Die Falle
Um 1900 ernährte ein Bauer drei weitere Personen; heute sind es mehr als hundert. Abzusehen war das nicht. Noch im 19. Jahrhundert herrschte die Angst, den Menschen könnte die Nahrung versiegen.Mähen und Dreschen - was früher Tage und Wochen dauerte, erledigen heute Maschinen in kürzester Zeit.
Malthus täuschte sich
Aber das Horrorszenario blieb bis heute aus: Die Menschheit vermehrt sich munter weiter, und zumindest in der westlichen Zivilisation scheint eher ein Überangebot an Nahrung, mit seinen Folgen Diabetes und Übergewicht, ein Problem zu bilden. Malthus täuschte sich. Doch weshalb? War seine Schwarzmalerei nur auf Effekte abgestellt - oder hat der Mann sich schlicht verrechnet?
Wenig Anlass zu Optimismus
Die Situation zur Entstehungszeit der These von Malthus gab tatsächlich wenig Anlass zum Optimismus: Inner- und außerhalb der englischen Großstädte wuchsen die Elendsviertel, dreißig bis vierzig Prozent aller Engländer waren unterernährt, Hunger und Armut griffen um sich: Der Pauperismus hatte seinen Höchststand erreicht.
Sogar Brot ist Mangelware
Der Fleischverbrauch, im spätmittelalterlichen Deutschland lag er noch bei durchschnittlich hundert Kilogramm pro Kopf und Jahr, sank zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf zwanzig Kilo. Selbst das tägliche Brot stand nicht immer zur Verfügung: Ein Drittel der ländlichen Bevölkerung ernährte sich ausschließlich von Kartoffeln; Krankheiten und Mangelerscheinungen machten sich breit. Das einfache volkswirtschaftliche Gesetz vom Ertrag erklärt den Grund: Irgendwann nimmt das, was man erntet, nicht mehr im Maße der zusätzlich eingesetzten Arbeit zu. Sprich: Doppelt soviele Arbeiter auf dem gleichen Boden erzeugen nicht die doppelte Menge - der Ertrag sinkt relativ, es entsteht Mangel. Doch Malthus hielt einen Faktor in seiner Rechnung für konstant, der sich bald als variabel herausstellte: die Technologie.
Industrielle Methoden
Am Anfang des 19. Jahrhunderts ist das kaum absehbar. Die Industrialisierung mit ihren rationalen Produktionsmethoden hat sich zwar schon auf den Weg gemacht, doch ganz ankommen wird sie, vor allem in den ländlichen Regionen, erst gut hundert Jahre später. Bis dahin lag die Chance zur Erhöhung der Nahrungsmittelproduktion vor allem in der Nutzung so genannter Grenzböden - also Böden, die eigentlich schlecht zu bewirtschaften sind und nur geringen Ertrag abwerfen. Erst im weiteren Verlauf des Jahrhunderts fangen industrielles Denken und industrielle Methoden an, auch die Landwirtschaft zu dominieren. Neue Techniken der Bodenbearbeitung und intensivere Verfahren, bis hin zum Einsatz von Kunstdünger entstehen...
Teil 1: Malthus' Fehler
Teil 2: Jahrtausende der Technikentwicklung
Teil 3: Schlechte Zeiten und gute Zeiten
Teil 2: Jahrtausende der Technikentwicklung
Teil 3: Schlechte Zeiten und gute Zeiten


