Tief im Westen, wo die Sonne verstaubt!
Ist es besser, viel besser, als man glaubt!
aus Herbert Grönemeyers Bochum, 1984
Glück auf
Erstaunt war wohl mancher über die Auszeichnung durch die EU, hatte das Ruhrgebiet bisher ja nicht den Ruf einer Kulturregion. Gerade weil das so ist, knüpft man dort nun große Hoffnungen an das Projekt Ruhr.2010.Mit mehr als fünf Millionen Einwohnern auf einer Fläche von etwa viereinhalbtausend Quadratkilometern ist das Ruhrgebiet der größte Ballungsraum Deutschlands.
Rohstoff für den Aufschwung
Dabei gab es Zeiten, da blickte der Rest des Landes anerkennend auf die Malocher, die tief aus der Erde den Rohstoff für den wirtschaftlichen Aufschwung Deutschlands holten. Seit in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts mit der Entstehung vereinzelter Eisenhütten und erster wichtiger Technologien zur Erzeugung von Eisen der Grundstein für den industriellen Bergbau gelegt worden war, befand sich das Ruhrgebiet für fast zwei Jahrhunderte in einem stetigen Aufstieg.
Zechen, Kanäle, Konzerne
Vormalige Dörfer wie Bochum entwickelten sich zu Großstädten, es entstanden Arbeitersiedlungen und Zechenkolonien. Landbevölkerung und "Gastarbeiter" aus Polen, Italien und der Türkei deckten den wachsenden Bedarf an Arbeitskräften. Roheisen ging in die Massenproduktion, der Dortmund-Ems-Kanal wurde gegraben. Ab 1880 entstanden chemische Industrie und Schwerindustrie. Großbetriebe wandelten sich zu Konzernen.
Hartnäckiges Vorurteil: Für viele ist das Ruhrgebiet noch immer eine unattraktive, durch Industrie belastete Region.
Mit der Kohlekrise der 1950er Jahre jedoch begann das Zechensterben: Da das billigere Erdöl in vielen Bereichen die Kohle ersetzte, verlor das Revier seinen Stellenwert als wichtigster Rohstofflieferant. Die Stahlkrise der 1960er Jahre besiegelte das Schicksal des Ruhrpotts. Von einst 3.200 Zechen sind noch vier Bergwerke übrig; wo früher 700.000 Kumpel schufteten, gibt es heute Arbeit für gerade mal 31.000. Spätestens 2018 werden wohl die letzten Gruben dicht gemacht.
Kulturelles Zentrum Europas?
Was einmal die "Herz-Lungen-Maschine" der Republik war, wurde zum Synonym für den Niedergang. Und was für viele Menschen außerhalb des Reviers schon zu besseren Zeiten galt, gilt nun erst recht: Wer nicht in den Pott muss, macht einen großen Bogen darum. Warum hat die Europäische Union ausgerechnet das Ruhrgebiet zur Europäischen Kulturhauptstadt 2010 erklärt? Die krisengeplagte, vom radikalen Strukturwandel gezeichnete Industrieregion - ein kulturelles Zentrum Europas?
Die andere Seite
Wer genau hinschaut, entdeckt ein Ruhrgebiet, das so gar nicht zum grauen Image passen will: statt einer einzigen großen Kohlehalde eine weltweit einmalige Kulturlandschaft. Die Region hat die höchste Dichte an kulturellen Einrichtungen in Europa: 200 Museen, 120 Theater, Konzerthäuser, über 1.000 Industriedenkmäler, aber auch Love Parade, modernste Sportarenen, Universitäten, Naherholungsgebiete, Wälder und Parks auf renaturierten Industriebrachen - all das hat das so "unattraktive" Ruhrgebiet zu bieten. Es weiß nur kaum jemand...
Seite
1
| 2
Dieser Artikel gehört zum Thema
| Ruhrgebiet | ![]() |
Infobox
Steckbrief Ruhrgebiet
Das Ruhrgebiet liegt im Bundesland Nordrhein-Westfalen und anteilig in Rheinland-Pfalz. Es umfasst die Städte Bochum, Bottrop, Dortmund, Duisburg, Essen, Gelsenkirchen, Hagen, Hamm, Herne, Oberhausen und Mülheim an der Ruhr, außerdem die Kreise Recklinghausen, Unna, Wesel und den Ennepe-Ruhr-Kreis.
Anfänglich bezeichnete das Wort Ruhrgebiet den Einzugsbereich des Flusses Ruhr. Erst um 1930 etablierte sich die Bezeichnung im heutigen Sinn als Name für die Industrieregion. Zuvor hieß die Gegend Rheinisch-Westfälisches Industriegebiet. Nicht zuletzt wegen seines schlechten Images wird seit einiger Zeit versucht, für das Ruhrgebiet den Begriff Metropole Ruhr zu etablieren.
Mit rund 5,25 Millionen Einwohnern auf einer Fläche von etwa 4.435 Quadratkilometern ist das Ruhrgebiet Deutschlands größter Ballungsraum. Zum Vergleich: Während Mitteldeutschland eine Bevölkerungsdichte von 161 Menschen pro Quadratkilometer aufweist, leben im Ruhrgebiet rund 1.200 Bewohner auf einem Quadratkilometer.
Seit dem Zusammenbruch von Bergbau und Stahlindustrie trägt die Ansiedlung kleiner und mittlerer Unternehmen im Bereich Verlags- und Pressewesen, Wirtschafts- und Rechtsberatung, Umwelttechnologien, Logistik sowie Kommunikations- und Informationstechnologie entscheidend zum Strukturwandel im Ruhrgebiet bei.
Waren 1964 noch fast sechzig Prozent aller Beschäftigten im Industriesektor tätig, liegt der Anteil heute nur noch bei 15 Prozent. Während zwischen 1980 und 2002 etwa die Hälfte der Arbeitsplätze im produzierenden Gewerbe verloren ging, entstanden fast 300.000 Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor. Dessen Anteil am regionalen Arbeitsmarkt wuchs von vierzig Prozent im Jahr 1963 auf inzwischen über siebzig Prozent.
Anfänglich bezeichnete das Wort Ruhrgebiet den Einzugsbereich des Flusses Ruhr. Erst um 1930 etablierte sich die Bezeichnung im heutigen Sinn als Name für die Industrieregion. Zuvor hieß die Gegend Rheinisch-Westfälisches Industriegebiet. Nicht zuletzt wegen seines schlechten Images wird seit einiger Zeit versucht, für das Ruhrgebiet den Begriff Metropole Ruhr zu etablieren.
Mit rund 5,25 Millionen Einwohnern auf einer Fläche von etwa 4.435 Quadratkilometern ist das Ruhrgebiet Deutschlands größter Ballungsraum. Zum Vergleich: Während Mitteldeutschland eine Bevölkerungsdichte von 161 Menschen pro Quadratkilometer aufweist, leben im Ruhrgebiet rund 1.200 Bewohner auf einem Quadratkilometer.
Seit dem Zusammenbruch von Bergbau und Stahlindustrie trägt die Ansiedlung kleiner und mittlerer Unternehmen im Bereich Verlags- und Pressewesen, Wirtschafts- und Rechtsberatung, Umwelttechnologien, Logistik sowie Kommunikations- und Informationstechnologie entscheidend zum Strukturwandel im Ruhrgebiet bei.
Waren 1964 noch fast sechzig Prozent aller Beschäftigten im Industriesektor tätig, liegt der Anteil heute nur noch bei 15 Prozent. Während zwischen 1980 und 2002 etwa die Hälfte der Arbeitsplätze im produzierenden Gewerbe verloren ging, entstanden fast 300.000 Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor. Dessen Anteil am regionalen Arbeitsmarkt wuchs von vierzig Prozent im Jahr 1963 auf inzwischen über siebzig Prozent.



