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Kinderarmut

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Wann sind Kinder arm?
Ausgangspunkt für die Berechnung der relativen Armutsgrenze ist der so genannte Medianwert der nationalen statistischen Einkommensverteilung. Der Medianwert ist dabei genau die Einkommenshöhe, die auf der Trennlinie zwischen den unteren und den oberen 50 Prozent aller Einkommensbezieher liegt. Die Berechnung über den Median ist sinnvoll, weil sie Verzerrungen durch übermäßig hohe und niedrige Einzelwerte weitgehend ausschließt. Laut Definition der Weltgesundheitsorganisation WHO gilt als arm, wer weniger als die Hälfte des Medianwerts aus der Einkommensverteilung seines Landes monatlich zur Verfügung hat. Gelegentlich werden als Grenze zur relativen Armut auch 60 Prozent des Medianwerts angesetzt.

38 Prozent aller Alleinerziehenden (Familien aus Mutter oder Vater und einem oder mehreren Kindern) sind, angelehnt an diese Definition, in Deutschland arm. Entsprechend den aktuellsten vorliegenden Zahlen (Stand 2007) lebt jedes sechste Kind in Deutschland in einer Hartz IV-Bedarfsgemeinschaft, ist also arm im Sinne des deutschen Sozialgesetzbuchs. Dabei gibt es allerdings beträchtliche regionale Unterschiede: So sind laut Studien der Ruhr-Uni Bochum in Bayern lediglich 6,6 Prozent der Kinder arm; in Berlin sind es 30,7 Prozent.

Auf welchen Wegen Armut von einer Generation auf die nächste "springt", ist umstritten. Nachgewiesen wurde, dass Armut der Eltern die Bildungschancen von Kindern in Deutschland verschlechtert. Allerdings hat Armut überwiegend dann negative Konsequenzen für die Bildungschancen in der nächsten Generation, wenn die Eltern selbst nur ein niedriges Bildungsniveau besitzen. Höher gebildete Eltern sind offenbar besser in der Lage, mit Armut und Arbeitslosigkeit verbundene Probleme zu kompensieren.

Das Ausmaß von Kinderarmut ist gesellschaftlich steuerbar, wie vor allem die erfolgreiche Entwicklung in verschiedenen skandinavischen Ländern beweist: In Norwegen zum Beispiel geht die Kinderarmut kontinuierlich zurück, selbst bei Alleinerziehenden und Paarfamilien ohne Einkommensbezieher. In Deutschland war der Anstieg der Kinderarmut mit 2,7 Prozent zwischen 1995 und 2005 überdurchschnittlich hoch. Im langfristigen Rückblick ist zu beobachten, dass sich jedes Jahrzehnt die Zahl der Kinder in Armut in Deutschland mindestens verdoppelt: 1965 war jedes 75. Kind auf Sozialhilfe angewiesen; 2005 war es jedes sechste Kind.