Der Wegweiser
Seit 1997 gibt es ein internationales Abkommen, in dem sich zahlreiche Staaten zur Reduktion ihrer Treibhausgasemissionen verpflichten: das Kyotoprotokoll. Was hat es der Welt gebracht?Kraftwerkschlot: Das Kohlendioxid, das beim Verbrennen fossiler Energieträger entsteht, steuert mehr als die Hälfte zum Gesamtausstoß aller Treibhausgase bei.
Individuelle Ziele
Bereits 1992 hat die Weltgemeinschaft in der Klimarahmenkonvention (UNFCC) das Ziel formuliert, die menschgemachte Störung des Klimas zu verhindern und die globale Erwärmung zu verlangsamen. Der Weg sollte sein, den Ausstoß von Treibhausgasen deutlich zu verringern. Fünf Jahre dauerte es, dann war ein erstes verbindliches Klimaabkommen fertig: Im Kyotoprotokoll verpflichteten sich rund drei Dutzend Staaten, ihren jährlichen Ausstoß an Treibhausgasen bis 2012 um durchschnittlich 5,2 Prozent gegenüber dem Stand von 1990 zu senken. Die Emissionsziele legte jedes Land individuell fest: Deutschland sagte zu, seinen CO2-Ausstoß um mehr als zwanzig Prozent zu senken; Kanada wollte sechs Prozent einsparen, Japan ebenfalls sechs Prozent.
189 Staaten haben das Kyotoprotokoll bis 2009 ratifiziert (im Bild grün). Gegen die Annahme entschieden sich die USA (rot). (Bild: Emturan, Lizenz: CreativeCommons)
Am 16. Februar 2005 trat das Kyotoprotokoll in Kraft, bis November 2009 haben es 189 Staaten ratifiziert. Sein Zustandekommen gilt zwar als großer politischer Erfolg. Doch die Bilanz des Abkommens sieht weniger rosig aus - zum einen, weil die zwei Länder, die die meisten Treibhausgase ausstoßen, außen vor bleiben: Die USA haben das Protokoll zwar unterschrieben, aber nie ratifiziert; China ist keinerlei Verpflichtungen eingegangen, da es in den 1990er Jahren noch als so genanntes Entwicklungsland galt und das Abkommen lediglich die Industrieländer in die Pflicht nahm.
Weit entfernt vom Soll
Viel schwerer aber wiegt der Fakt, dass viele Länder weit davon entfernt sind, ihr Soll zu erreichen: Spanien hat bis 2007 seinen Ausstoß an Treibhausgasen um 53 Prozent erhöht, Australien um 30 Prozent, Kanada um 26 Prozent, Japan um 8 Prozent. Deutschland immerhin schafft es, sein Ziel von 21 Prozent Einsparung zu erreichen. Besser machten es da Länder wie Estland, Bulgarien, Ungarn und Russland - sie liegen weit unter den Vorgaben des Kyotoprotokolls, sparen also mehr Emissionen, als sie müssten.
Fabrikruine in Constantinovka, Ukraine: Wenn Industrien sterben, sinkt der CO2- Ausstoß. (Bild: Канопус Киля, Lizenz: Creative Commons)
Sitzen in Ost- und Südosteuropa etwa die fleißigsten Umweltschützer und die motiviertesten Politiker? Nein, den Ländern des ehemaligen Ostblocks (und auch dem wiedervereinten Deutschland) kam beim CO2-Reduzieren die Geschichte zu Hilfe. Nach dem Ende des Eisernen Vorhangs gingen ihre Industrien reihenweise in die Knie und hörten auf, die Luft zu verpesten. Um 42,2 Prozent reduzierten die "Volkswirtschaften in Transition", so der UN-Terminus, ihre Treibhausgasemissionen 2007 im Vergleich zu 1990. Alle anderen Staaten mit Verpflichtungen aus dem Kyotoprotokoll erhöhten ihren Ausstoß um insgesamt 12,8 Prozent. Mit Ach und Krach - und mehr zufällig denn gewollt - wird wohl das Ziel von 5,2 Prozent CO2-Reduktion bis 2012 erreicht werden.
Alles vergebens?
Nach Expertenansicht ist der Effekt des Abkommens auf den Klimawandel sowieso vernachlässigbar: Zu gering seien die Einsparungen, um die globale Erwärmung aufzuhalten oder deren Folgen um mehr als ein paar Jährchen hinauszuzögern. War also alles umsonst, waren das mühselige Ringen um jede Formulierung und das jahrelange Bangen um die Ratifizierung vergebens? Auf keinen Fall: Der Wert des Kyotoprotokolls liegt in den Schlussfolgerungen, die sich für künftige Klimaabkommen ziehen lassen. Es weist gewissermaßen den Weg, der zu gehen sein wird, und zwar über die nahe liegende Feststellung hinaus, dass die meisten Länder ihre Anstrengungen zum Klimaschutz deutlich verstärken müssen...
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Klimawandel - Fakten und Vorhersagen
Eine Autorität, wenn es um die Erforschung des Klimawandels geht, ist der 1988 ins Leben gerufene Weltklimarat (eigentlich Zwischenstaatlicher Ausschuss für Klimaänderungen oder kurz IPCC). In seinem Vierten Sachstandsbericht fasste der Rat 2007 wichtige Erkenntnisse zum Stand der globalen Erwärmung zusammen: Um 0,74 Grad Celsius ist demnach die durchschnittliche Temperatur auf der Erde in den letzten einhundert Jahren angestiegen, Gletscher und Polareis schmelzen, der Meeresspiegel steigt, Dürren und extreme Wetterereignisse nehmen an Häufigkeit und Intensität zu.
Verantwortlich für den Temperaturanstieg sind Treibhausgase wie Kohlenstoffdioxid (CO2), Methan (CH4) und Lachgas (N2O). Der Mensch trägt entscheidend zur Freisetzung solcher Gase bei: durch das Verbrennen fossiler Energieträger, durch das Roden der Wälder, beim Bewirtschaften von Äckern und Weiden. Die Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre liegt heute weit über dem Niveau vor der industriellen Revolution (CO2: plus 36 Prozent, CH4: plus 148 Prozent) und übertrifft sogar alle Hochs der vergangenen 650.000 Jahre.
Das optimistischste Szenario des IPCC sagt bis zum Ende des 21. Jahrhunderts einen weltweiten Temperaturanstieg von 1,1 Grad Celsius voraus - im schlimmsten Fall könnten es 6 Grad Celsius werden. Die Folgen wären unter anderem: massives Artensterben (zwanzig bis dreißig Prozent der Tier- und Pflanzenarten wären gefährdet), Trinkwassermangel und Ernteausfälle in vielen Regionen, Überflutungen auf Pazifikinseln und in den großen Flussdeltas Asiens und Afrikas, das Sterben des Regenwaldes im Amazonasgebiet.
Eine Autorität, wenn es um die Erforschung des Klimawandels geht, ist der 1988 ins Leben gerufene Weltklimarat (eigentlich Zwischenstaatlicher Ausschuss für Klimaänderungen oder kurz IPCC). In seinem Vierten Sachstandsbericht fasste der Rat 2007 wichtige Erkenntnisse zum Stand der globalen Erwärmung zusammen: Um 0,74 Grad Celsius ist demnach die durchschnittliche Temperatur auf der Erde in den letzten einhundert Jahren angestiegen, Gletscher und Polareis schmelzen, der Meeresspiegel steigt, Dürren und extreme Wetterereignisse nehmen an Häufigkeit und Intensität zu.
Verantwortlich für den Temperaturanstieg sind Treibhausgase wie Kohlenstoffdioxid (CO2), Methan (CH4) und Lachgas (N2O). Der Mensch trägt entscheidend zur Freisetzung solcher Gase bei: durch das Verbrennen fossiler Energieträger, durch das Roden der Wälder, beim Bewirtschaften von Äckern und Weiden. Die Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre liegt heute weit über dem Niveau vor der industriellen Revolution (CO2: plus 36 Prozent, CH4: plus 148 Prozent) und übertrifft sogar alle Hochs der vergangenen 650.000 Jahre.
Das optimistischste Szenario des IPCC sagt bis zum Ende des 21. Jahrhunderts einen weltweiten Temperaturanstieg von 1,1 Grad Celsius voraus - im schlimmsten Fall könnten es 6 Grad Celsius werden. Die Folgen wären unter anderem: massives Artensterben (zwanzig bis dreißig Prozent der Tier- und Pflanzenarten wären gefährdet), Trinkwassermangel und Ernteausfälle in vielen Regionen, Überflutungen auf Pazifikinseln und in den großen Flussdeltas Asiens und Afrikas, das Sterben des Regenwaldes im Amazonasgebiet.



