Aber auch mit psychischen Erkrankungen, wie zum Beispiel Depressionen oder Schlafstörungen, haben viele zu kämpfen. Denn der Schlaf nach einer Nachtschicht - am helllichten Tage - ist erwiesenermaßen schlechter als normaler Nachtschlaf; der Körper braucht länger, um wieder zu Kräften zu kommen.
Soziale Isolation
Neben den gesundheitlichen Auswirkungen der Nachtarbeit gibt es zahlreiche - nicht zu unterschätzende - soziale Beeinträchtigungen. Die meisten gesellschaftlichen Aktivitäten orientieren sich am normalen Tagesrhythmus. Oft sind Nachtarbeiter zeitweise, wenn nicht sogar ganz, von diesen Aktivitäten ausgeschlossen. Häufig führt das in die soziale Isolation. Um derartige Effekte zu vermeiden, sind die Unterstützung und das Verständnis der Familie von außerordentlicher Wichtigkeit.
Dass Nachtarbeit freilich auch die familiären Beziehungen in Mitleidenschaft zieht, steht außer Frage: Chronische Müdigkeit macht das Privatleben öde, die gemeinsam verbrachte Zeit verringert sich, der Zusammenhalt in der Familie kann dadurch verloren gehen. Studien stellen sogar einen gewissen Autoritätsverlust der Betroffenen gegenüber ihren Kindern fest. Oft bedingen diese Effekte im familiären und sozialen Bereich wiederum das erhöhte Risiko für gesundheitliche und psychische Probleme.
Lockender Lohn
Aber trotz solcher Auswirkungen ist die Zahl der Nachtarbeiter in den letzten Jahren gestiegen. Oft lockt der finanzielle Aspekt der Nachtschichtzulage. Anderen scheinen Nachtschichten ein guter Weg, ihr Arbeitsleben mit familiären Betreuungspflichten zu vereinen. Und besonders für junge Menschen ergeben sich aus den Arbeitszeiten außerhalb des normalen Rhythmus´ neue Möglichkeiten der Freizeitgestaltung.
Mancher entscheidet sich deshalb sogar ganz bewusst für den Nachtdienst. Die wenigsten jedoch leisten Nachtschichten freiwillig, zu stark belasten gesundheitliche und soziale Probleme den Alltag. Nach dem Motto "Lieber nachts arbeiten, als gar keinen Job!" nehmen aber immer mehr Menschen ungewöhnliche Arbeitszeiten in Kauf. In vielen Fällen bieten Nachtsschichten denn auch die einzige Möglichkeit, Geld zu verdienen.
Arbeiten gegen den Körper
Mediziner raten indes, auf die lukrative Nachtschichtzulage zu verzichten und stattdessen den Freizeitausgleich in Anspruch zu nehmen - wenn schon Nachtarbeit, dann so risikoarm wie möglich. Der zunehmende wirtschaftliche Druck allerdings lässt viele Nachtarbeiter die langfristigen Auswirkungen auf Gesundheit und Psyche ignorieren.
Es ist ein Dilemma: Natürlich wissen sie um die Gefahr, gegen die innere Uhr - und damit gegen den eigenen Körper - zu arbeiten. In einer Zeit jedoch, in der mehr Flexibilität vom Einzelnen gefordert wird, verzichtet kaum jemand auf einen Job nur wegen ungünstiger Arbeitszeiten. Ebenso wenig kann die Gesellschaft auf die Arbeit der vielen "Nachtaktiven" verzichten - sie hält das Leben im Rhythmus.
Ulrike Wolf (11.10.2004)
Soziale Isolation
Neben den gesundheitlichen Auswirkungen der Nachtarbeit gibt es zahlreiche - nicht zu unterschätzende - soziale Beeinträchtigungen. Die meisten gesellschaftlichen Aktivitäten orientieren sich am normalen Tagesrhythmus. Oft sind Nachtarbeiter zeitweise, wenn nicht sogar ganz, von diesen Aktivitäten ausgeschlossen. Häufig führt das in die soziale Isolation. Um derartige Effekte zu vermeiden, sind die Unterstützung und das Verständnis der Familie von außerordentlicher Wichtigkeit.
Dass Nachtarbeit freilich auch die familiären Beziehungen in Mitleidenschaft zieht, steht außer Frage: Chronische Müdigkeit macht das Privatleben öde, die gemeinsam verbrachte Zeit verringert sich, der Zusammenhalt in der Familie kann dadurch verloren gehen. Studien stellen sogar einen gewissen Autoritätsverlust der Betroffenen gegenüber ihren Kindern fest. Oft bedingen diese Effekte im familiären und sozialen Bereich wiederum das erhöhte Risiko für gesundheitliche und psychische Probleme.
Lockender Lohn
Aber trotz solcher Auswirkungen ist die Zahl der Nachtarbeiter in den letzten Jahren gestiegen. Oft lockt der finanzielle Aspekt der Nachtschichtzulage. Anderen scheinen Nachtschichten ein guter Weg, ihr Arbeitsleben mit familiären Betreuungspflichten zu vereinen. Und besonders für junge Menschen ergeben sich aus den Arbeitszeiten außerhalb des normalen Rhythmus´ neue Möglichkeiten der Freizeitgestaltung.
Mancher entscheidet sich deshalb sogar ganz bewusst für den Nachtdienst. Die wenigsten jedoch leisten Nachtschichten freiwillig, zu stark belasten gesundheitliche und soziale Probleme den Alltag. Nach dem Motto "Lieber nachts arbeiten, als gar keinen Job!" nehmen aber immer mehr Menschen ungewöhnliche Arbeitszeiten in Kauf. In vielen Fällen bieten Nachtsschichten denn auch die einzige Möglichkeit, Geld zu verdienen.
Gute Nacht!
Mediziner raten indes, auf die lukrative Nachtschichtzulage zu verzichten und stattdessen den Freizeitausgleich in Anspruch zu nehmen - wenn schon Nachtarbeit, dann so risikoarm wie möglich. Der zunehmende wirtschaftliche Druck allerdings lässt viele Nachtarbeiter die langfristigen Auswirkungen auf Gesundheit und Psyche ignorieren.
Es ist ein Dilemma: Natürlich wissen sie um die Gefahr, gegen die innere Uhr - und damit gegen den eigenen Körper - zu arbeiten. In einer Zeit jedoch, in der mehr Flexibilität vom Einzelnen gefordert wird, verzichtet kaum jemand auf einen Job nur wegen ungünstiger Arbeitszeiten. Ebenso wenig kann die Gesellschaft auf die Arbeit der vielen "Nachtaktiven" verzichten - sie hält das Leben im Rhythmus.
Ulrike Wolf (11.10.2004)
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Arbeitsdruck und Freizeitstress
Die Gestaltung der Arbeitszeit hat sich historisch in drei Phasen entwickelt. Während man Zeit in der vorindustriellen Agrar- und Handwerksgesellschaft an zyklischen, immer wiederkehrenden Phänomenen maß, wurde sie in der Industriegesellschaft zur rationell messbaren, ökonomischen Ressource.
Normalarbeitstag und Normalarbeitswoche bildeten sich heraus, mit fester Stundenanzahl und einer Polarisierung von Arbeitszeit und Freizeit. Im 20. Jahrhundert kam es zur Verkürzung der Arbeitszeiten, gleichzeitig aber auch zur Intensivierung der Arbeitsrhythmen.
Kapitalinvestitionen erhielten mehr Gewicht gegenüber menschlicher Arbeit. Zur Rentabilisierung der Investitionen wurden die Funktionszeiten der Produktionsanlagen ausgeweitet - Schicht-, Nacht- und Wochenendarbeit waren die Folge.
Im letzten Jahrzehnt wurde die Tendenz zur Auflösung der herkömmlichen Zeitstruktur und zur Flexibilisierung der Arbeitszeiten besonders deutlich. Der gesellschaftliche Zeitrhythmus verändert sich gravierend - mit erheblichen Folgen für den einzelnen Arbeitnehmer.
Unter dem Motto "Zeit ist Geld" kommt es nun in der postindustriellen Gesellschaft zur Fragmentierung der Zeit und zur zeitlichen Entgrenzung der Arbeit. Die zunehmende Liberalisierung ist verbunden mit einem wachsenden wirtschaftlichen Druck - für den Arbeitnehmer.
Dabei kommt der Druck, mehr und schneller zu arbeiten, nicht mehr so oft von außen; der Arbeitnehmer macht ihn sich selbst. Arbeit ist lebensnotwendiges Element des Alltags, wird sogar zu dessen Rhythmusgeber - wobei die Grenze zwischen Arbeitszeit und Freizeit mehr und mehr verschwimmt.
Die Gestaltung der Arbeitszeit hat sich historisch in drei Phasen entwickelt. Während man Zeit in der vorindustriellen Agrar- und Handwerksgesellschaft an zyklischen, immer wiederkehrenden Phänomenen maß, wurde sie in der Industriegesellschaft zur rationell messbaren, ökonomischen Ressource.
Normalarbeitstag und Normalarbeitswoche bildeten sich heraus, mit fester Stundenanzahl und einer Polarisierung von Arbeitszeit und Freizeit. Im 20. Jahrhundert kam es zur Verkürzung der Arbeitszeiten, gleichzeitig aber auch zur Intensivierung der Arbeitsrhythmen.
Kapitalinvestitionen erhielten mehr Gewicht gegenüber menschlicher Arbeit. Zur Rentabilisierung der Investitionen wurden die Funktionszeiten der Produktionsanlagen ausgeweitet - Schicht-, Nacht- und Wochenendarbeit waren die Folge.
Im letzten Jahrzehnt wurde die Tendenz zur Auflösung der herkömmlichen Zeitstruktur und zur Flexibilisierung der Arbeitszeiten besonders deutlich. Der gesellschaftliche Zeitrhythmus verändert sich gravierend - mit erheblichen Folgen für den einzelnen Arbeitnehmer.
Unter dem Motto "Zeit ist Geld" kommt es nun in der postindustriellen Gesellschaft zur Fragmentierung der Zeit und zur zeitlichen Entgrenzung der Arbeit. Die zunehmende Liberalisierung ist verbunden mit einem wachsenden wirtschaftlichen Druck - für den Arbeitnehmer.
Dabei kommt der Druck, mehr und schneller zu arbeiten, nicht mehr so oft von außen; der Arbeitnehmer macht ihn sich selbst. Arbeit ist lebensnotwendiges Element des Alltags, wird sogar zu dessen Rhythmusgeber - wobei die Grenze zwischen Arbeitszeit und Freizeit mehr und mehr verschwimmt.



