heilmittel empfahl.
Vierzig Jungfrauen weniger
Im arabischen Kulturkreis ranken sich um die Entdeckung des Kaffees diverse Legenden: Nach islamischer Überlieferung heilte der Erzengel Gabriel den Propheten Mohammed mit einem Kaffeetrank von schwerer Schlafsucht. Der Effekt soll enorm gewesen sein: Nach wenigen Schlucken warf Mohammed vierzig Reiter aus dem Sattel und weihte gleich darauf vierzig Jungfrauen in die Liebe ein.
Etwas weniger spektakulär ist eine andere, ebenfalls unverbürgte Geschichte: In der Nähe des Klosters Schehodel im Jemen wunderte sich der Hirt Kaldi über seine Tiere, die auch in der Nacht fröhlich herumsprangen. Sie hatten Früchte wild wachsender Kaffeesträucher gefressen. Gemeinsam mit den Mönchen des Klosters trocknete Kaldi die Beeren, zerstieß sie zu Pulver und schüttete es in heißes Wasser. So kamen die ersten Menschen in den Genuss des Kaffees, heißt es in der Überlieferung.
Opium, Kaffee, Kokain
Was man da rein zufällig entdeckt hatte, war, wissenschaftlich ausgedrückt, die Wirkung des Koffeins - eines Alkaloids, von dem jede Kaffeebohne im Schnitt 1,2 Prozent enthält. Verwandt ist das Koffein mit anderen Alkaloiden, wie Opium und Kokain. Auf natürliche Weise kommt die anregende Substanz auch in den Blättern des Teestrauchs vor.
Den Arabern jedenfalls war die Pflanze Coffea von Beginn an aufwändigen Anbau wert. An den Küstenhängen des Roten Meeres, sorgsam bewässert, wuchsen Kaffeesträucher bald in Massen. Das war im 11. Jahrhundert. Allerdings wurden die Bohnen in jenen frühen Tagen noch ungeröstet genutzt. Schriften, in denen das Kaffeerösten mittels Metallplatten erwähnt wird, machen erst im 16. Jahrhundert die Runde.
Erbeutete Bestände
Die Türken, deren Reich damals die arabische Halbinsel einschloss, brachten den Kaffee gen Norden. Und mit ihm auch die in Arabien entstandene Kultur der Kaffeestuben. 1554 soll der Wachmacher im seit hundert Jahren türkischen Konstantinopel erschienen sein.
Knapp ein Jahrhundert später eröffneten Händler das erste venezianische Kaffeehaus, andere Städte - wie etwa Bremen (1673) und Hamburg (1677) - folgten. So richtig vertraut wurden die Europäer mit der Koffeinwirkung allerdings über Wien: Infolge gescheiterter Belagerung der Stadt ließ das türkische Heer dort nämlich große Kaffeebestände zurück. Dieses Ereignis - im denkwürdigen Jahr 1683 - machte Wien zur Kaffeehauptstadt Europas. Im nun folgenden Jahrhundert expandierte die Nachfrage nach Kaffee enorm.
Koloniales Netzwerk
Kaffeepflanzen wurden in fast alle Regionen der Welt ausgeführt, deren Klima Aussicht auf gute Erträge verhieß: Holländische Seeleute brachten Sträucher 1718 nach Surinam, ihre französischen Kollegen starteten wenig später erfolgreiche Versuche in Cayenne, Martinique und Guadeloupe. Entscheidend aber war der portugiesische Export von Kaffeepflanzen ab 1727 nach Brasilien, das sich schließlich zum führenden Kaffee-Anbieter der Welt entwickeln sollte.
Um 1850 ist Kaffee endgültig Volksgetränk. Ein spezieller Kaffeehandel, mit Transportrouten und Kontoren, bildet sich heraus. Nicht zufällig ist das auch die hohe Zeit des europäischen Kolonialismus, ohne den die weltweite Verbreitung des Kaffees nicht zu verstehen ist. Dampfschifflinien verbinden Kontinente; der Aufwand für Erzeugung und Transport sinkt stetig.
Nur fünf Prozent
Bald übertrifft die Produktion die Nachfrage gewaltig. 1903 erreicht der Kaffeepreis das niedrigste je notierte Niveau. Erst die Erfindung des löslichen Kaffees treibt den Verbrauch wieder nach oben. Preisschwankungen machen den Erzeugern - Millionen kleinen Kaffee-Bauern - ebenso in der nachkolonialen Periode zu schaffen: Nur gut fünf Prozent des Betrags, den der Endverbraucher für seinen Kaffee bezahlt, kommen als Lohn bei denjenigen an, die auf den Plantagen tätig sind.
Michael Schmittbetz (aktualisiert 09.09.2010)
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Kaffee und Gesundheit
Seit Jahren befassen sich zahlreiche wissenschaftliche Studien mit den gesundheitlichen Wirkungen von Kaffee. Die Erkenntnis der Forscher: Kaffee, in Maßen genossen, schützt vor vielen Krankheiten. Und auch alte Vorurteile konnten revidiert werden:
So hat sich die Behauptung, Kaffee trockne den Körper aus, als Mythos erwiesen. Mehrere Studien kommen zu dem Ergebnis, dass Kaffee dem Körper Flüssigkeit zuführt. Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) leiste Kaffee einen wesentlichen Beitrag zur täglichen Gesamtwasserzufuhr, da er wie jedes andere Getränk auch in die Flüssigkeitsbilanz einbezogen wird.
Andere wissenschaftliche Untersuchungen zeigten, dass der regelmäßige Genuss von Kaffee das Risiko, an Diabetes Typ 2 zu erkranken, deutlich senken kann. So sei das Diabetes-Risiko bei Personen, die täglich bis zu sieben Tassen Kaffee trinken, am geringsten. Der schützende Effekt wurde übrigens auch bei entkoffeiniertem Kaffee beobachtet. Daher vermuten die Forscher, dass die positive Wirkung nicht auf das Koffein zurückzuführen ist, sondern dass vor allem die im Kaffee enthaltenen Antioxidantien eine maßgebliche Rolle spielen.
Bei Allergien und Asthma hingegen mache sich das Koffein durch seinen entzündungshemmenden Effekt positiv bemerkbar. Desweiteren fördere es die Freisetzung von aufmunternden Botenstoffen, wie Dopamin, Serotonin und Endorphinen, im Gehirn. Außerdem könnten Informationen vom Gehirn nach Kaffeegenuss schneller aufgenommen und verarbeitet werden.
Weitere Studien zeigten, dass lebenslanger Kaffeekonsum den altersbedingten Abbau der geistigen Leistungsfähigkeit verringern kann. Finnische Forscher, die über viele Jahre den Kaffeekonsum von Menschen im mittleren Lebensalter beobachtet haben, fanden heraus, dass Kaffeetrinker seltener dement wurden als Kaffee-Abstinenzler. Bei Menschen, die pro Tag zwischen drei und fünf Tassen tranken, war das Risiko, an Alzheimer-Demenz zu erkranken, um 65 Prozent verringert.
US-amerikanische Wissenschaftler fanden heraus, dass Kaffeetrinker deutlich seltener an Erkrankungen der Leber litten als Probanden, die keinen Kaffee tranken. Und bei bereits lebergeschädigten (beispielsweise mit Hepatitis infizierten) Personen zeigte sich in einer aktuellen Studie, dass drei oder mehr Tassen Kaffee täglich das Risiko für ein Fortschreiten der Leberzerstörung um 53 Prozent senkten.
Mit 150 Litern pro Person und Jahr ist Kaffee übrigens noch vor Wasser und Bier das am meisten konsumierte Getränk in Deutschland.
So hat sich die Behauptung, Kaffee trockne den Körper aus, als Mythos erwiesen. Mehrere Studien kommen zu dem Ergebnis, dass Kaffee dem Körper Flüssigkeit zuführt. Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) leiste Kaffee einen wesentlichen Beitrag zur täglichen Gesamtwasserzufuhr, da er wie jedes andere Getränk auch in die Flüssigkeitsbilanz einbezogen wird.
Andere wissenschaftliche Untersuchungen zeigten, dass der regelmäßige Genuss von Kaffee das Risiko, an Diabetes Typ 2 zu erkranken, deutlich senken kann. So sei das Diabetes-Risiko bei Personen, die täglich bis zu sieben Tassen Kaffee trinken, am geringsten. Der schützende Effekt wurde übrigens auch bei entkoffeiniertem Kaffee beobachtet. Daher vermuten die Forscher, dass die positive Wirkung nicht auf das Koffein zurückzuführen ist, sondern dass vor allem die im Kaffee enthaltenen Antioxidantien eine maßgebliche Rolle spielen.
Bei Allergien und Asthma hingegen mache sich das Koffein durch seinen entzündungshemmenden Effekt positiv bemerkbar. Desweiteren fördere es die Freisetzung von aufmunternden Botenstoffen, wie Dopamin, Serotonin und Endorphinen, im Gehirn. Außerdem könnten Informationen vom Gehirn nach Kaffeegenuss schneller aufgenommen und verarbeitet werden.
Weitere Studien zeigten, dass lebenslanger Kaffeekonsum den altersbedingten Abbau der geistigen Leistungsfähigkeit verringern kann. Finnische Forscher, die über viele Jahre den Kaffeekonsum von Menschen im mittleren Lebensalter beobachtet haben, fanden heraus, dass Kaffeetrinker seltener dement wurden als Kaffee-Abstinenzler. Bei Menschen, die pro Tag zwischen drei und fünf Tassen tranken, war das Risiko, an Alzheimer-Demenz zu erkranken, um 65 Prozent verringert.
US-amerikanische Wissenschaftler fanden heraus, dass Kaffeetrinker deutlich seltener an Erkrankungen der Leber litten als Probanden, die keinen Kaffee tranken. Und bei bereits lebergeschädigten (beispielsweise mit Hepatitis infizierten) Personen zeigte sich in einer aktuellen Studie, dass drei oder mehr Tassen Kaffee täglich das Risiko für ein Fortschreiten der Leberzerstörung um 53 Prozent senkten.
Mit 150 Litern pro Person und Jahr ist Kaffee übrigens noch vor Wasser und Bier das am meisten konsumierte Getränk in Deutschland.



