Land im Aufbruch
Einst wirtschaftliches Schlusslicht Asiens, besserte sich die Lage Vietnams in den 1990er Jahren spürbar. Grund war die Öffnung des Landes hin zur sozialen Markwirtschaft.Auf den ersten Blick wirkt Hanoi wie eine jener vielen asiatischen Boom-Towns, deren rasantes Wachstum Indiz für den geglückten Anschluss an den Weltmarkt ist: Neubauten mit Glitzerfassaden, Bagger und Kräne an jeder Straßenecke, fast kollabierender Verkehr als Zeichen der neuen Mobilität und überdimensionale Werbeplakate, die die Konsumträume der Vorbeifahrenden visualisieren. Längst ist Vietnam, dessen Hauptstadt Hanoi ist, ein Rädchen im Getriebe der Globalisierung.
Propaganda und Werbung
Erst auf den zweiten Blick offenbart sich die Ambivalenz des südostasiatischen Staates: Neben Coca-Cola-, Mercedes- und Sony-Plakaten gibt es über die Straßen gespannte tiefrote Banner mit sozialistischen Parolen sowie mit Hammer und Sichel versehene Propagandaposter. Auch Ho Chi Minh (1890 bis 1969), Staatsgründer der einstigen Demokratischen Republik Vietnam, ist allgegenwärtig: mit Statuen und Fahnenappellen gedenkt die Staatsmacht täglich ihres Helden. Schließlich ist Vietnam ein sozialistisches Land.
"Social evils"
Das Machtmonopol besitzt die Kommunistische Partei, deren Führer die Politik des Landes steuern. Oppositionsparteien existieren nicht, ebenso wenig wie politische Liberalisierung. Liberalisierung gibt es nur auf wirtschaftlichem Gebiet - mit allen negativen Begleiterscheinungen: Politplakate, auf denen eine Faust die "social evils" der Marktwirtschaft wie Drogen, Aids, Pornos und Karaoke zerquetscht, sollen auf den rechten Pfad der "sozialistischen Marktwirtschaft" zurückführen. Warum aber vollführt Vietnam überhaupt solch Spagat zwischen Sozialismus und Kapitalismus?
In die Armut abgerutscht
Ein Blick zurück gibt Aufschluss: Die nach der Wiedervereinigung des Landes 1976 vollzogene Kollektivierung der Landwirtschaft erwies sich als unproduktiv. Hinzu kamen massive Handelshindernisse durch das von den USA verhängte Wirtschaftsembargo, so dass Vietnam innerhalb weniger Jahre zum viertärmsten Land der Welt abrutschte. Dennoch hielt die Regierung bis Ende der 1980er Jahre streng an der Planwirtschaft fest. Erst schwere Dürren, Hungersnöte, Hyperinflation und der Zusammenbruch der Sowjetunion bewogen die Machthaber zum Umdenken.
Vietnamesischer "Tiger"
Die als Doi Moi in die Geschichte eingegangene Erneuerungspolitik, auch als Vietnamesische Perestroika bezeichnet, markierte das Ende von Planwirtschaft und von Kollektivierung. Vietnam hielt zwar weiterhin am Sozialismus fest, ging aber gleichzeitig auf Westkurs und leitete marktwirtschaftliche Reformen ein: So begann die Regierung, Staatsbetriebe zu privatisieren und ausländische Investoren ins Land zu holen. Als die USA 1994 ihr Wirtschaftsembargo aufhoben, brach Vietnam endgültig aus der internationalen Isolierung hervor - mit der Folge, dass sein Wirtschaftswachstum schon bald das Thailands, Südkoreas und Malaysias überholte. Vorläufiger Höhepunkt der steilen "Karriere" war der Beitritt zur Welthandelsorganisation im Jahr 2007...
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Mit einer Größe von mehr als 330.000 Quadratkilometern gleicht die Fläche Vietnams etwa der Deutschlands. Die Sozialistische Republik Vietnam grenzt an das Südchinesische Meer, China, Kambodscha und Laos. Noch lebt die Mehrheit der 85 Millionen Einwohner auf dem Land, doch ist eine demografische Verschiebung zugunsten der Städte zu beobachten. Wichtigste Metropolen sind die Hauptstadt Hanoi im Norden und Ho Chi Minh Stadt im Süden.
Geografisch wird Vietnam auch als "Bambusstange mit zwei Reisschalen" bezeichnet, liegen im Norden und im Süden doch jeweils zwei fruchtbare Flussdeltas, wo vor allem Reis angebaut wird. Dazwischen befindet sich eher karges Gebiet, das aus Wäldern und Gebirgen besteht. Klimatisch ist das Land in zwei Klimazonen unterteilt: in das gemäßigte tropische Wechselklima des Nordens und in das tropische Klima des Südens. Wetterscheide ist der Wolkenpass nördlich von Da Nang.
Mehr als dreißig Jahre nach dem Krieg mit den USA hat Vietnam noch immer unter den Spätfolgen zu leiden: durch den Einsatz des Entlaubungsmittels Agent Orange sind nicht nur weite Teile der Umwelt vergiftet. Auch kommen in den ländlichen Gebieten überproportional häufig Fehl- und Missgeburten vor. Dennoch vermarktet die Regierung zunehmend das Potenzial ihres Landes, indem sie den Tourismus fördert, der seit zehn Jahren kontinuierlich zunimmt.
Geografisch wird Vietnam auch als "Bambusstange mit zwei Reisschalen" bezeichnet, liegen im Norden und im Süden doch jeweils zwei fruchtbare Flussdeltas, wo vor allem Reis angebaut wird. Dazwischen befindet sich eher karges Gebiet, das aus Wäldern und Gebirgen besteht. Klimatisch ist das Land in zwei Klimazonen unterteilt: in das gemäßigte tropische Wechselklima des Nordens und in das tropische Klima des Südens. Wetterscheide ist der Wolkenpass nördlich von Da Nang.
Mehr als dreißig Jahre nach dem Krieg mit den USA hat Vietnam noch immer unter den Spätfolgen zu leiden: durch den Einsatz des Entlaubungsmittels Agent Orange sind nicht nur weite Teile der Umwelt vergiftet. Auch kommen in den ländlichen Gebieten überproportional häufig Fehl- und Missgeburten vor. Dennoch vermarktet die Regierung zunehmend das Potenzial ihres Landes, indem sie den Tourismus fördert, der seit zehn Jahren kontinuierlich zunimmt.



