Wie etwa hier in Indonesien setzen viele Projekte internationaler Organisationen auf das Fördern von Bildungsprogrammen (Bild: terre des hommes asean).
Verbote befördern Missbrauch
Im Gegenteil: Verbote verschlimmern die vorherrschende Situation. Zum einen sind die Kinder und ihre Familien auf den Verdienst der Kinder angewiesen, ein Verbot würde ihnen die Lebensgrundlage rauben. Zum anderen verschwänden die Kinder aus den kontrollierbaren Bereichen in die Schattenzonen des informellen Sektors - und wären dort mehr denn je der Gefahr von Missbrauch und Ausbeutung ausgesetzt.
Suche nach Strategien
Zweifellos müssen Kinder aus sklavenähnlichen Arbeitsverhältnissen, von Ausbeutung, Missbrauch und Ausübung gefährlicher Tätigkeiten befreit werden. Die Forderung nach dem generellen Verbot der Kinderarbeit lenkt aber von der Frage nach Alternativen und Strategien, nicht nur zur Beseitigung der Kinderarbeit, ab. Am bestehenden Ungleichgewicht wird sich nur etwas ändern, wenn die Interessen der westlichen Welt nicht mehr primär in der Ermittlung des billigsten Produktionslandes und der billigsten Arbeitskräfte liegen - und sich auch der Konsument diesem Geschehen nicht mehr widerstandslos unterordnet.
Boykotte reichen nicht
Allein mit Sanktionen und Boykotten von Firmen und Produkten ist es hier nicht getan. Vielmehr prägen gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Faktoren die Arbeitsbedingungen. Mit strengeren Sozialstandards, Verhaltenskodices, Teilnahme am Fairen Handel und Kennzeichnung kinderarbeitsfreier Waren können Unternehmen zeigen, dass eine Produktion von Gütern ohne Kinderarbeit möglich ist.
Preis für ein gutes Gewissen
Und auch der Konsument muss bereit sein, den Preis für sein gutes Gewissen zu zahlen. Während auf internationaler Ebene auf eine Zähmung des Globalisierungsprozesses - und dessen gnadenloser Tendenz zu Billiglohnprodukten - kaum zu hoffen ist, liegt es in den Händen der nationalen Regierungen, zum Wohle der eigenen Bevölkerung in soziale Grunddienste, wie zum Beispiel Bildung und Gesundheit, zu investieren - damit die unausweichlichen globalen Umbrüche die Situation der Kinder und ihrer Familien nicht noch verschlimmern.
Ulrike Wolf (24.05.2005)
Infobox
Kinderarbeit...
wird überwiegend in der so genannten informellen Wirtschaft ("Schattenwirtschaft") verrichtet. Hierbei handelt es sich laut Definition des ILO um "legale wirtschaftliche Aktivitäten, die nicht auf offiziellen Märkten stattfinden und sich ganz oder teilweise staatlichen Regelungen entziehen".
Informelle Unternehmen zahlen keine Steuern und werden eher selten von der Gewerbeaufsicht oder anderen Behörden überwacht. Häufig gibt es bei ihnen keine festen und vertraglich abgesicherten Beschäftigungsverhältnisse. Weitere Merkmale sind eine arbeitsintensive Produktion, gar nicht vorhandene oder nur geringe Qualifikation der Arbeitskräfte, schlechte Bezahlung, fehlende Kranken- und Altersversicherungen sowie Umgehung von Arbeitsschutzbestimmungen.
Ein großer Teil der in informellen Unternehmen beschäftigten Kinder arbeiten im Handels- und Dienstleistungsgewerbe: als Schuhputzer, Hausmädchen oder in der Teppich- und Textilproduktion. Innerhalb des letzten Jahrzehnts hat das Ausmaß informeller Beschäftigung im Zuge des globalisierten Wettbewerbs in den meisten Ländern der Erde zugenommen.
wird überwiegend in der so genannten informellen Wirtschaft ("Schattenwirtschaft") verrichtet. Hierbei handelt es sich laut Definition des ILO um "legale wirtschaftliche Aktivitäten, die nicht auf offiziellen Märkten stattfinden und sich ganz oder teilweise staatlichen Regelungen entziehen".
Informelle Unternehmen zahlen keine Steuern und werden eher selten von der Gewerbeaufsicht oder anderen Behörden überwacht. Häufig gibt es bei ihnen keine festen und vertraglich abgesicherten Beschäftigungsverhältnisse. Weitere Merkmale sind eine arbeitsintensive Produktion, gar nicht vorhandene oder nur geringe Qualifikation der Arbeitskräfte, schlechte Bezahlung, fehlende Kranken- und Altersversicherungen sowie Umgehung von Arbeitsschutzbestimmungen.
Ein großer Teil der in informellen Unternehmen beschäftigten Kinder arbeiten im Handels- und Dienstleistungsgewerbe: als Schuhputzer, Hausmädchen oder in der Teppich- und Textilproduktion. Innerhalb des letzten Jahrzehnts hat das Ausmaß informeller Beschäftigung im Zuge des globalisierten Wettbewerbs in den meisten Ländern der Erde zugenommen.


