Privatsache
Sie gelten als Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Über neunzig Prozent aller Unternehmen in der Bundesrepublik sind Familienbetriebe. Dennoch wird ihre Bedeutung häufig unterschätzt.Es war einmal ein armer Weber, der suchte sein Glück in Augsburg und brachte es dort sogar zum Meister seiner Zunft. Jakob, der älteste Sohn, übernahm das Geschäft des Vaters und baute es langsam und vorsichtig zu einem stabilen Handwerks- und Handelsunternehmen aus. Sein Bruder Andreas verließ die Weberei und wurde Kaufmann. Recht bald schon gelangte er zu Reichtum, der von seinen Söhnen noch vermehrt werden konnte. Doch die schnelle Expansion überforderte Andreas' Nachfolger, woraufhin ihr Unternehmen schließlich alles verlor. Jakobs Söhnen und deren Nachfahren hingegen gelang es, das Familiengeschäft innerhalb weniger Jahre in ein weltweit agierendes Imperium zu verwandeln.
Ausnahmeerscheinung
Was klingt wie ein Märchen, ist die wahre, wenn auch stark verkürzte Geschichte der erfolgreichsten Unternehmerfamilie der frühen Neuzeit: Die Fugger gelangten im 16. Jahrhundert nicht nur zu wirtschaftlicher, sondern auch zu immenser politischer Macht; Päpste, Kaiser und Könige zählten zu ihren besten Kunden. - Hinsichtlich ihres geschäftlichen Erfolgs sind die Fugger eine Ausnahmeerscheinung in der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Nie wieder gelang einer einzelnen Familie ein solch rasanter Aufstieg zum Global Player.
93 Prozent
Das Bild des Global Player wird in heutiger Zeit maßgeblich von internationalen, börsennotierten Konzernen bestimmt. Sie stehen im Fokus von Politik und Medien: In der öffentlichen Wahrnehmung leisten sie den überwiegenden Beitrag zur Wirtschaftsleistung des Landes. Vielen ist nicht bewusst, dass rund 93 Prozent aller Firmen mit Sitz in Deutschland Familienunternehmen sind - von denen knapp die Hälfte des Gesamtumsatzes erwirtschaftet und fast sechzig Prozent aller Arbeitnehmer beschäftigt werden.
Breites Spektrum
Der Familienbetrieb, die Ursprungsform aller unternehmerischen Tätigkeit, hat sich bewährt. Das bestätigt unter anderem eine Ende 2009 veröffentlichte Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und des Mannheimer Instituts für Mittelstandsforschung (ifm) zur volkswirtschaftlichen Bedeutung von Familienunternehmen. Das Spektrum reicht dabei vom kleinen Bäcker nebenan über die mittelständische Baufirma bis hin zum Autobauer oder Versandhändler mit Milliardenumsatz. Der überwiegende Teil der Familienunternehmen, über neunzig Prozent, sind jedoch Betriebe mit weniger als zehn Beschäftigten und Jahresumsätzen von bis zu einer Million Euro.
Es müssen nicht unbedingt die Goldbarren im Tresor sein: Viele Familienunternehmen profitieren in Krisenzeiten vom finanziellen Polster, das in wirtschaftlich guten Jahren angehäuft wurde.
Unterschätzen sollte man deren wirtschaftliche Bedeutung aber nicht; sie sind Wirtschaftsmotor und wichtiger Arbeitgeber für die jeweilige Region. Und vor allem in Krisenzeiten können kleine Familienunternehmen wegen ihrer besonderen Spielregeln und Charakteristika manche Trumpfkarte ausspielen. Ihre meist konservative, auf langfristiger Planung beruhende Geschäftspolitik ist hier ein bedeutender Faktor, immerhin geht es den Eigentümern um den dauerhaften Erhalt des Unternehmens für die Familie und deren Nachkommen.
Vorteil: Eigenkapital
Um ihr Geschäft zu retten, verzichten Familienunternehmer in schwierigen Zeiten nicht nur ganz auf Renditen, viele setzen ihr privates Vermögen ein, um Erlöseinbrüche kurzfristig auszugleichen. Dabei profitieren sie von einer überdurchschnittlich hohen Eigenkapitalquote, also dem finanziellen Polster, welches in wirtschaftlich guten Jahren angehäuft wurde. "Eine solide Eigenkapitalbasis bietet gerade in Krisenzeiten einen wichtigen Puffer, weil alternative Finanzierungsquellen dann nur schwer zugänglich sind", erklärt Mittelstandsforscherin Ann-Christin Achleitner von der TU München im Dezember 2009 gegenüber der Financial Times Deutschland...
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Infobox
Was ist ein Familienunternehmen?
Im allgemeinen Sprachgebrauch ist der "Familienbetrieb" ein kleines Unternehmen, das ausschließlich einer Familie gehört und in dem, neben wenigen Angestellten, vor allem Familienmitglieder beschäftigt sind. Aber auch Unternehmen, die sich teilweise im Besitz Dritter befinden, können als Familienunternehmen bezeichnet werden, sofern die Familie die Mehrheit der Unternehmensanteile hält.
Die Einordnung als Familienunternehmen ist unabhängig von der Größe (gemessen am Umsatz oder der Zahl der Beschäftigten) oder der Rechtsform des Betriebes. Neben dem überwiegenden Anteil kleiner und mittlerer Unternehmen zählen hierzulande auch einige große Konzerne und sogar Aktiengesellschaften zu den Familienunternehmen. In Deutschland sind Familienunternehmen besonders häufig im Handel (27 Prozent), im Dienstleistungs- (23 Prozent) sowie im Bausektor (15 Prozent) vertreten.
Charakteristisch für Familienunternehmen ist, dass Mitglieder der Familie an der Geschäftsführung beteiligt sind und das Ziel verfolgen, das Unternehmen in der Familie zu halten und an nachfolgende Generationen zu übergeben. In ihren Strategien und ihrem Finanzierungsverhalten unterscheiden sich Familienunternehmen daher oftmals von Nicht-Familienunternehmen. So wollen sie weitestgehend unabhängig bleiben von externen Kapitalgebern, scheuen vor allem die Beteiligung externer Eigenkapitalgeber.
Familienunternehmen sind bestrebt, das Eigenkapital möglichst in der Familie zu halten und tendieren dazu, Gewinne nicht auszuschütten, sondern wieder im Unternehmen zu investieren. Ihre langfristig orientierte Unternehmensstrategie macht sie im Vergleich zu börsennotierten Unternehmen unempfindlicher gegenüber wirtschaftlichen Krisen.
Die Einordnung als Familienunternehmen ist unabhängig von der Größe (gemessen am Umsatz oder der Zahl der Beschäftigten) oder der Rechtsform des Betriebes. Neben dem überwiegenden Anteil kleiner und mittlerer Unternehmen zählen hierzulande auch einige große Konzerne und sogar Aktiengesellschaften zu den Familienunternehmen. In Deutschland sind Familienunternehmen besonders häufig im Handel (27 Prozent), im Dienstleistungs- (23 Prozent) sowie im Bausektor (15 Prozent) vertreten.
Charakteristisch für Familienunternehmen ist, dass Mitglieder der Familie an der Geschäftsführung beteiligt sind und das Ziel verfolgen, das Unternehmen in der Familie zu halten und an nachfolgende Generationen zu übergeben. In ihren Strategien und ihrem Finanzierungsverhalten unterscheiden sich Familienunternehmen daher oftmals von Nicht-Familienunternehmen. So wollen sie weitestgehend unabhängig bleiben von externen Kapitalgebern, scheuen vor allem die Beteiligung externer Eigenkapitalgeber.
Familienunternehmen sind bestrebt, das Eigenkapital möglichst in der Familie zu halten und tendieren dazu, Gewinne nicht auszuschütten, sondern wieder im Unternehmen zu investieren. Ihre langfristig orientierte Unternehmensstrategie macht sie im Vergleich zu börsennotierten Unternehmen unempfindlicher gegenüber wirtschaftlichen Krisen.



