In den Straßen von Mumbai: Wie in Indien wächst in vielen Ländern die Bevölkerung. Mehr Menschen bedeuten mehr Konsum und damit mehr CO2-Ausstoß.
Kompromiss: Geld
Schon der Fairness halber ist eine solche Unterstützung Gebot: Zwei Jahrhunderte lang hat die industrialisierte Welt hemmungslos CO2 in die Atmosphäre gepustet, und plötzlich soll der Rest der Welt das ausbaden? Klar ist aber auch, dass die Erde keine Chance hat, wenn die Entwicklungsländer sich ebenso verhalten wie die Industrieländer. Also wird man sich auf einen Kompromiss einigen müssen. Und der heißt: Geld. Einhundert Milliarden US-Dollar jährlich solle die Weltgemeinschaft bis 2020 für den Klimaschutz investieren, fordert der britische Ökonom Nicholas Stern. Den Löwenanteil davon sollten die USA und Europa tragen. Bis 2050 müssten die jährlichen Investitionen dann auf zweihundert Milliarden Dollar steigen, um die globale Erwärmung auf zwei Grad Celsius zu begrenzen und ihre Folgen kontrollierbar zu machen.
Wer heute in erneuerbare Energien wie Windkraft investiert, spart später bei den Folgekosten des Klimawandels.
Zweihundert Milliarden Dollar für den Ausbau erneuerbarer Energien, für den Kampf gegen die Abholzung und für andere Klimaschutzprojekte klingen nach einer unglaublichen Menge Geld. Dabei ist die Rettung der Welt ein echtes Schnäppchen: Gerade mal 0,3 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts (das lag 2007 bei 54,3 Billionen Dollar) würde es kosten, Sterns Empfehlung zu folgen. Allein die USA steckten 2008 den dreifachen Betrag in ihr Militär; weltweit floss das Siebenfache in die Rüstungsetats. Sogar vom ökonomischen Standpunkt aus, so stellt es Stern in seinem 2006 veröffentlichten Bericht zu den wirtschaftlichen Aspekten des Klimawandels dar, lohnen sich "grüne" Investitionen: Mit jedem Dollar, der heute in den Klimaschutz fließt, ließen sich in ferner Zukunft fünf bis zwanzig Dollar sparen, die für das Abfedern der Folgen des Klimawandels sonst ausgegeben werden müssten!
Emissionshandel und...
Wie aber lassen sich, gerade in Zeiten von Wirtschaftskrise und knappen Kassen, umweltfreundliche Investitionen fördern? Diese Frage bringt uns zurück zum Kyotoprotokoll: Darin sind so genannte flexible Mechanismen festgelegt, die es Ländern erlauben, einerseits Emissionsreduktionen zu Geld zu machen, andererseits getätigte Investitionen auf den eigenen CO2-Ausstoß anzurechnen. Das Instrument, Ausstoßminderungen zu Geld zu machen, ist der Emissionshandel: Länder, die weniger verschmutzen als erlaubt, können Verschmutzungsrechte an andere Länder verkaufen. Der Hintergedanke ist, solche Rechte möglichst knapp und dadurch teuer zu halten - Investitionen in klimafreundliche Technologien würden dadurch lohnenswert.
Technik zur CO2-Reduzierung, etwa beim Müll, gibt es bereits. Deren Transfer um die Welt sollen die flexibilen Mechanismen des Kyotoprotokolls fördern.
Weitere Mechanismen münzen Auslandsinvestitionen in CO2-Einsparungen um: die Gemeinschaftsreduktion (Joint Implementation, JI) und der Mechanismus für umweltverträgliche Entwicklung (Clean Development Mechanism, CDM). Zum Beispiel stellt die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) im Rahmen des CDM einer brasilianischen Mülldeponie in Sao Paulo Entgasungsanlagen zur Verfügung. Die jährliche CO2-Einsparung von mehr als einer Tonne wird Deutschlands Klimakonto gutgeschrieben; Brasilien profitiert vom Technologie- und Wissenstransfer. Analog zum CDM in Entwicklungsländern funktioniert die JI in Industrieländern oder Staaten des ehemaligen Ostblocks.
Alle dürfen mitmachen
Ende 2012 läuft das Kyotoprotokoll mit seinen Reduktionsverpflichtungen und flexiblen Mechanismen aus. Ein wirksames Nachfolgeabkommen auszuhandeln oder wenigstens vorzubereiten, darum geht es im Dezember 2009 in Kopenhagen. Vergessen wir aber nicht, dass die Rettung der Welt nicht den Volksvertretern allein obliegt - auch das Volk darf mitmachen. Wenn Ottonormalverbraucher öfter mal das Auto stehen lässt, sich zum Stromsparen entschließt, beim Lüften die Heizung abdreht oder auf die Fernreise verzichtet, kann das dem Klima ja nicht schaden.
Urte Paul (27.11.2009)
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Brasiliens grüne Zukunft?
Europa sieht sich gerne als Vorbild in Sachen Klimaschutz - doch auch in anderen Weltteilen wächst das Bewusstsein für Ökothemen. Eine regelrechte Trendwende erlebt derzeit Brasilien. Zur besten Sendezeit strahlt das Fernsehen Amazonas-Dokumentationen und Berichte über Biodiversität aus, vor allem jüngere Bürger sorgen sich zunehmend um die Umwelt. Viele Unternehmen, die im Ausland tätig sind und dort nach strengen Umweltstandards arbeiten, verpflichten sich zu Treibhausgasreduktionen. Die Agrobranche hantiert mit Begriffen wie Nachhaltigkeit und Regenwaldschutz. Teile der Wirtschaftselite sind der Grünen Partei Brasiliens beigetreten und drängen nun die Regierung zu aktiverer Klimapolitik.
Selbst in der Politik tut sich was. Bis vor kurzem hätten Politiker noch "allergische Attacken" bekommen, wenn es um Klimaziele ging, berichtet Marcelo Furtado, Brasiliens Greenpeace-Chef. Doch inzwischen ist der Grünen-Gründer Carlos Minc Umweltminister. Medienwirksam schließt er illegale Sägewerke und konfisziert Rinder, die auf abgebrannten Regenwaldflächen weiden. Auch Präsident Lula da Silva schickt deutliche Signale an die Landsleute und an die internationale Gemeinschaft: Um achtzig Prozent werde Brasilien bis 2020 die Brandrodung im Amazonasgebiet verringern. Die Treibhausgasemissionen sollen in jenem Jahr bis zu 39 Prozent niedriger liegen als vorhergesagt.
Selbstzweck ist das alles nicht: Brasilien, Mitglied der G20 und wichtiger internationaler Handelspartner, gefalle sich in der Rolle einer neuen Weltmacht, sagt Furtado. Da passe ein Auftreten als armes Entwicklungsland einfach nicht mehr dazu. Das illustrieren auch Präsident da Silvas Äußerungen in einem Interview mit der Wochenzeitung Die Zeit: Seine mutigen Umweltziele sieht der Staatschef als "Ansporn" für die reichen Länder: "Die reden nämlich eine Menge, tun aber wenig."
Europa sieht sich gerne als Vorbild in Sachen Klimaschutz - doch auch in anderen Weltteilen wächst das Bewusstsein für Ökothemen. Eine regelrechte Trendwende erlebt derzeit Brasilien. Zur besten Sendezeit strahlt das Fernsehen Amazonas-Dokumentationen und Berichte über Biodiversität aus, vor allem jüngere Bürger sorgen sich zunehmend um die Umwelt. Viele Unternehmen, die im Ausland tätig sind und dort nach strengen Umweltstandards arbeiten, verpflichten sich zu Treibhausgasreduktionen. Die Agrobranche hantiert mit Begriffen wie Nachhaltigkeit und Regenwaldschutz. Teile der Wirtschaftselite sind der Grünen Partei Brasiliens beigetreten und drängen nun die Regierung zu aktiverer Klimapolitik.
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