Moral und Realität
In vielen Ländern schuften Kinder unter katastrophalen Bedingungen. "So etwas gehört verboten!" - nur zu menschlich klingt diese Forderung. Aber, ganz so einfach ist es leider nicht.Anstatt zur Schule zu gehen, müssen Millionen Kinder auf dieser Welt arbeiten - wie dieser kleine Schuhputzer aus Peru. (Bild: terre des hommes/Ch. Kovermann)
Schamlose Ausbeutung
Anfang der 1990er Jahre rückten Geschichten wie die von Rahjid, Isabella und Carlos die schamlose Ausbeutung arbeitender Kinder in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses - und machten den bis dahin unbeachteten Zusammenhang von Kinderarbeit und billiger Massenware auf den Märkten Europas und Nordamerikas deutlich. Bald wurde in der sensibilisierten Öffentlichkeit der Ruf nach Boykottmaßnahmen und Verbot der Kinderarbeit laut.
Was ist Kinderarbeit?
Doch könnte damit das Problem tatsächlich gelöst werden - zumal auf dem Hintergrund, dass es die Kinderarbeit gar nicht gibt? "Kinderarbeit" ist ein unpräziser Begriff und lässt sich nicht einfach als schädlich, negativ, gefährlich, tolerierbar oder positiv einstufen. Nicht jedes Kind, das arbeitet, ist gefährdet, folglich muss nicht jede Form von Kinderarbeit bekämpft werden. Ein generelles Verbot würde in vielen Fällen sogar die Interessen der arbeitenden Kinder verletzen.
Eine Viertel Milliarde Kinder
Gefährliche, das heißt abzuschaffende Kinderarbeit betrifft 245,5 Millionen Kinder - im Schnitt jedes sechste Kind auf dieser Welt. Über acht Millionen Kinder leisten Arbeiten, die zu den schlimmsten Formen der Kinderarbeit zählen. Durch die unausgewogene Berichterstattung der Medien und eine Fokussierung auf spezielle Bereiche, die laut ILO-Nachrichten 2/2002 "bevorzugtes Betätigungsfeld von Aktivistengruppen darstellen", entsprechen die Vorstellungen der Öffentlichkeit über die Schwerpunkte der Kinderarbeit allerdings nur selten der Realität.
Körperliche Schwerstarbeit
So wird zum Beispiel Kinderarbeit in der Land- und Forstwirtschaft kaum wahrgenommen. Dabei ist der Sektor mit knapp siebzig Prozent nicht nur der größte sondern auch der gefährlichste von Kinderarbeit betroffene Wirtschaftszweig: körperliche Schwerstarbeit, mangelnder Arbeitsschutz, überlange Arbeitszeiten und direkter Kontakt mit gefährlichen Chemikalien sind an der Tagesordnung...
Infobox
Zahlen und Fakten
Über die Gesamtzahl arbeitender Kinder gibt es keine verlässlichen Statistiken. Nach Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) sind weltweit ungefähr 352 Millionen Kinder im Alter zwischen fünf und achtzehn Jahren "ökonomisch aktiv", so die offizielle Definition der Kinderarbeit.
Nicht jede wirtschaftliche Aktivität wird jedoch zwangsläufig negativ bewertet: Entspricht die Tätigkeit dem Alter und den Möglichkeiten des Kindes, so das Urteil der ILO, kann sie durchaus dessen Wohlbefinden und persönlicher Entwicklung dienen. Demgegenüber stehen schädliche Formen der Kinderarbeit, die das Kind in seiner Entwicklung beeinträchtigen, es ausbeuten und infolgedessen unbedingt abgeschafft werden müssen.
Jene Tätigkeiten teilt die ILO in drei Kategorien ein: Arbeit, die von Kindern verrichtet wird, die das Mindestalter nicht erreicht haben; Arbeit, welche die körperliche, geistige und seelische Gesundheit der Kinder gefährdet, sowie Zwangsarbeiten - auch schlimmste Formen der Kinderarbeit genannt -, wie Sklaverei, Schuldknechtschaft, Prostitution oder Zwangsrekrutierung als Kindersoldaten.
Über die Gesamtzahl arbeitender Kinder gibt es keine verlässlichen Statistiken. Nach Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) sind weltweit ungefähr 352 Millionen Kinder im Alter zwischen fünf und achtzehn Jahren "ökonomisch aktiv", so die offizielle Definition der Kinderarbeit.
Nicht jede wirtschaftliche Aktivität wird jedoch zwangsläufig negativ bewertet: Entspricht die Tätigkeit dem Alter und den Möglichkeiten des Kindes, so das Urteil der ILO, kann sie durchaus dessen Wohlbefinden und persönlicher Entwicklung dienen. Demgegenüber stehen schädliche Formen der Kinderarbeit, die das Kind in seiner Entwicklung beeinträchtigen, es ausbeuten und infolgedessen unbedingt abgeschafft werden müssen.
Jene Tätigkeiten teilt die ILO in drei Kategorien ein: Arbeit, die von Kindern verrichtet wird, die das Mindestalter nicht erreicht haben; Arbeit, welche die körperliche, geistige und seelische Gesundheit der Kinder gefährdet, sowie Zwangsarbeiten - auch schlimmste Formen der Kinderarbeit genannt -, wie Sklaverei, Schuldknechtschaft, Prostitution oder Zwangsrekrutierung als Kindersoldaten.


