Seite drucken

LexiTV - Das MDR Wissensmagazin - Bildung für alle

 

Dieser Artikel gehört zum Thema

Klimagipfel

Infobox

Brasiliens grüne Zukunft?
Europa sieht sich gerne als Vorbild in Sachen Klimaschutz - doch auch in anderen Weltteilen wächst das Bewusstsein für Ökothemen. Eine regelrechte Trendwende erlebt derzeit Brasilien. Zur besten Sendezeit strahlt das Fernsehen Amazonas-Dokumentationen und Berichte über Biodiversität aus, vor allem jüngere Bürger sorgen sich zunehmend um die Umwelt. Viele Unternehmen, die im Ausland tätig sind und dort nach strengen Umweltstandards arbeiten, verpflichten sich zu Treibhausgasreduktionen. Die Agrobranche hantiert mit Begriffen wie Nachhaltigkeit und Regenwaldschutz. Teile der Wirtschaftselite sind der Grünen Partei Brasiliens beigetreten und drängen nun die Regierung zu aktiverer Klimapolitik.

Selbst in der Politik tut sich was. Bis vor kurzem hätten Politiker noch "allergische Attacken" bekommen, wenn es um Klimaziele ging, berichtet Marcelo Furtado, Brasiliens Greenpeace-Chef. Doch inzwischen ist der Grünen-Gründer Carlos Minc Umweltminister. Medienwirksam schließt er illegale Sägewerke und konfisziert Rinder, die auf abgebrannten Regenwaldflächen weiden. Auch Präsident Lula da Silva schickt deutliche Signale an die Landsleute und an die internationale Gemeinschaft: Um achtzig Prozent werde Brasilien bis 2020 die Brandrodung im Amazonasgebiet verringern. Die Treibhausgasemissionen sollen in jenem Jahr bis zu 39 Prozent niedriger liegen als vorhergesagt.

Selbstzweck ist das alles nicht: Brasilien, Mitglied der G20 und wichtiger internationaler Handelspartner, gefalle sich in der Rolle einer neuen Weltmacht, sagt Furtado. Da passe ein Auftreten als armes Entwicklungsland einfach nicht mehr dazu. Das illustrieren auch Präsident da Silvas Äußerungen in einem Interview mit der Wochenzeitung Die Zeit: Seine mutigen Umweltziele sieht der Staatschef als "Ansporn" für die reichen Länder: "Die reden nämlich eine Menge, tun aber wenig."